Der Brief des Paulus an die Galater—wie er zu verstehen ist

 
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Einleitung

In dieser Broschüre liegt unser Augenmerk auf dem Brief des Paulus an die Galater, der wohl eine der am häufigsten missverstandenen Schriften der Bibel ist. Wir haben dieses Thema im Format eines ausführlichen Bibelstudiums aufbereitet und sind davon überzeugt, dass es für den interessierten Leser sehr aufschlussreich sein wird.

Bevor wir jedoch mit dem Studium des Galaterbriefs beginnen, wollen wir kurz auf die ebenfalls missverstandenen Begriffe der Erlösung, der Rechtfertigung und der Gerechtigkeit eingehen. Das korrekte Verständnis dieser grundlegenden Begriffe ist unerlässlich, um den Brief des Paulus an die Galater vollständig zu erfassen und zu würdigen.

Anstatt jeden einzelnen Abschnitt mit einer Definition der biblischen Begriffe „Erlösung“, „Rechtfertigung“ und „Gerechtigkeit“ einzuleiten, werden wir Ihnen im Folgenden diese Begriffe in einer Weise erläutern, die deren wahre Bedeutung schlussendlich klar zum Vorschein kommen lässt.

Teil 1

Das Geheimnis der Erlösung

Viele bekennende Christen scheinen nicht genau zu verstehen, was Erlösung ist, wie man sie erlangt und ob man sie verlieren kann. Um wahrhaft zu begreifen, was Erlösung ist, muss man alle vorgefassten Meinungen ablegen und jene Bibelstellen studieren, die Gott selbst zu unserem Verständnis bereitgestellt hat.

Beachten Sie, dass in der Mehrzahl der deutschen Bibeln die Begriffe „Erlösung“, „Errettung“ und „Heil“ synonym verwendet werden (In den englischen Bibelübersetzungen steht zumeist das Wort „salvation“). Die Bibelübersetzungen von Martin Luther gebrauchen darüber hinaus noch den Ausdruck „Seligkeit“ (Das zugehörige Adjektiv „selig“ wäre besser mit „glücklich zu preisen“ übersetzt).

Man könnte über Jesus Christus also sagen, dass er unser Erretter und damit unser Erlöser und unser Heiland ist, weshalb wir durch ihn die Seligkeit erlangen. Somit werden wir in den folgenden Ausführungen diese Begriffe (Erlösung/Errettung/Heil/Seligkeit) ebenfalls synonym verwenden, je nach der herangezogenen Übersetzung.

Lukas 18,25-26 macht unmissverständlich klar, dass nur Gott uns Erlösung gewähren kann. Das Heil gehört Gott, und deshalb kann das Heil nur von Gott kommen (Offenbarung 7,9-10; 19,1).

Die Bibel sagt uns, dass Gott der Vater unser Retter ist, der uns das Heil gewährt (vergleichen sie 1.Timotheus 4,10; Schlachterbibel). Gleichzeitig wird uns gesagt, dass Gott der Vater uns das Heil durch seinen Sohn Jesus Christus gewährt. Niemand kann zu Christus kommen, es sei denn, der Vater zieht ihn (Johannes 6,44), und niemand kann zum Vater kommen, außer durch Jesus Christus. In keinem andern ist das Heil als in Jesus Christus (Apostelgeschichte 4,12). Er ist die einzige Tür zur Erlösung (Johannes 10,9.1).

Ebenso wie der Vater Jesus Christus als Retter in die Welt gesandt hat, so sind sowohl der Vater als auch Jesus Christus unser Retter oder unser Heiland (Johannes 3,16-17; 1.Johannes 4,14; 1.Timotheus 1,1; 4,10; Titus 1,3; 2,10; Judas 25).

Die Bibel lehrt, dass Gott der Vater will, dass alle Menschen gerettet werden (1.Timotheus 2,3-5; Schlachterbibel). Er bietet uns diese Erlösung aus seiner Gnade heraus an – aus unverdienter Vergebung (Epheser 2,4-5.8-9; Titus 2,11-14). Das Heil ist ein GESCHENK – es ist nichts, das wir uns verdienen können.

Die Erlösung kommt durch das Vernehmen des Wortes Gottes—der Heilsbotschaft des Evangeliums vom Reich Gottes (Apostelgeschichte 11,13-14; 1.Korinther 15,1-2; Epheser 1,13; 2.Timotheus 3,14-15).

Jedoch ist das Hören allein keineswegs ausreichend. Wir müssen auch an die Botschaft des Evangeliums von unserer Errettung glauben (1.Korinther 1,21; Lukas 8,4-5.11-12; Römer 1,16; Hebräer 10,39; Apostelgeschichte 16,25-34). JEDOCH müssen wir einen lebendigen und gehorsamen Glauben zeigen, keinen toten und ungehorsamen Glauben (Hebräer 5,9; Jakobus 2,14-17; Römer 1,5; 16,25-27; Apostelgeschichte 6,7).

Haben wir einmal die Botschaft des Evangeliums vernommen und glauben daran, dann wird uns befohlen, uns zur Vergebung unserer Sünden taufen zu lassen (Markus 16,15-16). Die Taufe ist ein äußeres Zeichen unserer Reue, und wenn wir auf richtige Weise getauft sind, dann werden wir die Gabe des heiligen Geistes empfangen (Apostelgeschichte 2,38; das Wort „Buße“ sollte mit „Reue übersetzt werden)—die Anzahlung, Garantie oder das Unterpfand auf unsere Erlösung (Epheser 1,13-14; 2.Korinther 5,5).

Die Ryrie Studienbibel enthält die folgende Anmerkung zu Epheser 1,13-14: „Anzahlung = Unterpfand, Angeld. Die Gegenwart des Geistes ist Gottes Anzahlung darauf, dass unsere Errettung vollendet werden wird.“

Die Erlösung ist ein Prozess. Die Bibel sagt uns, dass wir gerettet wurden, dass wir dabei sind, gerettet zu werden, und dass wir in der Zukunft vollständig gerettet sein werden. Es ist unerlässlich, dass wir dies begreifen!

Zunächst wurden wir und sind wir gerettet. In Römer 8,24 heißt es: „Denn wir SIND zwar gerettet, doch auf Hoffnung“, was bedeutet, auf eine bestimmte Hoffnung hin—die Erlösung unseres Leibes. In 2.Timotheus 1,9 lesen wir, dass Gott „uns ja errettet und berufen [hat] mit einem heiligen Ruf, nicht aufgrund unserer Werke, sondern aufgrund seines eigenen Vorsatzes und der Gnade, die uns in Christus Jesus vor ewigen Zeiten gegeben wurde“ (Schlachterbibel).

Auch in Titus 3,4-7 lesen wir, dass Gott uns nach seiner Barmherzigkeit durch die Taufe „gerettet“ und uns den heiligen Geist verliehen hat, damit wir „durch seine Gnade gerechtfertigt, Erben seien gemäß der Hoffnung auf das ewige Leben“ (neue Lutherbibel 2009).

Als Hinweis auf den kontinuierlichen Prozess unserer Erlösung lesen wir ebenfalls, dass wir dabei sind, gerettet zu werden.

In Apostelgeschichte 2,47 heißt es in der korrekten Wiedergabe der Zürcher Bibel 2007: „Der Herr aber führte ihrem Kreis Tag für Tag neue zu, die gerettet werden sollten.“ Vergleichen Sie auch 1.Korinther 1,18 („die selig werden“) und 2.Korinther 2,15 („die gerettet werden“). Wörtlich heißt es: „… die dabei sind, gerettet zu werden.“

Die Bibel sagt uns aber auch, dass unsere Erlösung noch in der Zukunft liegt; das heißt, dass wir in der Zukunft selig oder gerettet werden (Matthäus 10,22; 24,12-13; Markus 13,13). Das zeigt, dass die „Erlösung“ keineswegs statisch, sondern vielmehr ein Prozess ist.

In Römer 5,8-10 heißt es, dass wir durch den Tod Christi mit Gott versöhnt wurden und durch sein Leben gerettet werden. Es ist unser Potenzial, das Heil in der Zukunft zu ererben (Hebräer 1,14), zur Zeit der Wiederkunft Christi (Hebräer 9,28; 1.Petrus 1,5).

Dies bedeutet, dass WIR unser Heil verwirken KÖNNEN. Wir können uns selbst dazu verurteilen, für das Erbe des Heils ungeeignet oder untauglich zu sein (vergleichen Sie Hebräer 2,1-3; Lukas 13,23-27; vergleichen Sie ebenfalls die Ermahnung in Philipper 2,12, unser eigenes Heil mit Furcht und Zittern zu „schaffen“).

Bei unserer Erlösung geht es darum, wovor wir gerettet wurden und wofür wir gerettet werden.

Wir wurden von der Sünde und dem Sünder gerettet (Matthäus 1,21; 1.Timotheus 1,15) sowie von der Strafe für die Sünde, die der Tod ist (Jakobus 5,19-20; Römer 6,23).

Wie wir jedoch bereits zuvor erwähnten, ist dies ein fortlaufender Prozess.

Wir wurden von vergangenen Sünden errettet (Römer 3,25-26: „Ihn hat Gott zum Sühnopfer bestimmt, [das wirksam wird] durch den Glauben an sein Blut, um seine Gerechtigkeit zu erweisen, weil er die Sünden ungestraft ließ, die zuvor geschehen waren, als Gott Zurückhaltung übte [oder Geduld hatte]…“ (Schlachterbibel))

Wir werden auch dadurch gerechtfertigt, dass wir nicht länger gewohnheitsmäßige Sünder sind, wie wir es in der Vergangenheit waren, und nicht mehr laufend die Dinge betreiben, die Gottes Lebensweise widersprechen [für eine klare Definition und ausführliche Besprechung der Rechtfertigung siehe Teil 3 dieser Broschüre]. Es ist der lebendige Christus in uns, der die vom Gesetz geforderte Gerechtigkeit in uns und durch unser Leben erfüllt (Römer 8,3-4).

Dies bedeutet jedoch keineswegs, dass wir über Nacht frei davon werden, Sünden zu begehen – dass wir nicht gelegentlich ausgleiten. Wir werden von Zeit zu Zeit sündigen, aber wenn das geschieht, dann können wir erneut das Opfer Christi in Anspruch nehmen und fortlaufend Vergebung unserer Sünden erlangen. Dieser Vorgang verdeutlicht, wie wir kontinuierlich gerettet werden (1.Johannes 1,8-9).

Als Paulus nach seiner Bekehrung sündigte, wusste er, dass er durch Jesus Christus errettet oder von seinem todverfallenen Leibe befreit werden musste (Römer 7,24-25).

Bei unserer Erlösung geht es ebenfalls darum, wofür wir gerettet werden, nämlich für das ewige und unvergängliche Leben (1.Timotheus 1,16) im Reich Gottes. Matthäus 19,16-30 macht deutlich, dass die endgültige Erlösung, das ewige Leben und der Eintritt in das Reich Gottes synonyme und identische Ausdrücke sind, die unsere Zukunft beschreiben.

Herbert W. Armstrong beschreibt in „Was ist das Heil?“ den Prozess unserer Erlösung mit folgenden Worten auf den Seiten 27-29:

„Das Heil bezieht sich nämlich darauf, WAS WIR SEIN WERDEN. Gott beabsichtigt, SIE UMZUWANDELN, Ihren minderwertigen elenden Charakter SEINEM HERRLICHEN CHARAKTER anzugleichen, und nicht, Sie an einen anderen Ort zu bringen…

„Sie wurden bekehrt—geändert in Ihrer Denkweise, Einstellung und Zielsetzung, kurz, in Ihrer gesamten Lebensweise; Sie wurden als ein Kind Gottes gezeugt und haben dadurch ewiges Leben in sich wohnen, solange Sie sich vom heiligen Geist auf GOTTES WEGEN leiten lassen und in Kontakt und Gemeinschaft mit Gott bleiben (1. Joh. 1,3). Das alles erhielten Sie als ein GESCHENK durch die GNADE Gottes. Nicht dadurch, daß Sie es sich durch Ihre eigenen Bemühungen verdient hätten. Und wenn Sie nun auch weiterhin überwinden und geistlich wachsen—WAS TATSÄCHLICH ALLES DURCH GOTTES KRAFT GESCHIEHT—, dann werden Sie ERBE DES REICHES GOTTES WERDEN—zur UNSTERBLICHKEIT VERWANDELT, um in Glück und Freude ewig zu leben!“

Teil 2

Das Geheimnis der Rechtfertigung

Warum sind die Menschen verwirrt über die biblische Lehre der Rechtfertigung—das Konzept, mit Gott ins Reine zu kommen? Weshalb denken Menschen, dass sie durch und wegen ihres Verhaltens gerechtfertigt sind—weil sie es sich erarbeitet oder verdient haben? Warum denken andere wiederum, dass unsere Rechtfertigung überhaupt nichts damit zu tun hat, wie wir unser Leben führen?

Die Bibel zeigt uns, dass uns kein Gesetz—und keine unserer Taten und Werke—rechtfertigen kann. Wenn wir auch nur gegen eines der Zehn Gebote verstoßen, dann haben wir gesündigt und die Strafe für die Gesetzesübertretung über uns gebracht. Sünde ist die Übertretung des Gesetzes (1.Johannes 3,4; Zürcher Bibel 1970), und der Sünde Sold ist der Tod, wie uns Römer 6,23 sagt.

Nehmen wir einmal an, ein Mensch begeht einen Mord—ein Verbrechen, das in einigen Ländern mit der Todesstrafe geahndet werden kann. Seine anschließenden rechtschaffenen Taten können die Todesstrafe keineswegs aufheben oder abschaffen. Er kann einzig und allein durch eine Begnadigung der staatlichen Autorität vor der Hinrichtung bewahrt werden.

Genauso gilt, dass wir alle gesündigt haben (Römer 5,12-14; 3,9.19.23). Vollkommen gleich, wie perfekt wir Gottes Gesetz gehalten haben mögen—haben wir es ein einziges Mal übertreten, dann schwebt die Todesstrafe für unsere Sünden weiter über uns. Unsere Gesetzestreue von heute kann unseren Gesetzesbruch von gestern keineswegs rechtfertigen oder aufheben. Das Gesetz rechtfertigt uns nicht. Allein Gottes GNADE—die Vergebung der Todesstrafe—kann das bewirken.

