Das Buch Sacharja—Prophezeiungen für die heutige Zeit—Teil 10

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Hier ist der 10. Teil der erweiterten und überarbeiteten deutschen Übersetzung unserer englischen Broschüre „The Book of Zechariah—Prophecies for Today!“

Die achte Vision: Die vier Wagen (Sacharja 6,1-8)

In Sacharja 6,1-8 wird die achte Vision von Sacharja in der revidierten Lutherbibel 2017 wie folgt beschrieben:

„(1) Und ich hob meine Augen abermals auf und sah, und siehe, da waren vier Wagen, die kamen zwischen den zwei Bergen hervor; die Berge aber waren aus Kupfer [besser: Bronze oder Messing; s.u.]. (2) Am ersten Wagen waren rote Rosse, am zweiten Wagen waren schwarze Rosse, (3) am dritten Wagen waren weiße Rosse, am vierten Wagen waren scheckige Rosse, allesamt stark. (4) Und ich hob an und sprach zum Engel, der mit mir redete: Mein Herr, wer sind diese? (5) Der Engel antwortete und sprach zu mir: Es sind die vier Winde des Himmels [besser: der Himmel, vgl. Authorized Version], die hervorkommen, nachdem sie gestanden haben vor dem Herrscher der ganzen Erde. (6) Die schwarzen Rosse zogen in das Land des Nordens, die weißen zogen hinter ihnen her, und die scheckigen zogen in das Land des Südens. (7) Diese starken Rosse also zogen aus und wollten sich aufmachen, um die Lande zu durchziehen. Und er sprach: Geht hin und durchzieht die Lande! Und sie durchzogen die Lande. (8) Und er rief mich an und redete mit mir und sprach: Sieh, die in das Land des Nordens ziehen, lassen meinen Geist ruhen im Lande des Nordens.“

Beachten Sie zunächst, dass wir die obige Stelle aus der revidieren Lutherbibel 2017 zitieren, die diese Stelle im Großen und Ganzen wort-getreuer wiedergibt. Andere Bibelübersetzungen, wie z.B. auch die revidierte Lutherbibel 1984, sind insoweit ungenau oder missverständlich.

Zahlreiche Kommentare versuchen diese Vision zu deuten, indem sie die vier Wagen und Pferde als die alten Weltreiche von Babylon, Medo-Persien, Griechenland und Rom identifizieren. Andere identifizieren sie als die vier Reiter der Apokalypse, nämlich religiöse Verführung, Krieg, Hungersnot und Seuchen. Hierbei verkennen sie jedoch die Bedeutung der Vision in ihrer Gesamtheit und ersetzen die eindeutige biblische Botschaft mit menschlichen Schlussfolgerungen. Wenn wir die folgenden Punkte berücksichtigen, erhalten wir eine klare Einschätzung der Bedeutung dieser Vision:

Vier Pferde

Die Bibel sagt uns sehr deutlich, wer und was die vier Pferde mit ihren Wagen sind: In Sacharja 6,5 lesen wir: „… Es sind die vier Winde der Himmel…“ Dies ist eine Bezeichnung für Engelwesen. In einer Anmerkung schreibt die Elberfelder Bibel „Geister“ [Eine bessere Bezeichnung wäre „Geistwesen“.] Die Schlachterbibel schreibt: „Dieses Bild (der vier Winde) repräsentiert die Engel Gottes, die ausgesandt sind, um für den ‚Herrscher der ganzen Erde‘ das Gericht auszuführen…“

Sodann müssen wir verstehen, dass der hebräische Ausdruck für Wind („ruach“) sehr wohl mit „Geist“ oder „Geistwesen“ übersetzt werden kann. Von daher sprechen die new King James Bible, die International Version und die Living Bible alle anstatt von „vier Winden“ von „vier Geistern der Himmel“ oder von „vier himmlischen Geistern“.

Einige Kommentare akzeptieren diese Erklärung. Scofield Reference Notes weist zum Beispiel darauf hin:

„Was durch die vier Wagen mit ihren Pferden symbolisiert wird, sind mitnichten die vier Weltreiche aus dem Buch Daniel, sondern die ‚vier Winde unter dem Himmel [besser: „die vier Winde der Himmel“], die hervorkommen, nachdem sie gestanden haben vor dem Herrscher aller Lande…‘ Diese ‚Winde‘ sind Engel…“

Albert Barnes‘ Notes on the Bible stimmt dieser Aussage zu:

„Dies sind die vier Geister der Himmel – Es können keine buchstäblichen Winde sein: Denn nicht Winde, sondern Geistwesen stehen vor Gott als seine Diener, wie im Buch Hiob beschrieben: ‚Es begab sich aber eines Tages, da die Gottessöhne kamen und vor den HERRN traten‘…“

Land des Nordens

Da zwei der Pferdegespanne aus Sacharjas Vision in das „Land des Nordens“ gesandt werden, liegt ein besonderes Augenmerk auf dessen Gericht. Die meisten Kommentare stimmen darin überein, dass sich das „Land des Nordens“, von dem in Sacharja 6,6 und 6,8 gesprochen wird, auf Babylon bezieht.

