Was ist aus Wahrheit und Gerechtigkeit geworden?

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Wir leben in einer Zeit, in der die Wahrheit sehr schwer zu finden ist. In vielen Fällen wird sie als relativ angesehen, je nachdem, wer spricht, und ganz besonders dann, wenn Politiker beteiligt sind. Darüber finden wir eine Mahnung in Johannes 18,38, als Pilatus, der dafür bekannt war, sehr politisch zu sein, die vermutlich sarkastische Frage stellte: „Was ist Wahrheit?“ In Wirklichkeit stand die Wahrheit unmittelbar vor ihm, denn Jesus Christus selbst ist die Wahrheit (Johannes 14,6).

In manchen Fällen kann ein Pädagoge heute sogar seinen Job verlieren, wenn er eine offensichtliche Wahrheit ausspricht, wie z.B. die Tatsache, dass einige Rassen im Allgemeinen bessere Leistungen in der Bildung erbringen als andere. Die Tatsache, dass es durchaus wahr sein kann, spielt keine Rolle. Schon die Zustimmung zu einer solchen Aussage kann gefährlich für die eigene Anstellung sein. Und dies ist nur ein Beispiel, es gibt unzählige weitere Sachverhalte, bei denen es ungefährlicher ist, zu schweigen, als eine offensichtliche Unwahrheit zurückzuweisen. In einigen Ländern gilt sogar das Zitieren bestimmter Teile der Bibel als Hassrede und kann strafrechtlich geahndet werden. Dies führt dazu, dass die Wahrheit manchmal aus Angst unterdrückt wird. Und doch erklärt Gott in Sprüche 12,22, was er über Wahrheit und Lüge denkt: „Falsche Lippen sind dem HERRN ein Gräuel, wer aber die Wahrheit übt, gefällt ihm wohl“ (Schlachterbibel).

Gerechtigkeit kann heute ebenfalls nur sehr schwer zu finden sein, und der Ausgang von Gerichtsverfahren ist oft davon abhängig, welche Art von Anwälten sich ein Angeklagter leisten kann. In manchen Fällen kann das Ergebnis einer Verhandlung von der Hautfarbe einer Person abhängen. Aber wenn wir 3. Mose 19,15 lesen, finden wir, was Gott über das Gericht verordnet: „Du sollst nicht unrecht handeln im Gericht: Du sollst den Geringen nicht vorziehen, aber auch den Großen nicht begünstigen, sondern du sollst deinen Nächsten recht richten.“

Es gibt heutzutage zahlreiche Beispiele für den Mangel an Wahrheit und Gerechtigkeit, von denen wir ständig hören. In Gottes Wort, der Bibel, finden wir mit Jesaja 59 ein Kapitel, in dem es hauptsächlich um die Schlechtigkeit der Gesellschaft geht. Während es sicherlich auf Jesajas Zeit zutraf, deuten die letzten Verse an, dass es sehr wohl auch auf unsere Zeit und die nahe Zukunft anwendbar ist. In Vers 20 heißt es: „Aber für Zion wird er als Erlöser kommen und für die in Jakob, die sich von der Sünde abwenden, spricht der HERR.“

In Vers 4 desselben Kapitels lesen wir: „Ihr zieht vor Gericht, aber es geht euch nicht um Gerechtigkeit; in der Verhandlung sagt keiner die Wahrheit. Lieber erhebt ihr falsche Anschuldigungen, um andere zu täuschen. Ja, ihr brütet immer neues Unheil aus!“ (Hoffnung für Alle). Gott verurteilt sie, weil sie weder nach Wahrheit noch nach Gerechtigkeit suchen.

In Jesaja 59,14-15 wird diese Thematik eindringlich wiederholt: „Und das Recht ist zurückgewichen und die Gerechtigkeit steht abseits; denn die Wahrheit strauchelte auf dem Markt und Recht findet keinen Eingang, und die Wahrheit ist dahin; und wer vom Bösen weicht, wird zur Beute. Das sieht der Herr und es gefällt ihm übel, dass es kein Recht gibt“ (neue Lutherbibel 2009). Jemand, der „zur Beute wird“, ist eine Person, die ihrem Feind zum Opfer fällt.

Die Menge Bibel übersetzt „wird zur Beute“ mit „muß sich ausplündern lassen.“ Das Verb „ausplündern“ bedeutet in diesem Fall plündern, brandschatzen und rauben. In der heutigen Zeit könnte die Tatsache, dass eine Person der Menge nicht auf dem Weg zum Bösen folgt (2.Mose 23,2), zum Auslöser dafür werden, dass die Menge der Person Schaden zufügt. Es existiert tatsächlich der Ausspruch „Schweigen ist Gewalt“, der dazu benutzt wird, diejenigen zu kritisieren oder ihnen Schaden zuzufügen, die die Menge, die Böses tut, nicht lautstark dabei unterstützen.

Die Koren-Version, eine jüdische Übersetzung aus dem Jahr 2015, übersetzt es mit „macht sich lächerlich“. In mindestens drei Kommentaren wird dieser Ausdruck mit „wird für verrückt erklärt“ wiedergegeben. Heute wird von vielen die Auffassung vertreten, dass ein Mensch, der sich auf seine Religion verlässt, um sein Handeln zu bestimmen, als verrückt gilt und lächerlich gemacht wird. Das kann auch eine sehr schwierige Prüfung für jemanden sein, der versucht, Gott Gehorsam zu erweisen. Ständig wegen seiner persönlichen Überzeugungen verspottet zu werden, kann sehr ermüdend sein. Es ist kein Wunder, dass Gott darüber sehr verärgert ist.

Aber wir müssen uns daran erinnern, dass dass Himmelreich unser sein wird, wenn wir verspottet oder verfolgt werden, weil wir das Richtige tun (Matthäus 5:10-12).

Zusammenfassend haben wir also bereits gelesen, dass Gott Freude an denen hat, die wahrhaftig handeln (Sprüche 12,22). Er belehrt uns ebenfalls darüber, was er für das Gute hält, und was er fordert: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott“ (Micha 6,8). In Jesaja 59,18 lesen wir in der Schlachterbibel: „Den Taten entsprechend, so wird er vergelten: Zorn seinen Widersachern, Vergeltung seinen Feinden, ja, selbst den [entfernten] Inseln wird er den verdienten Lohn bezahlen!“ Gott wird also für den gegenwärtigen Mangel an Wahrheit und Gerechtigkeit Vergeltung üben.

Um nun schlussendlich die Frage zu beantworten, was mit Wahrheit und Gerechtigkeit geschehen ist: Im Moment sind sie ziemlich schwer zu finden, aber wenn Gott einschreitet, dann werden sie die Lebensgrundlage für die ganze Welt sein. Wie wir in 5. Mose 32,4 lesen: „Er ist der Fels. Seine Werke sind vollkommen; denn alle seine Wege sind recht. Treu ist Gott und kein Böses an ihm, gerecht und wahrhaftig ist er“ (revidierte Lutherbibel 2017).

Verfasser: Paul Niehoff (Australien)

Ursprüngliche Übersetzung: Daniel Blasinger