Die Bibel lehrt keineswegs, dass wir das Gesetz der Zehn Gebote nicht mehr zu halten brauchen—tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. Aber die Bibel sagt uns, dass der Fluch für unsere Gesetzesübertretungen—die Todesstrafe—von uns genommen werden muss, und dies kann nicht durch das Gesetz geschehen, sondern nur durch GNADE.

Wir müssen begreifen, dass der natürliche oder fleischliche Mensch NICHT IN DER LAGE IST, das Gesetz zu halten und total frei von Sünde zu leben (Römer 8,7). Selbst nach unserer Bekehrung sündigen wir noch, weil wir unsere sündige, fleischliche Natur noch nicht vollständig überwunden haben (Römer 7,14-19).

Jede Sünde bringt einen Fluch über uns—den Fluch des Todes (Galater 3,10). Wir sind verflucht und des Todes schuldig, wenn wir nur eines der Gebote des Gesetzes brechen. Die Living Bible übersetzt Galater 3,10 wie folgt: „Verflucht ist jeder, der zu irgendeiner Zeit auch nur ein einziges dieser Gesetze bricht, die in Gottes Buch des Gesetzes aufgeschrieben sind.“

Unsere Sünden der Vergangenheit werden nicht durch unsere gerechten Taten der Gegenwart gerechtfertigt (Galater 2,16; vergleichen Sie Galater 3,21: „… Denn nur, wenn ein Gesetz gegeben wäre, das lebendig machen könnte, käme die Gerechtigkeit [besser: Rechtfertigung] wirklich aus dem Gesetz“). Aber es war zu keiner Zeit der Sinn und Zweck eines von Gottes Gesetzen, uns zu rechtfertigen. KEIN Gesetz kann das tun.

Vielmehr kommt, wie wir in Römer 3,20 lesen, durch das Gesetz die „Erkenntnis der Sünde“. Die Living Bible schreibt: „… denn je mehr wir von Gottes Gesetzen wissen, desto deutlicher wird, dass wir sie nicht befolgen; seine Gesetze dienen lediglich dazu, uns zu zeigen, dass wir Sünder sind.“

Der Zweck des Gesetzes ist es, uns aufzuzeigen, was Sünde ist. Es definiert die Sünde für uns (Römer 2,18). In der Wiedergabe der Living Bible liest es sich wie folgt: „Ja, ihr wisst, was er will; ihr wisst, was richtig und was falsch ist, und bevorzugt das Richtige, weil ihr seine Gesetze von frühester Jugend an gelernt habt.“

In Römer 7,7 lesen wir, dass Paulus die Sünde nur durch das Gesetz erkennen konnte. In der Schlachterbibel heißt es: „… denn von der Begierde hätte ich nichts gewusst, wenn das Gesetz nicht gesagt hätte: Du sollst nicht begehren!“ Interessant ist ebenfalls die Übertragung der Hoffnung für Alle: „Ohne die Gebote Gottes hätte ich nie erfahren, was Sünde ist. Würde es dort nicht heißen: ‚Du sollst nicht begehren…‘, so wüsste ich nicht, dass mein Begehren Sünde ist.“

Um es noch einmal deutlich zu sagen: Kein Gesetz kann uns rechtfertigen. Es vergibt uns nicht die Sünden, die wir durch die Übertretung des Gesetzes begangen haben. Der Mensch kann sich nicht selbst rechtfertigen. Wie wir in Galater 5,4 in der neuen Lutherbibel 2009 lesen: Wenn wir versuchen, durch das Gesetz Rechtfertigung zu erlangen, dann fallen wir aus der Gnade. Allein Gott kann uns durch Gnade rechtfertigen.

WIE also rechtfertigt Gott uns durch Gnade?

Wenn wir bereuen und an das Opfer Jesu Christi glauben, dann vergibt uns Gott unsere Sünden und nimmt damit den Fluch der Todesstrafe von uns.

In Römer 4,25 lesen wir, dass Christus um unserer Sünden willen dahingegeben und UM UNSERER Rechtfertigung WILLEN auferweckt wurde.

Römer 5,8-10 fügt an, dass wir durch den Tod Christi gerechtfertigt und mit Gott versöhnt wurden, dass es jedoch sein Leben ist, durch das wir gerettet werden (neue Lutherbibel 2009). Es ist das Leben Christi in uns, durch das wir kontinuierlich gerechtfertigt und gerettet werden.

In der neuen Lutherbibel 2009 lesen wir in Römer 3,24-26, dass wir „gerechtfertigt werden.“

Römer 2,13 weist auf diesen fortdauernden Prozess der Rechtfertigung hin und dort lesen wir: „… die, welche das Gesetz befolgen, sollen gerechtfertigt werden“ (Schlachterbibel)—in der Zukunft, wie wir in dieser Broschüre erläutern. Die neue Lutherbibel 2009 schreibt: „… werden gerechtfertigt werden.“

Jedoch rechtfertigt uns die Einhaltung des Gesetzes keineswegs—vollkommen gleich, um welches Gesetz es sich handeln mag. Um es noch einmal zu wiederholen: Der Grund besteht darin, dass unsere heutige Einhaltung des Gesetzes nicht unsere gestrige Übertretung des Gesetzes rechtfertigt. Das gilt keineswegs nur für die vergangenen Sünden, die wir vor unserer Bekehrung begangen haben—es gilt ebenso für uns heute. Jedes Mal, wenn wir sündigen, benötigen wir Vergebung—und diese können wir nur durch GNADE erlangen.

Niemand kann durch physische Werke gerechtfertigt werden, indem er physische Opfer bringt oder andere physische Rituale durchführt, wie bestimmte Waschungen. Und niemand kann durch die Einhaltung von Gottes geistlichem Gesetz—den Zehn Geboten—gerechtfertigt werden, denn eine einzige Übertretung bringt die Todesstrafe über uns. Diese Todesstrafe kann allein durch Glauben und durch GNADE aufgehoben werden—die unverdiente Vergebung unserer Sünden durch unseren Glauben an das Opfer Jesu Christi.

Mit anderen Worten: Wir müssen daran glauben, dass Gott die Strafe für unsere Sünde—den EWIGEN Tod—aufheben wird, die wir auf uns geladen haben, und jedes Mal erneut auf uns laden, wenn wir sündigen. Diese Vergebung wird uns grundsätzlich ALS GESCHENK zuteil – nicht durch irgendetwas, das wir tun könnten. Das Einzige, was wir tun können und müssen, ist aufrichtig zu bereuen, dass wir gegen Gottes Gesetz verstoßen haben, und das KOSTENLOSE Opfer Christi für unsere Vergebung anzunehmen.

Wenn wir auch keineswegs durch Werke gerechtfertigt werden, so sind gute Werke oder gute Taten (im Griechischen dasselbe Wort, „ergon“) dennoch wichtig, wenn es um unsere Zukunft geht (vergleichen Sie Römer 2,6-8).

Für uns heute besteht keine Verpflichtung mehr, die rituellen Werke des Opfergesetzes zu halten. Wir sind jedoch verpflichtet, die geistlichen Gebote oder Werke des geistlichen Gesetzes der Zehn Gebote zu halten. Aber das allein rechtfertigt uns noch nicht.

Manche sind zu dem Schluss gekommen, dass wir nicht verpflichtet sind, gute Werke zu tun, da wir ja nicht durch gute Werke gerechtfertigt werden.

Aber diese Schlussfolgerung ist ein Irrtum. Lesen wir Jakobus 2,14-20 in der Living Bible:

„Liebe Brüder, was nützt es, wenn ihr sagt, dass ihr Glauben habt und Christen seid, wenn ihr es nicht unter Beweis stellt, indem ihr anderen helft. Wird DIESE Art des Glaubens irgendjemanden retten…? Glaube, der sich nicht durch gute Werke zeigt, ist überhaupt kein Glaube – er ist tot und nutzlos… Ohne gute Werke kann man nicht beweisen, ob man Glauben hat oder nicht; an meinem Verhalten aber kann ein jeder erkennen, dass ich Glauben habe… Glaube, der nicht zu guten Taten führt, ist kein wahrer Glaube.“

Wir müssen einen lebendigen und gehorsamen Glauben haben, um gerechtfertigt zu werden, und das auf einer kontinuierlichen Basis. Paulus sagt in Römer 4,12, dass wir „in den Fußtapfen des Glaubens, den unser Vater Abraham hatte“, gehen müssen.

Der Glaube, der notwendig ist, um gerechtfertigt zu werden, hebt Gottes Gebot, seine Gesetze zu halten, nicht auf oder setzt es außer Kraft. Paulus sagt in Römer 3,31, dass wir das Gesetz nicht durch den Glauben aufheben, sondern dass wir das Gesetz aufrichten. Wir können das Gesetz der Liebe nur halten, weil die Liebe Gottes in uns ist (Römer 5,5).

Christus rechtfertigt uns auf kontinuierlicher Basis. Aber wir müssen an ihn und seine Macht glauben—wir müssen glauben, dass er in uns lebt; dass er uns rechtfertigen kann und wird; dass wir das Gesetz durch ihn halten KÖNNEN; und dass wir Vergebung erlangen können, wenn wir versagen und Fehler machen.

Wir lesen in Galater 2,16-17.20-21:

„(16) … weil wir aber wissen, dass der Mensch nicht aus Gesetzeswerken gerechtfertigt wird, sondern nur durch den GLAUBEN CHRISTI Jesu, so glauben auch wir AN Christus Jesus, damit wir aus dem GLAUBEN CHRISTI und nicht aus Gesetzeswerken gerechtfertigt werden [wiederum, beachten Sie den Prozess!]; denn aus Gesetzeswerken wird von allem Fleisch niemand gerechtfertigt werden. (17)… wir [suchen] in Christus gerechtfertigt zu werden… (20) Zusammen mit Christus bin ich gekreuzigt (wörtl.: angepfahlt); ich lebe aber, DOCH NICHT MEHR ICH, sondern in mir lebt Christus. Was ich aber von nun an im Fleisch lebe, das lebe ich im Glauben, dem des Sohnes Gottes, der mich liebt und sich selbst für mich dahingegeben hat. (21) Ich lehne die GNADE Gottes nicht ab; denn wenn Gerechtigkeit durch das Gesetz käme, wäre ja Christus ohne Grund gestorben“ (Adolf Ernst Knoch 1939).

Aber wie rechtfertigt uns der Glaube Christi, der in uns lebt?

Wir brauchen den Glauben Jesu Christi – eine starke, unerschütterliche Überzeugung, dass wir Vergebung erlangen WERDEN, wenn wir, nachdem wir gesündigt haben, bereuen und das Opfer Christi als Bezahlung für unsere Sünden in Anspruch nehmen—wobei wir WISSEN, dass sein Opfer für unsere Vergebung und Rechtfertigung notwendig und ausreichend ist.

Gestatten wir Christus, in uns das GEHEIMNIS unserer Rechtfertigung zu erfüllen.

Teil 3

Das Geheimnis der Gerechtigkeit

Christus rechtfertigt uns, wenn wir sündigen, aber er schenkt uns auch seine Gerechtigkeit. Um diese Beziehung zu verstehen, müssen wir begreifen, dass die griechischen Wörter für Rechtfertigung und Gerechtigkeit miteinander verwandt sind.

Der wesentliche Punkt, den wir begreifen müssen, ist die Tatsache, dass es Christus ist, der uns gerecht machen muss. In Römer 9,31-32; 10,3 lesen wir, dass die alten Israeliten erfolglos versuchten, sich selbst gerecht zu machen. Aber indem sie das taten, lehnten sie Gottes Gerechtigkeit ab. Sie versuchten es auf eigene Faust und unabhängig von Gott, aber sie mussten scheitern.

Gerechtigkeit hat alles damit zu tun, Gottes Gesetz zu befolgen. Christus hat uns von der Strafe des Gesetzes befreit – nicht jedoch vom Gesetz selbst. Es wird von uns erwartet, dass wir das Gesetz halten. Aber Menschen sind nicht in der Lage, das Gesetz aus eigener Kraft zu halten. Sie benötigen dafür Gottes Hilfe. Die Tatsache, dass der lebendige Christus, der durch den heiligen Geist in uns wohnt, das Gesetz in und durch uns hält, kommt in Römer 8,4 zum Ausdruck. Die revidierte Lutherbibel 2017 übersetzt Römer 8,4 wie folgt: „… damit die Gerechtigkeit, die das Gesetz fordert, in uns erfüllt werde.“

In der Tat ist es der in uns wohnende Christus selbst, der das Gesetz durch uns erfüllt – wenn wir es ihm gestatten und wenn wir uns seiner Führung nicht widersetzen.

In der Living Bible liest sich Römer 8,4-9 wie folgt:

„Nun KÖNNEN wir also Gottes Gesetzen gehorsam sein, wenn wir dem heiligen Geist nachfolgen und nicht länger der alten bösen Natur in uns gehorchen… Diejenigen, die dem heiligen Geist nachfolgen, tun das, was Gott gefällt… Ihr werdet von eurer neuen Natur beherrscht, wenn der Geist Gottes in euch wohnt. [Und denken Sie daran: Wenn jemand den Geist Gottes nicht in sich hat, ist er überhaupt kein Christ].“

Wir können die gerechten Forderungen des Gesetzes nur halten, WENN Christus durch den heiligen Geist in uns lebt und WENN wir der Führung Christi folgen. Christus muss das Gesetz in und durch uns halten. Er hat die Sünde in seinem Fleisch verdammt—und wir müssen ihm erlauben, die Sünde heute in unserem Fleisch zu verdammen (Römer 8,3).

In Römer 3,22 ist die Rede von der „Gerechtigkeit Gottes aber durch DEN GLAUBEN JESU CHRISTI zu allen und für alle, die glauben… “ (neue Lutherbibel 2009).

Wir müssen an Jesus glauben; dass Jesus der Sohn Gottes ist; dass er für uns gestorben ist; dass sein Opfer unsere Sünden vergibt und unsere Todesstrafe aufhebt—aber dieser Glaube ist nur der Anfang. Der Glaube, der für die Errettung notwendig ist, ist der Glaube Jesu Christi—der Glaube, den Christus hat—, der in uns lebt und uns befähigt, das Gesetz zu halten.

Die Bibel lehrt, dass uns der Glaube Christi, der in uns lebt, gerecht werden lässt. Diejenigen, die an Christus glauben, müssen den Glauben Christi haben, der IN ihnen lebt.