Im Kommentar von Jamieson, Fausset and Brown heißt es: „… Das ‚Land des Nordens‘ ist Babylon…“ Der Kommentar fügt hinzu: „Die ‚weißen‘ [Pferde] ziehen hinter den ‚schwarzen‘ Pferden her in dasselbe Land [Babylon], in das zwei Gespanne gesandt werden, aufgrund seiner schwerwiegenderen Grausamkeit und Schuld…“

Der Kommentar führt weiter aus, dass das (in Sacharja 6,6 erwähnte) „Land des Südens“ mit „Ägypten [identifiziert wird], dem anderen großen Feind von Gottes Volk.“

Urteil und Bestrafung der heidnischen Völker

Denken wir daran, dass das Urteil über die heidnischen Völker und ihre Bestrafung, wie sie in Sacharjas Vision beschrieben werden, in erster Linie zukünftige Ereignisse sind. Das „nördliche“ Land bezieht sich auf das HEUTIGE Babylon, wie es in Offenbarung 17 und 18 beschrieben wird. Darüber hinaus wird in Daniel 11,42-43 ein interessanter, endzeitlicher Verweis auf das HEUTIGE Ägypten gegeben, wo wir lesen: „… Ägypten wird ihm [dem König des Nordens] nicht entrinnen, sondern er wird Herr werden über die goldenen und silbernen Schätze und über alle Kostbarkeiten Ägyptens…“

Scofield Reference Notes führt weiter aus:

„Die Vision… spricht vom Urteil des Herrn über die Heidenvölker im Norden und im Süden am Tag des Herrn…“

Der Tag des Herrn bezieht sich auf die Zeitspanne, zu der Gott anfangen wird, aktiv in die Angelegenheiten der Menschen einzugreifen, indem er seinen Zorn auf die ungehorsame Menschheit ausschütten wird. Der Tag des Herrn beginnt ungefähr ein Jahr vor der Wiederkehr Jesu Christi. Technisch gesehen beginnen die Ereignisse, die in Daniel 11,42-43 im Hinblick auf Ägypten beschrieben werden, mit der Zeit der Großen Trübsal, die ungefähr dreieinhalb Jahre [oder etwas kürzer] vor Christi Wiederkunft beginnt und die mit der Vernichtung Babylons zur Zeit des Tags des Herrn ihren Abschluss finden.

Beachten Sie insoweit die nachfolgenden Anmerkungen in der Ryrie Studienbibel: „… Die Vision könnte auch die letzte Unterwerfung der Welt, besonders ‚Babylon‘ während der Bedrängniszeit [der Großen Trübsal] beschreiben…“

Auch wenn der Kommentar von Jamieson, Fausset and Brown die Vision Sacharjas in erster Linie auf die Zerstörung der alttestamentlichen Weltreiche anwendet, so gestattet er doch auch eine endzeitliche Erfüllung.

Er weist darauf hin, dass sich die „starken Rosse“ in Vers 7 scheinbar „auf alle vier Gespanne beziehen und hier insbesondere auf die ‚roten‘. Deren Aufgabe ist es, im Folgenden die Arbeit abzuschließen, die zum Teil bereits von den vorhergegangenen drei Gespannen ausgeführt wurde, die Babylon, Medo-Persien und Griechenland verstummen ließen: Nun geht es darum, den letzten großen Feind Israels—das vierte Weltreich, Rom—zu bestrafen, das bis zum zweiten Kommen Jesu Christi fortbestehen wird [und das in Offenbarung 17 als das heutige babylonische System identifiziert wird]. Daher ‚… wollten [die Rosse] sich aufmachen, um die Lande zu durchziehen…‘, als Antithese zu Satan, der ‚die Erde hin und her durchzieht‘… in Verbindung mit der letzten furchtbaren Entfaltung des vierten Weltreiches.“

Zwei Berge

Im ersten Vers lesen wir, dass die vier Wagen mit ihren Pferden „zwischen den zwei Bergen hervorkamen! Und die Berge waren aus Bronze“ (Elberfelder Bibel) oder „Messing“ (Authorized Version).

