Ziel und Bestimmung

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Neulich Abend hatte ich mit meiner Ehefrau eine Unterhaltung über die Themen Zielsetzung, Zweck und Bestimmung. Wir sprachen darüber, wie Leistung und Erfolg im Leben oftmals das Ergebnis eines bestimmten Ziels und Plans sind, insbesondere für wahre Christen, und keineswegs durch Zufall oder Glück zustande kommen. Wenn man populäre Literatur zum Thema Erfolg liest, dann geht es häufig darum, ein klares, definitives Ziel zu haben, das Entscheidungen lenkt und zum Handeln motiviert. Dieses Ziel, was auch immer es für eine individuelle Person sein mag, hilft dabei, die Aufmerksamkeit zu fokussieren und Hindernisse zu überwinden, die zwischen ihm oder ihr und den gewünschten Ergebnissen stehen.

Im ersten Moment klingt das schön und gut. Ich bin davon überzeugt, dass ein klar definiertes Ziel den Menschen hilft, die gewünschten Resultate zu erreichen. Jedoch kann die Definition eines persönlichen Ziels oder Plans manchmal schwer zu fassen sein. Eine so einfache Frage wie „Was ist Ihr Ziel?“ kann viele Menschen, mich eingeschlossen, aus dem Konzept bringen. Die Frage ist schnell gestellt, aber die Antwort verlangt ein Maß an einer ganzheitlichen Betrachtung, das nicht so einfach zu erreichen ist.

Ohne die Errungenschaften derjenigen schmälern zu wollen, die durch ein einziges, klar definiertes Ziel eine Bestimmung in ihrem Leben gefunden haben, so erscheinen mir doch persönliche Ziele als nichtig, die an rein weltlichen Erfolgen gemessen werden. Ich glaube, dass Salomo das wahrscheinlich ebenso empfand. Im Buch Prediger schreibt er über all die erstaunlichen Leistungen, die er in seinem Leben vollbracht hat. Er baute große Häuser, pflanzte Weinberge, machte sich Gärten, Obstplantagen und Teiche. Er erwarb sich viele Knechte, Viehherden, Silber, Gold und Schätze aus aller Herren Ländern. Welche Maßstäbe man auch anlegt, er war sehr erfolgreich (vergleichen Sie Prediger 2,1-10). Und dennoch wusste er, dass all diese Errungenschaften keinerlei Bedeutung hatten, wenn er sein Leben einzig und allein aus weltlichen Gesichtspunkten heraus betrachtete. Daher schrieb er: „Da wandte ich mich dahin, dass ich mein Herz verzweifeln ließ an allem, um das ich mich mühte unter der Sonne. Denn es muss ein Mensch, der seine Arbeit mit Weisheit, Verstand und Geschicklichkeit mühsam getan hat, es einem andern zum Erbteil überlassen, der sich nicht darum gemüht hat. Das ist auch eitel und ein großes Unglück“ (Prediger 2,20-21). Selbst mit einem Ziel ausgestattet, das ihn zu großem weltlichen und materiellem Erfolg führte, fand Salomo doch keine tiefergehende Bestimmung.

Für mich ist Bestimmung im Leben von vielschichtiger Natur. Aus diesem Grund ist es unvollständig, zu behaupten, dass ein einziges Ziel meine Bestimmung mit detaillierter Klarheit und ausreichender Präzision definiert, um sie zutiefst persönlich zu machen. Im Gegensatz dazu sehen manche Sportler ihre Bestimmung darin, der bestmögliche Athlet zu sein. Dieses eine Ziel ist ausreichend, um sie zum Erfolg zu führen. Aber für mich, und ich wage zu behaupten, für alle wahren Christen, gilt es doch, dass wir viel mehr wollen als das, was die Welt uns bieten kann.

Am Ende seiner Meditation über den Sinn des Lebens sagt Salomo: „Lasst uns die Summe des ganzen hören: Fürchte Gott und halte seine Gebote! Denn das ist die Pflicht jedes Menschen“ (Prediger 12,13; Herder Bibel 2005). Mit dieser einfachen Aussage gibt er uns das Ziel im Leben eines Christen, seine eigentliche Bestimmung. Gott zu gehorchen ist das Einzige, was wir alle als Richtschnur für unser Handeln brauchen, damit wir erfolgreich zuerst nach Gottes Reich und seiner Gerechtigkeit trachten können (vergleichen Sie Matthäus 6,33). Dieses Ziel gilt für alle Christen. Jedoch ist es für sich allein genommen nicht sehr persönlich. Tatsache ist, dass Gott uns als Individuen geschaffen hat, mit Fähigkeiten, Ideen, Persönlichkeiten und einzigartigen Veranlagungen, die sich in Schichten über das Standardziel des Christen legen. Damit sie vollständig ist, nimmt unsere Bestimmung bei Gott ihren Anfang und setzt sich dann mit einer Entsprechung unserer selbst fort, die sich mit unserer Verpflichtung ihm gegenüber in Einklang befindet.

Wir alle haben einzigartige Qualitäten, die uns zu dem machen, was wir sind. Das sind Gaben Gottes, die wir nutzen sollen! Wir wollen nicht jene Art von unnützem Knecht sein, der sich entscheidet, das, was Gott gibt, nicht zu nutzen (vergleichen Sie Matthäus 25,24-30). Das endgültige Ziel, die Bestimmung unseres Lebens kommt von Gott, denn „[e]r hat uns ja errettet und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht aufgrund unserer Werke, sondern aufgrund seines eigenen Vorsatzes und der Gnade, die uns in Christus Jesus vor ewigen Zeiten gegeben wurde“ (vergleichen Sie 2.Timotheus 1,9; Schlachterbibel). Um unser Ziel wahrhaftig zu definieren, müssen wir also die Bestimmung begreifen, die Gott für uns hat. Wir können klar erkennen, dass sie darin besteht, uns als einzigartige Individuen in seine Familie aufzunehmen. Mit diesem Wissen können wir zuversichtlich sein, dass wir eine umfassende und facettenreiche Bestimmung als Ziel in unserem Leben haben, die bei Gott beginnt, unsere Individualität erfüllt, und zu herrlichen Resultaten führt.

Verfasser: Eric Rank

Ursprüngliche Übersetzung: Daniel Blasinger