In Philipper 3,9 heißt es: „… indem ich nicht meine eigene Gerechtigkeit habe, nämlich die aus dem Gesetz, sondern die durch den Glauben Christi, die Gerechtigkeit aus Gott auf Grund des Glaubens“ (Adolf Ernst Knoch 1939; vgl. Authorized Version).

2.Korinther 5,21 macht deutlich, dass wir in Christus „die Gerechtigkeit Gottes“ werden (Zürcher Bibel 1970).

Allein durch Christus, der in uns lebt, sind wir in der Lage, die Gerechtigkeit zu erfüllen, die das Gesetz von uns fordert. Der Glaube an Jesus und sein Opfer ist lediglich der Anfang. Der Glaube an das Opfer Christi steht in Beziehung zur Rechtfertigung und Vergebung der Sünden. Aber um gerecht zu leben, müssen wir den Glauben Christi haben, der in uns lebt und der uns gerecht macht. Wahrhaftige Gerechtigkeit ist ein GESCHENK von Gott. Wir müssen Gottes Gerechtigkeit suchen—nicht unsere eigene—und es ist DIESE göttliche Gerechtigkeit, die Gott uns durch GNADE anbietet, und in der wir wandeln müssen.

Wir sollen nach dem Reich Gottes und SEINER Gerechtigkeit trachten (Matthäus 6,33), um in Christus zur Gerechtigkeit Gottes zu werden (2.Korinther 5,21; Schlachterbibel). In Jesaja 54,17 lesen wir, dass die Gerechtigkeit der Knechte des HERRN von Gott kommt. Wie bereits zuvor erwähnt, geht aus Philipper 3,9 hervor, dass die Gerechtigkeit des Paulus nicht aus ihm selbst oder dem Gesetz kommt, sondern durch den Glauben CHRISTI—jene Gerechtigkeit, die aus Gott aufgrund des Glaubens kommt.

In Römer 5,17 heißt es, dass wir Gerechtigkeit als Gabe empfangen. Vergleichen Sie ebenfalls Römer 5,18-19.21.

Der Glaube und die Liebe Jesu Christi in uns befähigen uns, die Forderungen des göttlichen Gesetzes zu erfüllen, und sie erklären uns dann für gerecht, wenn wir dies tun.

In Römer 8,10 lesen wir, dass, wenn Christus in uns ist, der Geist Leben ist wegen der Gerechtigkeit (vergleichen Sie die neue Lutherbibel 2009).

Es ist die Liebe Gottes, „ausgegossen in unsre Herzen“ durch den heiligen Geist (Römer 5,5), die das Gesetz in und durch uns erfüllt. Schließlich wird die Liebe Gottes als das Halten des Gesetzes Gottes definiert (1.Johannes 5,3; Elberfelder Bibel 1987). Es ist Gottes Liebe, die uns befähigt, sein Gesetz zu erfüllen oder zu halten. Und solange wir das Gesetz der Liebe halten, verbleiben wir im Zustand der Gerechtigkeit. In 5.Mose 6,25 lesen wir, dass dies unsere Gerechtigkeit IST, dass wir alle seine Gebote tun und halten.

Wenn wir straucheln und ausrutschen, dann erhalten wir nach aufrichtiger Reue Gottes Vergebung, damit wir auf unserem Weg hin zur Erlösung, zur Rechtfertigung und zur Gerechtigkeit weiter voranschreiten können.

Wie nun macht uns der Glaube Christi in uns gerecht? Auf dieselbe Weise, wie er Abraham gerecht gemacht hat. Wir haben bereits gesehen, dass uns der Glaube Christi rechtfertigt, wenn wir sündigen. Er erklärt uns für gerecht oder gerechtfertigt. Aber er befähigt uns auch, weiterhin gerecht zu bleiben, indem wir hinfort nicht mehr sündigen.

Dabei handelt es sich um einen Prozess. Lassen Sie uns das Beispiel von Abraham betrachten.

Abraham musste im Glauben wachsen. Er musste im Glauben stark werden. Er war nicht von Anfang an perfekt im Glauben. Abraham sündigte hin und wieder wegen seines mangelnden Glaubens. Er log, weil er Angst hatte, die Wahrheit zu sagen. Er nahm die Dinge selbst in die Hand, anstatt im Glauben auf Gottes Handeln zu warten.

Zunächst hatte er nicht den Glauben Christi, der uns dazu motiviert, Gottes Gesetz zu halten, oder er gebrauchte ihn nicht genügend. Zuerst wirkte der Glaube Christi mit ihm, sodann, nach seiner Bekehrung, wirkte er in ihm. Abraham bekehrte sich—er veränderte sich und wurde Gott mehr und mehr gehorsam. (Weitere Beweise dafür, dass Jesus Christus tatsächlich die Person innerhalb der Gottfamilie war, die direkt mit Abraham und dem alten Israel verkehrte, finden Sie in unserer kostenlosen Broschüre „Gott ist eine Familie“).

Der Glaube Christi in uns ist ein lebendiger, gehorsamer Glaube, der gute Werke hervorbringt. Wir sind aufgerufen, den GEHORSAM des Glaubens aufzurichten (Römer 1,5; 16,26). Es ist dieselbe Art von Glauben, den auch Abraham hatte. Sein Glaube begann mit dem Glauben an Gott, aber er musste wachsen—tatsächlich musste der Glaube CHRISTI zu seinem eigenen Glauben hinzukommen, so dass sein Glaube mehr und mehr zum Glauben CHRISTI wurde. Abrahams menschlicher Glaube musste mehr und mehr durch göttlichen Glauben ersetzt werden.

Aber er musste in diesem Glauben wachsen. Er lernte, sich ganz und gar auf Gott zu verlassen, im Glauben und der Gewissheit, dass Gott alles, was er verspricht, auch tun kann und tun wird.

In Römer 4,20-21 heißt es über Abraham in der Revised Standard Version: „… er wuchs stark in seinem Glauben, während er Gott die Ehre gab, in der vollen Gewissheit, dass Gott in der Lage war, zu tun, was er versprochen hatte.“

Die Living Bible schreibt: „Er glaubte Gott, denn sein Glaube und sein Vertrauen wuchsen immer stärker…“

Je mehr er im Glauben wuchs, je mehr er sich vom Glauben Jesu Christi leiten, führen und motivieren ließ, desto mehr wurde er dem Gesetz Gottes gehorsam. Und je mehr er das Gesetz Gottes hielt, desto mehr wuchs er im Glauben. Man könnte auch sagen, dass Abraham immer fester davon überzeugt wurde, nicht sündigen zu müssen und dass Gott ihm dabei helfen würde, gehorsam zu bleiben.

Tatsächlich wurde Abraham, ebenso wie der Apostel Paulus (Galater 2,20), immer mehr davon überzeugt, dass nicht mehr er selbst sein Leben lebte, sondern dass es der lebendige Christus war, der in ihm wohnte und der sein Leben in ihm lebte. Und je mehr er Christus GESTATTETE, in ihm zu leben—je mehr er zuließ, dass der Glaube Christi in ihm lebte—, desto mehr überwand er seine Sünden, Fehler und Unzulänglichkeiten.

Auf diese Weise befähigte ihn der Glaube Christi in ihm, das Gesetz zu halten und dadurch im Zustand der Gerechtigkeit zu bleiben. Aber da Christus derjenige war, der es bewerkstelligte, war es die Gerechtigkeit Gottes, die Abraham lebte—nicht seine eigene Gerechtigkeit.

Und so ist es der Glaube Jesu Christi in uns, der uns gerecht macht, der uns befähigt, uns inspiriert, uns motiviert und dazu ermutigt, die Forderungen des Gesetzes zu erfüllen—indem wir Jesus Christus erlauben, dies für uns und durch uns zu vollbringen. Wir werden gerecht und wir können gerecht bleiben, WENN wir Christus gestatten, dass seine in uns wohnende Liebe aus uns zu Gott und zu anderen hin herausströmt, wodurch wir Gottes Gesetz der Liebe erfüllen.

Wenn wir das tun, dann wird das Geheimnis der Gerechtigkeit in uns erfüllt.

Teil 4

Das Geheimnis des Paulusbriefes an die Galater

Der Brief des Paulus an die Galater ist im Laufe der Jahrhunderte als Beweis dafür angeführt worden, dass die Zehn Gebote nicht mehr in Kraft und wirksam seien. Wie wir im Rahmen dieses Bibelstudiums Vers für Vers nachweisen werden, könnte nichts weiter von der Wahrheit entfernt sein.

Über den genauen Zeitpunkt, wann der Brief geschrieben wurde, herrscht noch Unklarheit, obwohl er bereits im Jahre 52 oder 53 n.Chr. verfasst worden sein könnte, möglicherweise auch um 58 n.Chr.

Wie wir es bereits angesprochen und noch mehr erläutern werden, geht es in diesem Brief des Paulus unter anderem darum, aufzuzeigen, wie wir die Rechtfertigung erlangen können. Es ging ihm keineswegs darum, zu zeigen, dass die Zehn Gebote abgeschafft wurden. Vielmehr war Paulus entschlossen zu beweisen, dass wir uns die Rechtfertigung oder das Heil nicht durch unsere eigenen Werke verdienen können.

Lassen Sie uns den Brief in seiner Gesamtheit gemeinsam studieren, um zu verstehen, was Paulus sagt.

Der Brief an die Galater, Kapitel 1

Wir lesen die Worte des Paulus in Galater 1,1-5 wie folgt:

„(Vers 1) Paulus, ein Apostel nicht von Menschen, auch nicht durch einen Menschen, sondern durch Jesus Christus und Gott, den Vater, der ihn auferweckt hat von den Toten, (Vers 2) und alle Brüder, die bei mir sind, an die Gemeinden in Galatien: (Vers 3) Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus, (Vers 4) der sich selbst für unsre Sünden dahingegeben hat, dass er uns errette von dieser gegenwärtigen, bösen Welt nach dem Willen Gottes, unseres Vaters; (Vers 5) dem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“

Wir sehen, dass sich Paulus selbst unmittelbar zu Beginn als Apostel identifiziert. Er wurde durch Jesus Christus zum Apostel gemacht—nicht durch Menschen—, was aber nicht bedeutet, dass Gott nicht Menschen gebraucht hätte, um ihn zu dem Amt und dem Rang eines Apostels zu ordinieren (siehe Apostelgeschichte 13,1-3, die die Ordinierung zu Aposteln beschreibt; vgl. sodann Apostelgeschichte 14,4.14; 1.Timotheus 2,7). Christus hat seine Kirche und die Ämter in der Kirche zu dem Zweck eingesetzt, die Wahrheit zu lehren und zu predigen; andere zu ordinieren; Neubekehrte zu taufen, ihnen die Hände aufzulegen; Kranke einzusalben; und zahlreiche andere Aufgaben zu erfüllen.

In Vers 3 betont Paulus die Rolle von Gott dem Vater. Christus sagte uns, dass wir zum Vater beten sollen, denn SEIN ist die Herrlichkeit in Ewigkeit. Der Vater ist „größer“ als Christus (Johannes 14,28), und Christus ist nicht gekommen, seinen eigenen Willen zu tun, sondern den Willen Gottes des Vaters.

In Vers 4 zeigt Paulus, dass Christus nach dem Willen des Vaters bereit ist, uns von dieser bösen Welt—dieser gegenwärtigen, bösen Zivilisation oder Gesellschaft—zu erretten. In der Heiligen Schrift werden drei Welten oder Zeitalter erwähnt: Zunächst jene Welt, die einstmals existierte, aber in der Sintflut vernichtet wurde (2.Petrus 3,5-6), dann die gegenwärtige, böse Welt, in der wir leben, und schließlich die zukünftige Welt (Hebräer 2,5; Epheser 1,20-21).

Paulus macht uns gleich zu Beginn des Briefes mit seinem übergreifenden, zentralen Thema bekannt. In Vers 3 spricht er von GNADE—Gottes unverdienter Vergebung für uns. Aufgrund von GNADE können wir Vergebung erlangen, von der gegenwärtigen, bösen Welt errettet werden und das Heil sowie das ewige Leben im Reich Gottes erben.

Wir fahren fort mit Galater 1,6-7:

„(Vers 6) Mich wundert, dass ihr euch so bald abwenden lasst von dem, der euch berufen hat in die Gnade Christi, zu einem andern Evangelium, (Vers 7) obwohl es doch kein andres gibt; nur dass einige da sind, die euch verwirren und wollen das Evangelium Christi verkehren.“

Paulus spricht hier nicht notwendigerweise das Evangelium über Christus an, sondern vielmehr das Evangelium VON Christus, also das Evangelium Jesu Christi, das dieser den Menschen gebracht und gepredigt hat.

In Galater 1,8-9 fährt Paulus dann fort zu erklären:

„(Vers 8) Aber auch wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch ein Evangelium predigen würden, das anders ist, als wir es euch gepredigt haben, der sei verflucht. (Vers 9) Wie wir eben gesagt haben, so sage ich abermals: Wenn jemand euch ein Evangelium predigt, anders als ihr es empfangen habt, der sei verflucht.“

Paulus bekräftigt, dass das von ihm gepredigte Evangelium dasselbe Evangelium ist, das Jesus Christus gebracht und gepredigt hat. Was aber war das Evangelium, das Jesus Christus gepredigt hat?

Wir sehen deutlich, dass Christus das Evangelium vom Reich Gottes predigte (vergleichen Sie Markus 1,1.14-15 [Vers 14 lautet richtig, vgl. die Schlachterbibel: „… und verkündigte das Evangelium vom Reich Gottes“]; Matthäus 9,35; Lukas 4,43; 8,1; 9,11; Apostelgeschichte 1,3).

Es war dasselbe Evangelium, das Paulus predigte (vergleichen Sie Apostelgeschichte 14,21-22; 19,8; 20,25; 28,23.30-31).

Es war ebenfalls dasselbe Evangelium, das von den anderen Aposteln, Ältesten und Diakonen gepredigt wurde (siehe Lukas 9,2; vergleichen Sie ebenfalls Lukas 9,60; Apostelgeschichte 8,12).

Schließlich ist es dasselbe Evangelium, das der Welt kurz vor der Wiederkunft Christi zu einem Zeugnis gepredigt werden soll (vergleichen Sie Matthäus 24,14).