Der Kommentar von Jamieson, Fausset and Brown spekuliert, dass sich die „zwei Berge“ auf das „Tal von Josaphat, zwischen Morija und dem Ölberg…“ beziehen könnten, „… oder das Tal zwischen dem Berg Zion und Morija, wo der Herr [sein wird, Sacharja 2,15], und von wo er seine Diener aussendet zum Gericht über die Heiden…“ Der Kommentar fährt fort, dass „Bronze“ oder „Messing unter den Menschen des Altertums als das Metall galt, welches die höchste Stabilität repräsentiert. Somit gleiche es der Unverrückbarkeit und Standfestigkeit von Gottes Volk (vergleichen Sie Jeremia 1,18),“ was darauf hindeuten soll, dass die beiden Berge aus Bronze oder Messing das feste und unerschütterliche Urteil Gottes über ungehorsame Völker darstellen könnten.

Der Kommentar übersieht mit seiner Spekulation, dass die vier Geistwesen von den Himmeln aus (Sacharja 6,5) gesandt wurden, um die Lande oder besser „die Erde“ zu durchziehen (Vers 7, Schlachterbibel; Menge Bibel). Daher sollten die beiden Berge als geistige Berge im dritten Himmel begriffen werden – so wie die Bibel auch von der Existenz eines geistigen Berges Zion im dritten Himmel berichtet (vergleichen Sie Hebräer 12,22-23; Jesaja 14,13-14 und Hesekiel 28,14.16).

Sie lassen „meinen Geist ruhen im Lande des Nordens“

Hinsichtlich der Bedeutung von Sacharja 6,8, wo wir lesen, dass die Engelwesen „meinen Geist ruhen [lassen] im Lande des Nordens“, sind die Kommentare geteilter Auffassung. Albert Barnes‘ Notes on the Bible hat wohl die richtige Erklärung, wenn er darauf hinweist, dass dieser Ausdruck wie folgt übersetzt werden müsste: „‚Diese haben meinen Geist im Land des Nordens zur Ruhe kommen lassen‘ [vergleichen Sie die Elberfelder Bibel], oder vielmehr: ‚[sie] haben meinen Zorn gestillt‘ [vergleichen Sie die Hoffnung für Alle]. Das bedeutet, dass sie [meinen Zorn] dorthin gebracht und ihm dort einen bleibenden Wohnsitz verschafft haben, so wie Johannes über den Ungläubigen sagt: ‚… der Zorn Gottes bleibt über ihm‘ [Johannes 3,36].“

Der Kommentar von Jamieson, Fausset and Brown ergänzt, dass die Engel „meinen ZORN [auf Babylon] ruhen ließen [Prediger 10,4; Hesekiel 5,13].“

Gott wird das heutige Babylon in seinem Zorn vernichten (vergleichen Sie Offenbarung 18,4-6; 14,8). Unsere kostenlose Broschüre „Die Zehn Europäischen Wiederauferstehungen des ehemaligen Römischen Reiches“ zeigt, dass die physischen Mächte, die die Zerstörung des babylonischen Systems und der Stadt Rom herbeiführen werden, aus den modernen Medern (den heutigen Ukrainern und Russen) sowie den „Königen des Ostens“ und den endzeitlichen zehn europäischen Königen oder Herrschern bestehen werden. Und wie wir anhand von Sacharjas Vision sehen können, wird Gott dies alles mit der Hilfe seiner Engel bewerkstelligen. Diese Tatsache wird durch Offenbarung 18,21 bestätigt, wo wir lesen: „Und ein starker Engel hob einen Stein auf, groß wie ein Mühlstein, warf ihn ins Meer und sprach: So wird in einem Sturm niedergeworfen die große Stadt Babylon und nicht mehr gefunden werden.“

Gottes Urteil über diese ungehorsame Welt ist sicher und gewiss und wird schnell hereinbrechen. Die meisten Menschen wird es unerwartet treffen, aber Gott warnt heute seine Diener, wachsam zu sein und die Ereignisse auf der Welt zu beobachten, damit sie für die Wiederkehr Christi vorbereitet und gerüstet sein können (vergleichen Sie 1.Thessalonicher 5,1-4; Lukas 21,28; Matthäus 24,32-33.44).

Autor: Norbert Link, mit zusätzlichem Material von Dave Harris

Ursprüngliche Übersetzung aus dem Englischen: Daniel Blasinger