Weiter sagt Paulus in Galater 1,10:

„(Vers 10) Predige ich denn jetzt Menschen oder Gott zuliebe? Oder suche ich Menschen gefällig zu sein? Wenn ich noch Menschen gefällig wäre, so wäre ich Christi Knecht nicht.“

Paulus spricht die wichtige Tatsache an, dass wir nicht gleichzeitig den Menschen und Gott gefallen können, wenn es dabei einen Konflikt gibt.

Weiter in Galater 1,11:

„(Vers 11) Denn ich tue euch kund, liebe Brüder, dass das Evangelium, das von mir gepredigt ist, nicht von menschlicher Art ist.“

Dies bedeutet, das Evangelium vom Reich Gottes ist nicht von Menschen erdacht. Es ist eine Botschaft von Gott dem Vater, die offenbart werden muss. Im Fall des Paulus wurde es ihm direkt von Christus selbst offenbart und gelehrt, wie wir in Vers 12 lesen—augenscheinlich geschah dies, während Paulus in Arabien lebte (siehe unten, in Vers 17).

Paulus sagt in Galater 1,12-14:

„(Vers 12) Denn ich habe es nicht von einem Menschen empfangen oder gelernt, sondern durch eine Offenbarung Jesu Christi. (Vers 13) Denn ihr habt ja gehört von meinem Leben früher im Judentum, wie ich über die Maßen die Gemeinde Gottes verfolgte und sie zu zerstören suchte (Vers 14) und übertraf im Judentum viele meiner Altersgenossen in meinem Volk weit und eiferte über die Maßen für die Satzungen der Väter.“

Der Begriff „Judentum“ ist eine Übersetzung des griechischen Wortes „Iudaismos“; die Neue evangelistische Übersetzung 2022 sowie die New King James Bible geben es auch mit „Judaismus“ wieder. Dieser Begriff wird in der Bibel lediglich zweimal verwendet—beide Male im Galaterbrief. Paulus identifiziert ihn mit den „Satzungen der Väter.“ Diese Terminologie, beziehungsweise die Abwandlung „Satzungen der Ältesten“, findet in Matthäus 15,1-9 und in Markus 7,1-13 Verwendung.

Als Pharisäer hatte Paulus geglaubt, er könne sich Rechtfertigung und Gerechtigkeit dadurch verdienen, dass er die Satzungen der Väter, also das „Judentum“ oder die „jüdische Religion“ einhält. Dieser Begriff bezieht sich keineswegs auf die Gesetze des Alten Testaments, sondern vielmehr auf Traditionen, die von den Pharisäern erfunden wurden, wie beispielsweise rituelle Waschungen und andere von Menschen erdachte Satzungen.

Wir geben Ihnen nun einige Beispiele jener Satzungen, die von den Pharisäern in Bezug auf die Einhaltung des Sabbats ausgedacht wurden, und die zeigen, welche Belastung diese Vorschriften für die Menschen darstellten. So war es am Sabbat beispielsweise untersagt, jegliche Speise mit sich zu führen, die so viel wiegt wie eine getrocknete Feige. Erlaubt war lediglich das Gewicht einer halben Dörrfeige oder einer Olive (Talmud: Traktat Schabbat, Blätter 28a, 70b, 71a). Es war ebenfalls untersagt, ein Stück Papier zu tragen, mehr als nur einen kleinen Schluck Milch oder mehr Öl mit sich zu führen, als zur Salbung eines kleinen Teils des Körpers notwendig war (Traktat Schabbat, Blätter 76b ,78a). Wenn am Sabbat in der Wohnung eines Menschen ein Feuer ausbrach, so konnte er nur die für den Sabbat erforderlichen Lebensmittel und nur „notwendige“ Kleidung aus dem Haus bringen (Traktat Schabbat, Blatt 120a).

Es mag überraschen, dass das orthodoxe Judentum auch heute noch ähnlich restriktive und beschwerliche Sabbatvorschriften erlässt. Beachten Sie den folgenden Artikel von ABC News, der am 26. Oktober 2009 veröffentlicht wurde:

„Eine rabbinische Entscheidung verursacht Chaos, da orthodoxe Juden über das Schicksal von Sabbat-Fahrstühlen debattieren… Der jüdische Ruhetag ist für Yosef Ball etwas arbeitsintensiver geworden. Der orthodoxe Jude und seine Frau benutzen keine Fahrstühle mehr, die speziell für den jüdischen Sabbat konstruiert wurden, seit eine rabbinische Entscheidung im letzten Monat diese verboten hat. Stattdessen steigen sie jeden Samstag sieben Stockwerke hinauf, um nach Hause zu kommen, wobei sie ihre fünf kleinen Kinder und einen Doppelkinderwagen mitschleppen…

„Das jüdische Gesetz, die Halacha, untersagt den Gebrauch von elektrischen Geräten am Sabbat. Allerdings haben Rabbiner jahrzehntelang spezielle Fahrstühle gestattet, die automatisch in jedem Stockwerk anhalten, ohne dass die Fahrgäste irgendwelche Knöpfe drücken müssen, damit orthodoxe Juden damit fahren und in solchen Hochhäusern leben können. Die Entscheidung eines der führenden Rabbiner Israels im letzten Monat, diese Fahrstühle zu verbieten, hat eine heftige Debatte über die Fahrstühle ausgelöst und zwingt nun orthodoxe Juden, die in den obersten Stockwerken wohnen, sich zu entscheiden, ob sie den steilen Weg von der Synagoge nach Hause am Samstag auf sich nehmen wollen.

„Die orthodoxe Gemeinde ist seit langem geteilter Meinung über die Fahrstühle. Die Gegner sagen, dass die Fahrgäste zwar keinen Knopf drücken, das Gewicht der Fahrgäste jedoch die Strommenge erhöht, die für den Betrieb des Fahrstuhls erforderlich ist, was ein Verstoß gegen das jüdische Gesetz sei…

„Das Urteil, das im letzten Monat gefällt wurde, ist das jüngste in einer Reihe von Urteilen israelischer Rabbiner über die Anwendung des jüdischen Gesetzes im täglichen Leben. Die führenden Rabbiner können Zehntausende Anhänger zählen, die sich an ihre Entscheidungen halten. Rabbi Yosef Shalom Elyashiv, der verehrte 99-jährige Gelehrte, der die Entscheidung über den Sabbat-Fahrstuhl unterzeichnete, hat bereits andere kontroverse Entscheidungen getroffen. Im September verkündete er, dass Juden an Jom Kippur, dem Versöhnungstag, keine Crocs-Schuhe tragen dürfen, weil sie als zu bequem für den ernsten Fastenfeiertag gelten…

„Die Aufzüge sind nur eines von mehreren elektrischen Geräten, für die Rabbiner Schlupflöcher gefunden haben, um deren Benutzung zu gestatten. Religiöse Familien können Zeitschaltuhren für ihre Lichter und spezielle Kochplatten zum Aufwärmen von Speisen verwenden, solange diese Kochplatten während des Sabbats nicht ein- oder ausgeschaltet werden.“

Kein Wunder, dass Jesus die religiöse rabbinische Führung seiner Zeit dafür schalt, dass sie den Sabbat durch ihre pharisäischen Vorschriften zu einer Last gemacht hatten. Was würde er wohl heute sagen? Offensichtlich würde er solche modernen, verdrehten und unbiblischen Sabbatverordnungen keineswegs gutheißen.

Paulus macht deutlich, dass das Befolgen derartiger Regeln Gott niemals beeindrucken kann. Indem er dieser Art von Regeln gehorsam war und sie eifrig befolgte, wurde Paulus sogar dazu motiviert, die wahre Gemeinde Gottes zu verfolgen (Vers 13).

Weiter heißt es in Galater 1,15:

„(Vers 15) Als es aber Gott wohlgefiel, der mich von meiner Mutter Leib an ausgesondert und durch seine Gnade berufen hat…“

Paulus war Gott bereits schon vor seiner Geburt bekannt. Gleiches trifft auch auf Jeremia und David zu. Und dasselbe gilt für die wahren Christen heute. Gott sagt, dass alle, die zu dieser Zeit berufen sind, schon vor ihrer Geburt dazu vorherbestimmt waren, berufen zu werden (vergleichen Sie Römer 8,28-30). Das bedeutet jedoch keineswegs, dass sie automatisch gerettet sind. Sie sind nur zur Errettung berufen—ihre Gelegenheit ist heute—, aber sie müssen noch überwinden und sich für das Geschenk des ewigen Lebens qualifizieren.

Paulus weiß, dass Gott ihn durch seine Gnade berufen hat—durch seine unverdiente Vergebung. Paulus hat es nicht verdient, berufen zu werden. Niemand verdient es, berufen zu werden. Gott beruft nach seinem Plan—und wenn jemand nicht von Gott berufen ist, dann kann er auch nicht zu Christus kommen (vergleichen Sie Johannes 6,44.65).

Lesen wir weiter in Galater 1,16:

„(Vers 16) … dass er seinen Sohn offenbarte in mir, damit ich ihn durchs Evangelium verkündigen sollte unter den Heiden, da besprach ich mich nicht erst mit Fleisch und Blut…“

Paulus versteht, dass Gott ihn dazu berufen hatte, seinen Sohn IN Paulus zu offenbaren; das bedeutet, Christus würde IN Paulus leben und ihn leiten und führen. Wie würde er in Paulus leben? Durch die Kraft von Gottes heiligem Geist, wie wir in Apostelgeschichte 9,17-18 lesen.

Und mit der Kraft des Geistes Jesu Christi in ihm predigte Paulus den Heiden mit Vollmacht das Evangelium vom Reich Gottes (vergleichen Sie Apostelgeschichte 20,22-25; 26,15-18).

Weiter sagt Paulus in Galater 1,17-24:

„(Vers 17) … ging auch nicht hinauf nach Jerusalem zu denen, die vor mir Apostel waren, sondern zog nach Arabien und kehrte wieder zurück nach Damaskus. (Vers 18) Danach, drei Jahre später, kam ich hinauf nach Jerusalem, um Kephas [aramäisch für Petrus] kennenzulernen, und blieb fünfzehn Tage bei ihm. (Vers 19) Von den andern Aposteln aber sah ich keinen außer Jakobus, des Herrn Bruder. (Vers 20) Was ich euch aber schreibe – siehe, Gott weiß, ich lüge nicht! (Vers 21) Danach kam ich in die Länder Syrien und Zilizien (Vers 22) Ich war aber unbekannt von Angesicht den christlichen Gemeinden in Judäa. (Vers 23) Sie hatten nur gehört: Der uns früher verfolgte, der predigt jetzt den Glauben, den er früher zu zerstören suchte, (Vers 24) und priesen Gott über mir [wörtlich: „in mir“, vgl. Anmerkung in der Elberfelder Bibel].“

Es scheint, dass Paulus persönlich von Jesus Christus unterwiesen wurde, als er in Arabien weilte (Vers 17). In Vers 19 bezeichnet Paulus Jakobus als „Apostel“, den Bruder oder Halbbruder Jesu Christi und den Verfasser des „Jakobusbriefes.“ Sodann berichtet er, dass die Christen Gott, der in Paulus lebte, dafür priesen, dass er „den Glauben“ predigte.

Das „Predigen des Glaubens“ beinhaltet die Botschaft, dass wir an das Evangelium glauben müssen. Und das Evangelium vom Reich Gottes beinhaltet natürlich auch die Botschaft, dass wir an Gott und seine Macht glauben müssen, denn ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen.

Der Brief an die Galater, Kapitel 2

Paulus setzt seine Schilderung in Galater 2,1-2 fort:

„(Vers 1) Danach, vierzehn Jahre später, zog ich abermals hinauf nach Jerusalem mit Barnabas und nahm auch Titus mit mir. (Vers 2) Ich zog aber hinauf aufgrund einer Offenbarung und besprach mich mit ihnen über das Evangelium, das ich predige unter den Heiden, besonders aber mit denen, die das Ansehen hatten, damit ich nicht etwa vergeblich liefe oder gelaufen wäre.“

Nachdem er Petrus und Jakobus gesehen und die Regionen von Syrien und Zilizien besucht hatte, wurde Paulus dazu inspiriert, gemeinsam mit Barnabas und Titus nach Jerusalem zurückzukehren, um mit den Aposteln seine Predigt über das Evangelium zu besprechen. Paulus hielt sich keineswegs für allwissend. Er wusste, dass die christliche Lebensweise ein Wachsen in der Gnade und Erkenntnis Jesu Christi erfordert (2.Petrus 3,18), und so beriet er sich mit den anderen Aposteln, um sicherzugehen, dass er die Wahrheit des Evangeliums richtig verstand und predigte – und wie wir gesehen haben, gibt es nur EIN Evangelium.

Weiter in Galater 2,3-5:

„(Vers 3) Aber selbst Titus, der bei mir war, ein Grieche, wurde nicht gezwungen, sich beschneiden zu lassen. (Vers 4) Denn es hatten sich einige falsche Brüder mit eingedrängt und neben eingeschlichen, um unsere Freiheit auszukundschaften, die wir in Christus Jesus haben, und uns zu knechten. (Vers 5) Denen wichen wir auch nicht eine Stunde und unterwarfen uns ihnen nicht, damit die Wahrheit des Evangeliums bei euch bestehen bliebe.“

Paulus beginnt hier, das Thema der physischen Beschneidung anzusprechen. Diese Frage war während der Predigerkonferenz in Jerusalem entschieden und festgelegt worden, wie in Apostelgeschichte 15 berichtet wird. Es wurde verstanden und verfügt, dass ein Heide nicht beschnitten werden musste, um ein getauftes Mitglied der Kirche Gottes zu werden.

Einige Juden, die von sich vorgaben, Christen zu sein, aber stattdessen „falsche Brüder“ waren (Vers 4), verharrten jedoch auf dem Standpunkt, dass die Beschneidung weiterhin notwendig sei. Offenbar lehrten sie ebenfalls, dass weitere, im Buch Mose niedergeschriebene rituelle und zeitlich begrenzte Gesetze eingehalten werden mussten. Und es hat den Anschein, dass sie auch lehrten, dass die Religion der Juden oder das Judentum (die Satzungen der Väter) aufrechterhalten werden musste.

Paulus sagt in Vers 4, dass sie kamen, um die Freiheit in Christus auszukundschaften. Er bezieht sich auf die Freiheit von der Sünde; die Freiheit vom Fluch oder der Strafe für die Übertretung des Gesetzes—den Tod—, die wahre Freiheit, die Jesus uns allen versprochen hat, als er sagte: „Wenn euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei“ (vergleichen Sie Johannes 8,36). Doch wie Petrus in 1.Petrus 2,16 betont, kann unsere Freiheit keineswegs als Rechtfertigung für sündiges Verhalten dienen. Wir sind von der Strafe des Gesetzes befreit, nicht jedoch von der Notwendigkeit, das Gesetz zu befolgen.

Paulus weist in Vers 4 nachdrücklich darauf hin, dass sich falsche Brüder in die Gemeinde eingeschlichen und verkehrte Doktrinen gelehrt haben, um die wahren Mitglieder in die „Knechtschaft“ zu bringen (Elberfelder Bibel). Petrus warnte in 2.Petrus 2,18-19, dass diese falschen Brüder zwar „Freiheit“ versprachen, selbst aber „Knechte des Verderbens“ waren und zu „Sklaven“ der Sünde geworden sind (Schlachterbibel).

Gottes wahre Freiheit empfangen zu haben und in Freiheit zu leben, bedeutet keineswegs, Gottes Gesetz zu ignorieren oder zu übertreten. Das Gegenteil ist der Fall! In Psalm 119,45 lesen wir: „Und ich werde in Freiheit wandeln, denn ich trachte nach deinen Geboten“ (New King James Bible). Die Übertragung der Hoffnung für Alle liest sich wie folgt: „Ich führe mein Leben in Freiheit und Glück, weil ich deine Ordnungen erforsche.“

Paulus sagt in Vers 4, dass diese falschen Brüder entschlossen waren, andere zu „knechten“. Das hier verwendete griechische Wort „kataduloo“ wird auch in 2.Korinther 11,20 gebraucht. Es bedeutet, jemanden „völlig zu versklaven.“

Der Zusammenhang, in dem das Wort „knechten“ verwendet wird, ist die fälschlicherweise als fortdauernde Notwendigkeit postulierte physische Beschneidung. Was Paulus in diesem Kontext vermitteln will, ist folgender Gedanke:

Wenn wir meinen, dass wir beschnitten werden und bestimmte vorübergehende alttestamentliche Rituale erfüllen und dem Judentum und den Traditionen der Menschen folgen müssten, um Rechtfertigung und Gerechtigkeit zu erlangen, dann ist Christus umsonst für uns gestorben. Sein Opfer hat uns nichts genützt, und wir sind immer noch in unseren Sünden; wir sind immer noch in der Knechtschaft der Sünde—und wir sind nicht wirklich frei von der Strafe der Sünde geworden, die der Tod ist.

Petrus mahnt in Apostelgeschichte 15,10, den Heiden kein Joch aufzuerlegen und sie nicht damit zu drängen, sich beschneiden zu lassen und alle vorübergehenden Rituale des mosaischen Gesetzes einzuhalten. Er wies darauf hin, dass auch die Heiden Umkehr oder Reue (Apostelgeschichte 11,18) und Rettung von Gott aufgrund seiner Gnade empfangen hatten—ebenso wie die bekehrten Juden Umkehr durch Gottes Gnade erlangt hatten—und dass Gnade nicht aufgrund von Werken geschieht.

Wir fahren fort in Galater 2,6-14:

„(Vers 6) Von denen aber, die das Ansehen hatten—was sie früher gewesen sind, daran liegt mir nichts; denn Gott achtet das Ansehen der Menschen nicht—, mir haben die, die das Ansehen hatten, nichts weiter auferlegt. (Vers 7) Im Gegenteil, da sie sahen, dass mir anvertraut war das Evangelium an die Heiden [besser: „für die Unbeschnittenen“, vergleichen Sie die Elberfelder Bibel] so wie Petrus das Evangelium an die Juden [besser: „für die Beschnittenen“, vergleichen Sie die Elberfelder Bibel] (Vers 8)—denn der in Petrus wirksam gewesen ist zum Apostelamt unter den Juden, der ist auch in mir wirksam gewesen unter den Heiden—, (Vers 9) und da sie die Gnade erkannten, die mir gegeben war, gaben Jakobus und Kephas und Johannes, die als Säulen angesehen werden, mir und Barnabas die rechte Hand und wurden mit uns eins, dass wir unter den Heiden, sie aber unter den Juden predigen sollten, (Vers 10) nur dass wir an die Armen dächten, was ich mich auch eifrig bemüht habe zu tun.

„(Vers 11) Als aber Kephas nach Antiochia kam, widerstand ich ihm ins Angesicht, denn es war Grund zur Klage gegen ihn. (Vers 12) Denn bevor einige von Jakobus kamen, aß er mit den Heiden; als sie aber kamen, zog er sich zurück und sonderte sich ab, weil er die aus dem Judentum fürchtete. (Vers 13) Und mit ihm heuchelten auch die andern Juden, so dass selbst Barnabas verführt wurde, mit ihnen zu heucheln. (Vers 14) Als ich aber sah, dass sie nicht richtig handelten nach der Wahrheit des Evangeliums, sprach ich zu Kephas öffentlich vor allen: Wenn du, der du ein Jude bist, heidnisch lebst und nicht jüdisch, warum zwingst du dann die Heiden, jüdisch zu leben?“

Die Wahrheit des Evangeliums kennt keine Trennung zwischen Juden und Griechen. Alle sollen EINS sein in Christus. Gott betrachtet nicht das Ansehen der Person, sondern er schaut in das Herz des Menschen; vergleichen Sie hierzu Apostelgeschichte 10,34-35; Römer 2,11; 1.Petrus 1,17.

Aber Petrus gab das falsche Beispiel. Wie es in Vers 12 heißt, fürchtete er sich immer noch vor denen aus dem Judentum; also jenen, die zur Beschneidung gehörten. Das Verständnis vor der Predigerkonferenz in Apostelgeschichte 15 war, dass ein Jude nicht mit unbeschnittenen Heiden essen sollte (vergleichen Sie Apostelgeschichte 10,28; 11,2-3). Aber Gott hatte Petrus offenbart, dass dieses Verständnis verkehrt war und keinen Platz in der Kirche Gottes hatte.

Was meint Paulus in Vers 14 damit, dass Petrus die Heiden zwang, jüdisch zu leben?

Petrus „zwang sie“, indem er zuerst mit den Heiden zusammensaß und aß—und dabei nach der Art der Heiden lebte—, als aber die Juden kamen, trennte er sich von den Heiden, ALS OB es immer noch eine Trennung gäbe und ALS OB es für die Heiden immer noch notwendig WÄRE, beschnitten zu werden und alle jüdischen Rituale einzuhalten. Das heißt, er brachte sie dazu oder zwang sie dazu zu denken, dass sie diese Bräuche annehmen und sich beschneiden lassen sollten.

Paulus fährt in Galater 2,15 fort:

„(Vers 15) Wir sind von Geburt Juden und nicht Sünder aus den Heiden.“

Das Gesetz und die Bündnisse [sowohl der Alte Bund am Berg Sinai als auch der Neue Bund] und die Aussprüche Gottes [bestimmte verbindliche mündliche Überlieferungen, die erhalten geblieben sind; zum Beispiel der hebräische Kalender und die Struktur der Sieben-Tage-Woche] waren Israel und den Juden gegeben worden. Die Juden hatten das Gesetz der Zehn Gebote und konnten daher verstehen, was Sünde ist, die als Übertretung des Gesetzes definiert wird (1.Johannes 3,4; Zürcher Bibel). Sie hätten nach dem Gesetz leben müssen, was sie aber nicht taten.

Jesus hatte zu ihnen gesagt: „Hat euch nicht Mose das Gesetz gegeben? Und niemand unter euch tut das Gesetz“ (vergleichen Sie Johannes 7,19). Und Paulus sagte, dass die Juden das Gesetz zwar hatten und sich dessen rühmten, dass sie Gott jedoch entehrten oder „schändeten“, indem sie das Gesetz übertraten (Römer 2,23).

Wir fahren fort in Galater 2,16:

„(Vers 16) Doch weil wir wissen, dass der Mensch durch Werke des Gesetzes nicht gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, sind auch wir zum Glauben an Christus Jesus gekommen, damit wir gerecht werden durch den Glauben an Christus und nicht durch Werke des Gesetzes; denn durch Werke des Gesetzes wird kein Mensch gerecht.“

Paulus macht sehr deutlich, dass uns keine Art von Gesetzestreue rechtfertigen oder gerecht machen kann. Der Grund liegt darin, dass uns eine einzige begangene Sünde ungerecht macht, und allein das Blut Christi kann uns rechtfertigen oder uns wieder gerecht machen, indem Gott diese Sünde wegen des Todes Christi vergibt.

Beachten Sie jedoch sorgfältig, dass Paulus in Vers 16 sowohl über den Glauben AN Christus als auch über den Glauben CHRISTI spricht. Betrachten wir hierzu erneut die zuvor zitierte richtige Übertragung von Adolf Ernst Knoch 1939: „…weil wir aber wissen, dass der Mensch nicht aus Gesetzeswerken gerechtfertigt wird, sondern nur durch den Glauben Christi Jesu, so glauben auch wir an Christus Jesus, damit wir aus dem Glauben Christi und nicht aus Gesetzeswerken gerechtfertigt werden; denn aus Gesetzeswerken wird von allem Fleisch niemand gerechtfertigt werden.“ Diese Stelle wird auch genauso in der Authorized Version wiedergegeben.

Nicht nur unser Glaube an Christus ist für unsere Rechtfertigung erforderlich, sondern auch der Glaube Christi. Es ist der Glaube Christi, der in uns lebt und uns gerecht macht.

Es ist zweifellos richtig, dass wir an Christus glauben müssen—an seinen Namen, seine Identität, seine Rolle und Funktion, seine Botschaft und sein Opfer (Apostelgeschichte 3,16; 20,21; 24,24; Johannes 3,14-15; 11,24-25; 12,46). Bevor wir den heiligen Geist empfangen, den Gott uns nur nach aufrichtiger Reue und Glauben sowie nach richtiger Erwachsenentaufe (Apostelgeschichte 2,38) mit Gebet und Handauflegung durch Gottes wahre Prediger (Hebräer 6,2; Apostelgeschichte 8,14-20) verleiht, ist unser Glaube an Christus die EINZIGE Art von Glauben, die wir haben können.

Jedoch ist das kein „toter“ Glaube, sondern ein „lebendiger“ Glaube—es ist jene Art von Glauben, der sich durch Werke des GEHORSAMS manifestiert (Jakobus 2,14.17.22.26; Römer 1,5; 16,26; Apostelgeschichte 6,7). In Johannes 3,36 lesen wir: „Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Wer aber dem Sohn nicht GEHORSAM ist, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm.“ Tatsächlich können wir ohne lebendigen, gehorsamen Glauben an Gott den Vater und Jesus Christus nicht einmal den heiligen Geist empfangen (Apostelgeschichte 5,32).

Sobald wir Gottes heiligen Geist und damit ein „Maß des Glaubens“ (Römer 12,3) empfangen haben, beginnt der lebendige GLAUBE Jesu Christi in uns zu wohnen. Wenn wir Christus erlauben, unser Leben mehr und mehr zu führen und zu lenken, dann erlauben wir damit, dass sein Glaube in uns immer stärker wird. Nicht, dass der vollkommene und grenzenlose Glaube Christi wachsen oder effektiver werden müsste, aber WIR wachsen in demselben Maße, in dem wir ihm und seinem Glauben IN uns gestatten, uns zu motivieren und zu führen.

Erinnern wir uns daran, dass Jesus nicht viele Wunder tun konnte, weil es Menschen an Glauben mangelte (vergleichen Sie Markus 6,5-6; Matthäus 13,58). Es ist der Glaube Christi in uns, der uns immer gehorsamer und vollkommener werden lässt. Wenn wir uns aber weigern, den Glauben Christi in uns anzuwenden und einzusetzen, dann werden wir nicht zur Vollkommenheit hin wachsen.

Um auf Galater 2,16 zurückzukommen, beachten Sie bitte, dass die Übersetzungen von Martin Luther sowie die meisten anderen modernen Übersetzungen, einschließlich der Elberfelder Bibel, der Zürcher Bibel, der Schlachterbibel und der Menge Bibel, fälschlicherweise dreimal die Formulierung „Glaube AN Christus“ verwenden und die Stelle wie folgt wiedergeben:

„Doch weil wir wissen, dass der Mensch durch Werke des Gesetzes nicht gerecht wird, sondern durch den Glauben AN Jesus Christus [falsche Wiedergabe], sind auch wir zum Glauben AN Christus Jesus [korrekte Wiedergabe] gekommen, damit wir gerecht werden durch den Glauben AN Christus [falsche Wiedergabe] und nicht durch Werke des Gesetzes; denn durch des Gesetzes Werke wird kein Mensch gerecht“ (revidierte Lutherbibel 2017).

Diese falsche Wiedergabe ist verheerend, da sie die biblische Wahrheit völlig verdunkelt, nach der wir den Glauben VON Christus, also den Glauben CHRISTI in uns haben müssen, und dass es der Glaube CHRISTI ist, der uns rechtfertigt und gerecht macht. Es ist der lebendige Jesus Christus, der durch den heiligen Geist in uns wohnt, der uns durch SEINEN Glauben vollkommen macht. Obwohl UNSER Glaube an Christus notwendig ist, könnte er uns NIEMALS zur Vollendung führen.

Daher ist die Wiedergabe von Galater 2,16 in der oben zitierten Bibelübersetzung von Adolf Ernst Knoch 1939 korrekt.

Weitere Bibelstellen zeigen, dass der GLAUBE CHRISTI IN UNS leben muss, um das ewige Leben zu erben.

Man beachte beispielsweise Galater 3,22, die in der Lutherbibel 1984 und den meisten anderen modernen Übersetzungen falsch wiedergegeben wird, in der Bibelübersetzung von Adolf Ernst Knoch 1939 aber richtig übersetzt ist:

„Die Schrift schließt jedoch alle zusammen unter die Sünde ein, damit die Verheißung aus dem GLAUBEN JESU CHRISTI denen gegeben werde, die glauben“ (vergleichen Sie ebenfalls die Authorized Version und die Anmerkung in der Elberfelder Bibel).

Epheser 3,12 lautet in der Übersetzung von Adolf Ernst Knoch 1939 wie folgt: (beachten Sie, dass viele moderne Übersetzungen, einschließlich der Lutherbibel 1984, diese Stelle wiederum falsch übersetzen): „… in welchem wir durch SEINEN Glauben den Freimut haben und mit Vertrauen den Zutritt zum Vater.“ Luther schreibt: „durch den Glauben AN ihn.“ Das griechische Wort für „IHN“ steht jedoch im Genitiv (was Besitz oder Herkunft ausdrückt), so dass die Übersetzung “SEINEN Glauben“ korrekt ist. Vgl. auch die Authorized Version.

Es ist Christus, der mittels seines Geistes durch den Glauben in unseren Herzen wohnt (vergleichen Sie Epheser 3,16-17). Er ist der Urheber und Vollender des Glaubens (vergleichen Sie Hebräer 12,2).

Eine weitere Stelle, die in den meisten modernen Versionen, einschließlich der Lutherbibel 1984, falsch übersetzt wurde, in der Übersetzung von Adolf Ernst Knoch 1939 aber korrekt wiedergegeben wird, ist Philipper 3,9:

„… indem ich nicht meine eigene Gerechtigkeit habe, nämlich die aus dem Gesetz, sondern die DURCH DEN GLAUBEN CHRISTI, die Gerechtigkeit aus Gott auf Grund des Glaubens…“ (vergleichen Sie ebenfalls die Authorized Version).

Beachten Sie sodann, dass die Elberfelder Bibel Jakobus 2,1 wie folgt korrekt übersetzt: „Meine Brüder! habt den Glauben Jesu Christi, unseres Herrn der Herrlichkeit, ohne Ansehen der Person.“ Luther übersetzt: „… haltet den Glauben AN Jesus Christus.“ Diese Übersetzung ist falsch, da die griechischen Worte für „Jesus Christus“ im Genitiv stehen; von daher muss es „Glauben Jesu Christi“ heißen.

Nehmen Sie auch Offenbarung 2,13 zur Kenntnis. Christus sagt zu der Gemeinde in Pergamon: „Ich weiß, wo du wohnst…  und du hältst meinen Namen fest und hast MEINEN GLAUBEN nicht verleugnet…“ (Elberfelder Bibel).

Beachten Sie ebenfalls Offenbarung 14,12: „Hier ist das Ausharren der Heiligen, welche die Gebote Gottes und den Glauben Jesu bewahren“ (Elberfelder Bibel).

Es werden also diejenigen gerettet, die Gottes Gebote UND den Glauben JESU CHRISTI BEWAHREN, der in ihnen wohnt. Es ist zwingend notwendig, dass der Glaube Christi in uns wohnt und uns motiviert, auszuharren, weiterhin durchzuhalten und in unserer gottgefälligen Lebensweise fortzufahren, damit wir das Reich Gottes und das ewige Leben erben.

Der Unterschied zwischen unserem Glauben an Christus und dem Glauben Christi oder dem Glauben von Christus in uns ist von großer Bedeutung. UNSER Glaube ist nicht frei von Zweifeln oder Furcht, wohingegen der GLAUBE CHRISTI keine Zweifel oder Furcht kennt. Deshalb ist es wichtig, dass der Glaube Christi in uns unser Leben leitet und führt. Christus macht uns vollkommen—wenn wir es ihm gestatten—und vollkommene Liebe treibt die Furcht aus (1.Johannes 4,18).

Außerdem sagt Paulus in Galater 2,16, dass wir nicht durch die Werke des Gesetzes gerecht werden können. In diesem Zusammenhang bezieht sich Paulus auf die physische Arbeit oder die schwierigen Werke der Rituale unter dem mosaischen Gesetz. Er spricht hier nicht von den Zehn Geboten, die nicht physischer, sondern geistlicher Natur sind (Römer 7,14). Jene alttestamentlichen Rituale, wie beispielsweise die dreimal am Tag erforderlichen Waschungen, waren ein Ersatz für den heiligen Geist. Sie lehrten die Israeliten die Gewohnheit des Gehorsams.

Es ist jedoch ebenfalls zutreffend, dass wir nicht durch unsere Werke oder Taten des Gesetzes der Zehn Gebote gerechtfertigt werden können.

Fahren wir fort mit Galater 2,17:

„(Vers 17) Sollten wir aber, die wir durch Christus gerecht zu werden suchen, auch selbst als Sünder befunden werden – ist dann Christus ein Diener der Sünde? Das sei ferne!“

Sünde ist die Übertretung des Gesetzes. Die Tatsache, dass wir dennoch von Zeit zu Zeit sündigen, verdeutlicht, dass Christus uns kontinuierlich rechtfertigen oder gerecht machen muss.

Manche sagen auch, dass es im Griechischen heißt: „Wenn wir als Sünder befunden WURDEN [also in der Vergangenheit, vor unserer Bekehrung], ist Christus dann ein Diener der Sünde?“ In diesem Fall vermittelt Paulus die Vorstellung, dass Jesus uns gerechtfertigt hat, indem er uns unsere vergangenen Sünden vergeben hat.

In keinem Fall jedoch wird Christus dadurch zum Diener der Sünde, dass er unsere früheren, vor der Bekehrung begangenen Sünden vergeben hat oder weil er uns unsere gegenwärtigen Sünden vergibt; vielmehr rechtfertigt er uns, indem er uns unsere Sünden vergibt und diese von uns wegnimmt.

Paulus fährt in Galater 2,18 fort:

„(Vers 18) Denn wenn ich das, was ich abgebrochen habe, wieder aufbaue, dann mache ich mich selbst zu einem Übertreter.“

Paulus versucht den Gedanken zu vermitteln, dass er wiederum der Übertretung schuldig ist, wenn er das Gesetz, das er zuvor gebrochen hat, erneut bricht, denn Sünde ist die Übertretung oder das Brechen des Gesetzes.

Zusätzlich betont Paulus an dieser Stelle, dass die Kirche verstanden hatte, dass die physische Beschneidung nicht mehr notwendig war und dass die Mauer der Trennung zwischen Juden und Heiden abgebrochen worden war. Als nun Petrus auftrat, um diese zuvor abgebrochene Trennungsmauer erneut zu errichten, wurde er selbst zum Übertreter—er sündigte gegen seinen aus dem Heidentum stammenden Bruder, indem er diesem durch sein Verhalten einen Anstoß gab.

Weiter in Galater 2,19:

„(Vers 19) Denn ich bin durchs Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich Gott lebe. Ich bin mit Christus gekreuzigt.“

Das Gesetz der Zehn Gebote lehrt uns, was Sünde ist. Durch das Gesetz kommt die Erkenntnis der Sünde (Römer 3,20). Durch diese Erkenntnis des Gesetzes verstehen wir also, dass wir es gebrochen haben. Wir begreifen, dass wir den Tod verdient haben. Aber Christus ist gekommen, um für uns zu sterben. Indem wir sein Opfer annehmen, stehen wir nicht mehr länger unter der Macht des Gesetzes, uns mit dem Tod zu bestrafen.

Die oben zitierte Lutherbibel 1984 liefert, wie die Mehrzahl der deutschen Übersetzungen, eine korrekte Übertragung des griechischen Urtextes in Vers 19: „Ich bin dem Gesetz gestorben…“ Paulus sagt hier aus, dass er der STRAFE des Gesetzes gestorben ist. Das Gesetz hatte keine Macht mehr über ihn und keinen Anspruch mehr, ihn hinzurichten, da ihm die Strafe für die Gesetzesübertretung—der TOD—vergeben worden war. Paulus war begnadigt worden. Christus ist für Paulus gestorben, damit Paulus Vergebung der Sünden erlangen und für Christus und Gott den Vater ein neues Leben führen konnte.

Paulus verdeutlicht, dass er nichts von alledem aus eigener Kraft erreicht oder vollbracht hat, sondern dass es ihm durch die Gnade Gottes gewährt wurde—durch die Kraft und Hilfe Jesu Christi.

Paulus sagt uns in Römer 3,19, dass diejenigen schuldig sind, die unter dem Gesetz, also unter seiner Strafe stehen. Wenn wir nicht gegen das Gesetz verstoßen, sind wir nicht unter dem Gesetz—wir unterliegen nicht seiner Strafe—und sind demzufolge nicht schuldig. Das Gesetz sagt uns, was Sünde ist. Das Gesetz ist für den Sünder gemacht, der davon ablassen soll, weiterhin zu sündigen (vergleichen Sie 1.Timotheus 1,8-16).

In 1.Korinther 15,31 sagt Paulus, dass er täglich stirbt; das heißt, er stirbt täglich der Sünde und seinem Verlangen nach Sünde, damit er in Gerechtigkeit leben kann.

In Römer 6,1-2 sagt Paulus erneut, dass wir der Sünde gestorben sind (wiederum, Sünde ist die Übertretung des Gesetzes), um in der Gerechtigkeit zu leben. Wir stehen nicht mehr unter dem Gesetz – unter seiner Strafe. Wir sind dem Gesetz gestorben. Wir stehen jetzt unter der Gnade, also unter Gottes Gunst oder unverdienter Vergebung.

Paulus sagt dann in Galater 2,20:

„(Vers 20) Ich lebe, aber nicht ich, es lebt aber Christus in mir. Was ich aber jetzt lebe im Fleisch, lebe ich im Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebt und Sich Selbst für mich dahingegeben hat“ (Abraham Meister NT 1989).

Paulus sagt, dass er mit Christus gekreuzigt wurde. Er STARB in der Taufe. Er wurde auferweckt, um ein neues Leben in Christus zu leben. Er lebt jetzt „im Glauben des Sohnes Gottes.“ Es ist nun der Glaube Christi, der in ihm lebt. Und dieses neue Leben ist vom Weg der Sünde getrennt. Wir sind für die Sünde tot, um für die Gerechtigkeit zu leben. Vergleichen Sie dazu Römer 6,3-14.

Was die Formulierung „im Glauben des Sohnes Gottes“ in Galater 2,20 angeht, so ist das griechische Original hier etwas komplizierter. Laut „Interlinear“ liest sich der Vers wie folgt: „… doch ich lebe, nicht länger ich, sondern lebt in mir Christus; aber was ich jetzt lebe im Fleisch, in Glauben ich lebe, nämlich dem von Gottes Sohn.“

Einige sind der Meinung, dass die Übersetzung lauten sollte: „das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes“, indem sie das Wort „AN“ hinzufügen, um anzudeuten, dass wir durch UNSEREN Glauben AN den Glauben Christi leben. Aber das Wort „AN“ steht nicht im Urtext. Aus dem Kontext und der Struktur des Satzes ist es schlüssiger zu sagen, dass wir in dem Glauben leben, WELCHER DER Glaube des Sohnes Gottes ist. Beachten Sie noch einmal die wortgetreue Wiedergabe: „in Glauben ich lebe, nämlich DEM VON Gottes Sohn.“ Eine sehr akkurate Übertragung des Urtextes finden wir bei Adolf Ernst Knoch 1939: „… ich lebe aber, doch nicht mehr ich, sondern in mir lebt Christus. Was ich aber von nun an im Fleisch lebe, das lebe ich im Glauben, dem des Sohnes Gottes…“

Weiter geht es in Galater 2,21:

„(Vers 21) Ich werfe nicht weg die Gnade Gottes; denn wenn die Gerechtigkeit durch das Gesetz kommt, so ist Christus vergeblich gestorben.“

Die Gerechtigkeit kommt nicht durch das Gesetz. Sie kommt allein durch die Gnade Gottes, und zwar auf mindestens zweierlei Weise: Wenn wir sündigen, dann macht Gott uns wieder gerecht oder rechtfertigt uns durch die Vergebung unserer Sünde, wenn wir aufrichtig bereuen. Da diese Vergebung aus Gnade heraus gewährt wird, kommt die Gerechtigkeit folglich nicht durch das Gesetz.

Außerdem erfüllt Christus IN uns die gerechten Forderungen des Gesetzes, wenn wir der Führung des heiligen Geistes folgen (vergleichen Sie Römer 8,3-4). Und es geschieht auch aufgrund der Gnade Gottes—nicht aufgrund des Gesetzes—, dass Christus durch den heiligen Geist in uns lebt. Deshalb kommt die Gerechtigkeit nicht durch das Gesetz, sondern durch Christus, der, als unser barmherziger LEBENDIGER Hohepriester in uns lebt. Er verleiht uns die Kraft, die Sünde zu überwinden und gerecht zu bleiben.

Wir sind gerecht, solange wir das Gesetz halten. Wir werden ungerecht, wenn wir das Gesetz übertreten, und es ist das vergossene Blut Christi, wodurch wir erneut gerechtfertigt oder gerecht gemacht werden, wenn wir unsere Sünde bereuen und Vergebung erlangen. Vergleichen Sie hierzu 1.Johannes 1,6-10.

Der Brief an die Galater, Kapitel 3

Nachdem Paulus erklärt hat, wie wir Rechtfertigung und Gerechtigkeit erlangen können—und wie nicht—, führt er das Thema in Galater 3,1-9 weiter aus:

„(Vers 1) O ihr unverständigen Galater! Wer hat euch bezaubert, [hier muss hinzugefügt werden, vgl. die Schlachterbibel: „dass ihr der Wahrheit nicht gehorcht,“] „denen doch Jesus Christus vor die Augen gemalt war als der Gekreuzigte? (Vers 2) Das allein will ich von euch erfahren: Habt ihr den Geist empfangen durch des Gesetzes Werke oder durch die Predigt vom Glauben? (Vers 3) Seid ihr so unverständig? Im Geist habt ihr angefangen, wollt ihr‘s denn nun im Fleisch vollenden? (Vers 4) Habt ihr denn so vieles vergeblich erfahren? Wenn es denn vergeblich war! (Vers 5) Der euch nun den Geist darreicht und tut solche Taten unter euch, tut er‘s durch des Gesetzes Werke oder durch die Predigt vom Glauben? (Vers 6) So war es mit Abraham: ‚Er hat Gott geglaubt und es ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet worden.‘ (Vers 7) Erkennt also: die aus dem Glauben sind, das sind Abrahams Kinder. (Vers 8) Die Schrift aber hat es vorausgesehen, dass Gott die Heiden durch den Glauben gerecht macht. Darum verkündigte sie dem Abraham: ‚In dir sollen alle Heiden gesegnet werden.‘ (Vers 9) So werden nun die, die aus dem Glauben sind, gesegnet mit dem gläubigen Abraham.“

Paulus erklärt, dass Glaube für unsere Rechtfertigung und Gerechtigkeit wichtig ist. Aber er spricht nicht von einem toten Glauben—einem Glauben ohne Werke—, sondern betont vielmehr den lebendigen Glauben—einen Glauben, der sich in Werken erweist. Dieser Glaube erfordert den Gehorsam gegenüber der Wahrheit. Vergleichen Sie hierzu Vers 1 in der neuen Lutherbibel 2009: „O ihr unverständigen Galater, wer hat euch bezaubert, der Wahrheit nicht zu gehorchen, denen Jesus Christus vor Augen gemalt wurde als unter euch gekreuzigt?“

Paulus erklärt, dass wir den heiligen Geist nicht durch unsere Werke empfangen, sondern durch den Glauben an Gott den Vater und an seinen Sohn Jesus Christus. Auch empfangen wir den heiligen Geist nicht durch die physischen, rituellen Werke des Gesetzes. Wahrer Glaube WIRD sich jedoch in guten Werken ERWEISEN. Gott verleiht denen den heiligen Geist nicht, die sich weigern, IHM GEHORSAM ZU SEIN (Apostelgeschichte 5,32).

In Jakobus 2,21 lesen wir, dass Abraham durch Werke gerechtfertigt wurde, und Jakobus 2,24 fügt hinzu, dass ein Mensch durch Werke gerechtfertigt wird und nicht nur durch den Glauben allein. In Römer 4,2-3 sagt Paulus jedoch, dass Abraham nicht durch Werke, sondern durch den Glauben gerechtfertigt wurde (vergleichen Sie alle diese Stellen in der neuen Lutherbibel 2009).

Besteht hier ein Widerspruch?

Keineswegs, wir müssen jedoch verstehen, dass Paulus und Jakobus über zwei unterschiedliche Sachverhalte sprechen.

Jakobus verurteilt den theoretischen, esoterischen, toten Glauben, der nicht von Werken oder guten Taten begleitet und durch sie manifestiert wird. Er verurteilt diese Art von Glauben, den sogar die Dämonen haben (Jakobus 2,19). Dieser tote Glaube, der sich nicht in guten Werken erweist, wird niemanden rechtfertigen (Jakobus 2,17-18.20.22).

Obwohl Jakobus die Taten oder Werke betont, versucht er tatsächlich, den Unterschied zwischen totem und lebendigem Glauben zu verdeutlichen (Vers 26). Nur ein lebendiger Glaube (ein Glaube, der von Werken begleitet wird) kann uns rechtfertigen. Wenn Jakobus sagt, dass der Mensch durch Werke und nicht nur durch den Glauben allein gerechtfertigt wird, dann will er damit ausdrücken, dass der Mensch durch einen lebendigen, praktischen, überfließenden und gehorsamen Glauben gerechtfertigt wird, keineswegs aber durch einen toten, nutzlosen, theoretischen, lieblosen und ungehorsamen Glauben.

Mit anderen Worten: Jakobus spricht Menschen an, nach deren Meinung ihr intellektueller, theoretischer Glaube an Gott und Jesus ausreicht, und dass nichts weiter—weder gute Werke noch Gehorsam gegenüber dem Gesetz—ihren Glauben begleiten muss.

Paulus dagegen wendet sich in Römer 4,2-3 und in Galater 3,5-9 an Menschen, die in die andere Falle getappt sind—das entgegengesetzte Extrem. Sie waren der Meinung, dass sie ihre guten Werke rechtfertigen und gerecht machen würden; dass sie die Rechtfertigung aus eigener Kraft erlangen könnten, durch ihren Lebenswandel—und dass sie weder Gott noch den Glauben an das Opfer Christi brauchten, um Vergebung und Rechtfertigung zu erlangen.

Dass Paulus und Jakobus sich über die Notwendigkeit eines LEBENDIGEN und gehorsamen Glaubens für unsere Rechtfertigung einig sind, hat Fritz Rienecker klar erkannt, und er stellt in seinem Lexikon zur Bibel (2. Sonderauflage 1991) auf Seite 502 fest:

„… Die Werke, durch die der G[laube] erst vollkommen wird und ohne die er tot ist (Jak 2,22.26), sind die gleichen Werke, zu denen wir in Christus geschaffen sind, damit wir darin wandeln sollen (Eph 2,10). Wer dem Nächsten die notwendige Hilfe versagt (Jak 2,15.16), hat im Urteil des Paulus den G[lauben] verleugnet (1 Tim 5,8).“

Paulus fährt in Galater 3,10 fort:

„(Vers 10) Denn die aus den Werken des Gesetzes leben, die sind unter dem Fluch. Denn es steht geschrieben: ‚Verflucht sei jeder, der nicht bleibt bei alledem, was geschrieben steht in dem Buch des Gesetzes, dass er‘s tue!‘“

Paulus vermittelt den Gedanken, dass niemand jemals sämtliche physischen Werke des Gesetzes gehalten hat, einschließlich aller Rituale, Waschungen oder Opfer. Darüber hinaus hat auch niemand jemals alle geistlichen Gebote Gottes gehalten, die Zehn Gebote einschließlich der dazugehörigen Satzungen und Rechtsvorschriften. Deshalb ist jeder unter dem Fluch oder der Strafe des Gesetzes, die entweder der zweite Tod für geistliche Sünde sein kann oder der physische Tod beziehungsweise andere physische Strafen für zivile oder kriminelle Vergehen.

Aber Paulus sagt hier keineswegs, dass das gesamte Gesetz für uns nicht mehr bindend ist. Er spricht lediglich über die Bedeutung der Rechtfertigung.

Beachten Sie den Zusammenhang der Stelle, die Paulus zitiert, wenn er sagt: „Verflucht sei jeder, der nicht bleibt bei alledem, was geschrieben steht in dem Buch des Gesetzes…“ Wir finden diese Passage in 5.Mose 27,2-3.8.15-26.

Wenn man diesen Abschnitt liest, dann ist es offensichtlich, dass an den dort aufgeführten Geboten nichts Verkehrtes zu finden ist. Sie sind eindeutig auch heute noch für Christen verbindlich.

In Vers 10 von Galater 3 bezieht sich Paulus auch auf das „Buch des Gesetzes.“ Dieses Buch enthielt das geistliche, immerwährende Gesetz der Zehn Gebote, die sie näher definierenden und erläuternden Satzungen und Rechtsvorschriften, aber auch das zeitweilige, vergängliche Gesetz des Opfersystems und der Rituale (an deren Stelle später das Opfer Christi und der heilige Geist traten). Dieses „Buch des Gesetzes“ wird auch in 5.Mose 31,24-26 erwähnt.

Das Buch des Gesetzes enthielt sowohl dauerhafte als auch zeitweilige Gesetze. Das alttestamentliche Israel war verpflichtet, sie alle zu halten. Wir sind heute zwar nicht länger dazu verpflichtet, die zeitweiligen Gesetze zu halten, jedoch sind wir sehr wohl noch immer verpflichtet, die geistlichen Gesetze zu halten.

Weiter heißt es in Galater 3,11:

„(Vers 11) Dass aber durchs Gesetz niemand vor Gott gerechtfertigt wird, ist klar; denn der Gerechte wird durch Glauben leben“ (neue Lutherbibel 2009).

Paulus erklärt, dass Christus uns rechtfertigen wird, wenn wir daran glauben, und dass wir dann durch Glauben leben werden, was bedeutet, durch SEINEN Glauben, der in uns lebt.

Wir fahren fort in Galater 3,12:

„(Vers 12) Das Gesetz aber ist nicht ‚aus Glauben‘, sondern: ‚der Mensch, der es tut, wird dadurch leben.‘“

Jedoch zieht schon ein einziger Akt des Ungehorsams die Todesstrafe nach sich, und der Mensch, der zwar strikt nach dem Gesetz, jedoch ohne Glauben an Gottes Vergebung für seine bereuten Sünden lebt, wird aufhören zu „leben“—er wird mit diesen nicht bereuten Sünden sterben.

Weiter in Galater 3,13:

„(Vers 13) Christus aber hat uns erlöst von dem Fluch des Gesetzes, da er zum Fluch wurde für uns; denn es steht geschrieben: ‚Verflucht ist jeder, der am Holz hängt‘…“

Der Fluch des Gesetzes ist die Strafe für das Brechen oder Übertreten des Gesetzes. Christus hat uns von dem Fluch oder der Strafe des Gesetzes—nicht vom Gesetz selbst—erlöst, da er für uns zum Fluch wurde, indem er unsere Sünden auf sich nahm und die Strafe für unsere Sünden in unserem Namen bezahlte. Dadurch hat er uns von der Strafe des Todes erlöst oder befreit, die wir durch unsere Sünden—die Übertretung des Gesetzes—auf uns geladen haben.

Paulus fährt in Galater 3,14-19 fort:

„(Vers 14) … damit der Segen Abrahams unter die Heiden komme in Christus Jesus und wir den verheißenen Geist empfingen durch den Glauben. (Vers 15) Liebe Brüder, ich will nach menschlicher Weise reden: Man hebt doch das Testament [besser: „Bund“, so die New King James Bible] eines Menschen nicht auf, wenn es bestätigt ist, und setzt auch nichts dazu. (Vers 16) Nun ist die Verheißung Abraham zugesagt und seinem Nachkommen. Es heißt nicht: und den Nachkommen, als gälte es vielen, sondern es gilt einem: ‚und deinem Nachkommen‘, welcher ist Christus. (Vers 17) Ich meine aber dies: Das Testament [besser: „Der Bund“; vergleichen Sie die Elberfelder Bibel und die Authorized Version], das von Gott zuvor bestätigt worden ist, wird nicht aufgehoben durch das Gesetz, das vierhundertdreißig Jahre danach gegeben worden ist, sodass die Verheißung zunichte würde. (Vers 18) Denn wenn das Erbe durch das Gesetz erworben würde, so würde es nicht durch Verheißung gegeben; Gott aber hat es Abraham durch Verheißung frei geschenkt. (Vers 19) Was soll dann das Gesetz? Es ist hinzugekommen um der Sünden willen, bis der Nachkomme da sei, dem die Verheißung gilt, und zwar ist es von Engeln verordnet durch die Hand eines Mittlers.“

Dieser Abschnitt hat etliche Kommentatoren und Gelehrte verwirrt. Auf welches Gesetz bezieht sich Paulus hier in Vers 17, das „vierhundertdreißig Jahre“ nach der Bestätigung des Bundes durch Gott gegeben wurde? Der angesprochene Bund ist der Bund der Verheißung an Abraham (1.Mose 17,1-2), so dass sich der ungefähre Zeitrahmen für dieses Gesetz „vierhundertdreißig Jahre“ nach dem Bund auf die Zeit unmittelbar nach dem Auszug Israels aus Ägypten bezieht (2.Mose 12,40). Aber welches Gesetz hat Paulus im Sinn?

Paulus spricht keineswegs von dem Gesetz der Zehn Gebote, das seit Adam und Eva bestand.

Die Bibel lehrt durchgängig, dass die Menschen gegen die Zehn Gebote verstoßen haben, lange bevor das in Galater 3,17 erwähnte „Gesetz“ in Kraft trat.

In 1.Timotheus 2,14 lesen wir: „Und Adam wurde nicht verführt, die Frau aber hat sich zur Übertretung verführen lassen.“ Eva sündigte, als sie Gottes Gesetz übertrat. Das bedeutet, dass Gottes Gesetz der Zehn Gebote schon lange vor Abraham oder Mose in Kraft und wirksam war, denn Paulus sagt uns in Römer 4,15: „…wo aber kein Gesetz ist, da gibt es auch keine Übertretung“ (neue Lutherbibel 2009). Und wenn wir sündigen, dann werden wir „überführt vom Gesetz als Übertreter“ (Jakobus 2,9).

Adam und Eva übertraten das Gesetz der Zehn Gebote, als sie von der verbotenen Frucht aßen. Sie sündigten, weil sie Gott ungehorsam waren, indem sie ihn bestahlen und ihn darüber belogen. Sie begingen auch Götzendienst, indem sie Satan folgten und etwas begehrten, was ihnen nicht gehörte. Später sündigte Kain, indem er seinen Bruder Abel ermordete (1.Mose 4,7-8). Die Männer von Sodom „sündigten“ gegen Gott (1.Mose 13,13), indem sie seine Gebote und Grundsätze in Bezug auf die Ehe verletzten (1.Mose 18,20).

Gott verhinderte, dass sich zwei heidnische Herrscher, die beide Abimelech hießen, gegen ihn versündigten, indem er es nicht zuließ, dass sie ein ehebrecherisches Verhältnis mit den Frauen von Abraham und Isaak eingingen (1.Mose 20,6; 1.Mose 26,10). Später weigerte sich Josef, mit der Frau des Potifar Ehebruch zu begehen, weil er wusste, dass dies eine Sünde wäre (1.Mose 39,7-9). Jakob sündigte, indem er seinen Vater Isaak täuschte oder belog (1.Mose 27,35). Jakob wusste, dass Diebstahl Sünde ist (1.Mose 30,33; 31,39). Josef erklärte später, dass die Entführung eines Menschen Diebstahl und damit Sünde sei (1.Mose 40,15). Auch seine Brüder verstanden, dass Diebstahl Sünde ist (1.Mose 50,17; Schlachterbibel; vergleichen Sie ebenfalls 1.Mose 44,8).

Unzucht wurde als Sünde verstanden, lange bevor Gott Israel die Zehn Gebote verkündete (1.Mose 34,7.31; 38,24). Auch Mord wurde als Sünde identifiziert (vergleichen Sie 1.Mose 49,6-7), und die Hebammen weigerten sich, die israelitischen Säuglinge zu töten, weil sie Gott fürchteten (2.Mose 1,16-17).

Vor der Ankunft am Berg Sinai hatte Gott die Einhaltung des Siebenten-Tags-Sabbats eindeutig als ein Gesetz bezeichnet, das befolgt werden musste (2.Mose 16,4-5.22-30). Schließlich war es schon seit der Erschaffung von Adam und Eva in Kraft (1.Mose 2,2-3).

Wir sehen also, dass die Zehn Gebote seit der Erschaffung des Menschen in Kraft und wirksam waren. Als sie der Mensch brach, sündigte er und fiel in Übertretung. Und wegen dieser Übertretung kam später ein weiteres Gesetz hinzu, wie wir in Galater 3,19 lesen.

Dieses (zeitweilige) Gesetz ist um der Sünde willen HINZUGEKOMMEN – aber wo kein Gesetz ist, da gibt es auch keine Sünde. Das Gesetz der Zehn Gebote wurde übertreten, und deshalb wurde ein weiteres Gesetz—das Gesetz des Opfersystems und der Waschungen und Rituale—hinzugefügt, NACHDEM die Israeliten gegen Gott gesündigt hatten, indem sie ein goldenes Kalb machten.

Paulus sagt uns dasselbe in Römer 5,13-14, wo wir lesen: „Denn die Sünde war wohl in der Welt, ehe das Gesetz kam; aber wo kein Gesetz ist, da wird Sünde nicht angerechnet. Dennoch herrschte der Tod von Adam an bis Mose auch über die, die nicht gesündigt hatten durch die gleiche Übertretung wie Adam, welcher ist ein Bild dessen, der kommen sollte.“

Paulus sagt uns deutlich, dass es bereits Sünde in der Welt gab, BEVOR „das Gesetz“ kam. Sünde ist, wie wir gelesen haben, die Übertretung des GESETZES. Es muss also bereits ein Gesetz bestanden haben, das gebrochen wurde, bevor dieses zusätzliche „Gesetz“ kam. Das Gesetz, das kam oder hinzugefügt wurde, muss sich folgerichtig von dem bereits bestehenden Gesetz unterscheiden, das vorher gebrochen wurde. In der Tat wurde dieses besondere Gesetz [das Opfergesetz] hinzugefügt, weil ein anderes Gesetz [die Zehn Gebote] übertreten worden war.

In Römer 5,14 lesen wir auch von der Übertretung Adams. Adam sündigte—die Sünde ist die Übertretung des Gesetzes. Auch andere haben gesündigt—wenn auch möglicherweise nicht in gleichem Maße wie Adam, denn in Römer 5,14 lesen wir, dass der Tod von Adam bis Mose herrschte. Römer 6,23 sagt uns, warum der Tod herrschte: „Denn der Sünde Sold ist der Tod.“ Wenn wir sündigen oder Gottes Gesetz übertreten, dann müssen wir eine Strafe zahlen—den Tod. Der Apostel Jakobus bestätigt das in Jakobus 1,15: „… die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod.“

Bitte beachten Sie ebenfalls, dass Paulus in Galater 3,19 sagt, dass das Gesetz, das um der Sünde willen hinzugekommen ist, von Engeln verordnet wurde. Die Zehn Gebote wurden keineswegs von Engeln verordnet: Als Gott die Zehn Gebote am Berg Sinai verkündete, tat er dies direkt, nicht durch Engel. Aber das Opfersystem und die Waschungen wurden Mose offenbar durch Engel gegeben oder verordnet.

Fahren wir fort in Galater 3,20:

„(Vers 20) Der Mittler jedoch ist nicht der Mittler eines Einzigen; Gott aber ist der Eine“ (Einheitsübersetzung 2016).

Die Lutherbibel 1984 schreibt: „Gott aber ist Einer.“ Besser sagt es die Lutherbibel 1891: „Gott aber ist einig.“

Es wird hier die Einigkeit innerhalb der Gottfamilie angesprochen, die aus dem Vater und dem Sohn Jesus Christus besteht.

Während das Opfergesetz und andere Rituale dem Mittler Mose offenbar durch Engel gegeben oder verordnet wurden, kam das Gesetz der Zehn Gebote direkt von Gott, durch Jesus Christus. Es war Christus, der Adam und Eva die Zehn Gebote direkt lehrte, bevor sie sündigten, und es war Christus, der Mose und dem Volk Israel die Zehn Gebote direkt gab. Paulus stellt fest, dass es Christus selbst persönlich getan hat, auf Geheiß Gottes des Vaters—und nicht durch die Hilfe von Mittlern oder Engeln.

Wir lesen weiter in Galater 3,21:

„(Vers 21) Wie? Ist dann das Gesetz gegen Gottes Verheißungen? Das sei ferne! Denn nur, wenn ein Gesetz gegeben wäre, das lebendig machen könnte, käme die Gerechtigkeit wirklich aus dem Gesetz.“

Kein Gesetz—sei es nun geistlicher oder auch zeitweiliger Natur—kann jemals LEBENDIG MACHEN. Der Zweck des Gesetzes—jedes Gesetzes—ist es, für uns (geistliche) Sünde oder physische Übertretungen oder Verstöße zu definieren.

Weiter in Galater 3,22-23:

„(Vers 22) Aber die Schrift hat alles eingeschlossen unter die Sünde, damit die Verheißung durch den Glauben an Jesus Christus [richtig: „durch den Glauben Jesu Christi“, vgl. Authorized Version] gegeben würde denen, die glauben. (Vers 23) Ehe aber der Glaube kam, waren wir unter dem Gesetz verwahrt und verschlossen auf den Glauben hin, der dann offenbart werden sollte.“

Paulus sagt, dass die Juden unter dem Gesetz verwahrt waren. Eine bessere Übersetzung findet sich bei Leander van Ess 1859, wo wir lesen, dass wir—die Juden—„unter dem Gesetze bewacht gehalten“ wurden. Das bedeutet, das alte Israel und Juda wurden durch das rituelle Gesetz der physischen Werke, Waschungen und Opfer bewacht.

Weiter geht es in Galater 3,24-25:

„(Vers 24) So ist das Gesetz unser Zuchtmeister [oder Aufseher, vergleichen Sie die Neue Genfer Übersetzung 2011] gewesen auf Christus hin, damit wir durch den Glauben gerecht würden. (Vers 25) Nachdem aber der Glaube gekommen ist, sind wir nicht mehr unter dem Zuchtmeister.“

Paulus will damit ausdrücken, dass wir nicht mehr unter dem Zuchtmeister oder Aufseher sind oder nicht länger durch das Gesetz der Opfer und Waschungen verwahrt, verschlossen oder bewacht werden.

Paulus erklärt in Hebräer 10,1-10 und insbesondere in Vers 3, dass die alttestamentlichen Opfer als eine Erinnerung an die Sünde dienten—nicht, um die Sünde zu vergeben. Als aber der Glaube an das Opfer Christi kam, das Vergebung bringt, waren Opfer und Waschungen nicht länger notwendig (vergleichen Sie Hebräer 9,9-10).

Darüber hinaus weist Paulus darauf hin, dass wir durch den Glauben gerechtfertigt werden müssen. Unsere Einhaltung von Gesetzen—vollkommen gleich, ob es das Halten des Opfersystems oder das Halten der Zehn Gebote sind—kann uns nicht rechtfertigen. Allein der Glaube an das Opfer Christi und an die Vergebung unserer Sünden durch Gott—sowie der Glaube Christi in uns—rechtfertigen uns.

Paulus fährt in Galater 3,26-28 fort:

„(Vers 26) Denn ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus. (Vers 27) Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. (Vers 28) Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.“

Die Menge Bibel schreibt: „… ihr seid allesamt Einer (oder: eine Einheit) in Christus Jesus.“

Paulus betont noch einmal diesen äußerst wichtigen Punkt: Wir sind alle auf Christus getauft worden und haben Christus angezogen (vergleichen Sie Römer 6,1-6). Es gibt keine Trennung mehr zwischen Juden und Griechen—die physische Beschneidung ist für Heiden nicht notwendig, um von Gott angenommen zu werden.

Paulus schließt das Kapitel in Galater 3,29 wie folgt ab:

„(Vers 29) Gehört ihr aber Christus an, so seid ihr ja Abrahams Kinder und nach der Verheißung Erben.“

Christus ist Abrahams Same. Wenn wir Christus angehören, dann sind auch wir Abrahams Same, durch Christus. Und als Same Abrahams sind wir gemeinsam mit Abraham Erben. Wie Jakobus 2,5 erklärt, sind wir Erben des ewigen Lebens im Reich Gottes, wenn wir Gott liebhaben oder lieben. Und die Liebe Gottes ist definiert als das Halten seiner Gebote (1.Johannes 5,3; Elberfelder Bibel).

Um Abrahams Kinder und Erben zu sein, müssen wir auch den Glauben Abrahams haben—jenen Glauben, der eigentlich der Glaube CHRISTI ist, der IN Abraham wohnte.

Offensichtlich haben wir unser Erbe noch nicht angetreten. Wir sind berechtigte Erbanwärter, aber noch nicht im Besitz der Erbschaft. Dennoch sollen wir so leben, dass wir dieser bösen Welt nicht mehr unterworfen sind, wie Paulus in den folgenden Kapiteln seines Briefes an die Galater immer wieder betont.

Der Brief an die Galater, Kapitel 4

Paulus sagt in Galater 4,1-3:

„(Vers 1) Ich sage aber: Solange der Erbe unmündig ist, ist zwischen ihm und einem Knecht kein Unterschied, obwohl er Herr ist über alle Güter; (Vers 2) sondern er untersteht Vormündern und Pflegern bis zu der Zeit, die der Vater bestimmt hat. (Vers 3) So auch wir: Als wir unmündig waren, waren wir in der Knechtschaft der Mächte der Welt.“

Manche Kommentare interpretieren diesen Abschnitt so, dass Paulus die Zehn Gebote angreift und sagt, dass sie uns in Knechtschaft gehalten haben. Das ist jedoch mitnichten der Sinn dessen, was Paulus hier meint. Er spricht hier keineswegs von alttestamentlichen Gesetzen, sondern davon, dass wir alle durch die „Elemente“ (Elberfelder Bibel) oder die „Grundsätze“ (Schlachterbibel) der „WELT“ oder die „Mächte“ der Welt versklavt waren oder ihnen als Knechte unterworfen waren – dieser gegenwärtigen bösen Welt, die er im ersten Kapitel des Galaterbriefs erwähnt hatte.

Ähnliche Aussagen macht er in Kolosser 2,8.20 und auch in Galater 4,9, wo er wieder von den Mächten oder den Elementen oder Grundsätzen der Welt spricht, die er als „Philosophie“ und „leeren Trug“ und als „Lehre der Menschen“ beschreibt.

Paulus spricht von der Art und Weise, wie wir lebten, bevor wir bekehrt wurden—indem wir den Regeln, Vorschriften, Sitten, Traditionen und Philosophien dieser Welt folgten, die gegenwärtig von Satan dem Teufel beherrscht wird.

Wir fahren fort in Galater 4,4-5:

„(Vers 4) Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, (Vers 5) damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste, damit wir die Kindschaft empfingen.“

Christus musste UNTER das Gesetz getan werden—seiner Strafe unterworfen werden—, denn Christus selbst hat niemals gesündigt. Er befand sich nie aufgrund seines Verhaltens unter dem Gesetz—seiner Strafe—, sondern er musste unter das Gesetz gestellt oder getan werden, damit er die Strafe der Sünde für uns bezahlen konnte. Wir kamen unter das Gesetz— seine Strafe—durch unser Verhalten, also musste Christus UNTER das Gesetz GETAN werden, um uns zu erlösen, die wir unter dem Gesetz—seiner Strafe—waren.

Und warum?

Um uns die Kindschaft oder besser SOHNSCHAFT zu geben! Die Authorized Version übersetzt Vers 5 fälschlicherweise mit „Adoption“ (vergleichen Sie ebenfalls die falsche Übersetzung der Authorized Version in Römer 8,15), aber die richtige Übersetzung ist „Sohnschaft“ (vergleichen sie die Elberfelder Bibel; die Menge Bibel; und die neue Lutherbibel 2009). Gott „adoptiert“ uns nicht einfach nur als Kinder oder „als Söhne“, indem er uns bestimmte Privilegien und Besitztümer gewährt, sondern er vermehrt sich selbst in und durch uns—wobei wir seine eigene göttliche Natur erlangen (2.Petrus 1,4). Wenn wir seinen heiligen Geist empfangen, sind wir GEZEUGTE Söhne und Töchter Gottes. Und wenn wir bei der Wiederkunft Christi zu Geist verwandelt werden, dann sind wir wiedergeborene Kinder Gottes—nicht nur adoptierte oder an Kindes statt angenommene Kinder, sondern Kinder mit derselben NATUR und Gesinnung und mit demselben GEIST Gottes (Philipper 2,5: „Denn ihr sollt so gesinnt sein, wie es Jesus Christus auch war“; Schlachterbibel).

Von daher übersetzt die neue Lutherbibel 2009 die Stelle in Römer 8,15 ganz richtig: „… ihr habt den Geist der Sohnschaft empfangen…“

Wir lesen weiter in Galater 4,6-8:

„(Vers 6) Weil ihr nun Kinder [Söhne, neue Lutherbibel 2009] seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater! (Vers 7) So bist du nun nicht mehr Knecht, sondern Kind [Sohn]; wenn aber Kind [Sohn], dann auch Erbe durch Gott [besser: „Erbe Gottes durch Christus“; Schlachterbibel]. (Vers 8) Aber zu der Zeit, als ihr Gott noch nicht kanntet, dientet ihr denen, die in Wahrheit nicht Götter sind.“

Paulus spricht hier nicht von den Juden, sondern von den Heiden, die den Götzen dienten, die von Natur aus keine Götter sind. Es liegt in der Natur Gottes, Gott zu SEIN. Es wird auch unsere Natur sein und es ist unsere Bestimmung, als seine eigenen Kinder Gott zu WERDEN. Aber diese Götzen sind von Natur aus keine „Götter“ und werden es auch niemals sein. Sie mögen von Menschen zu Göttern erklärt und als solche verehrt werden, aber sie sind von Natur aus keine Götter.

Paulus fährt in Galater 4,9-10 fort:

„(Vers 9) Nachdem ihr aber Gott erkannt habt, ja vielmehr von Gott erkannt seid, wie wendet ihr euch dann wieder den schwachen und dürftigen Mächten zu, denen ihr von neuem dienen wollt? (Vers 10) Ihr haltet bestimmte Tage ein und Monate und Zeiten und Jahre.“

Paulus spricht hier keineswegs von den alttestamentlichen Gesetzen. Diese wurden von den Galatern niemals eingehalten. In Vers 9 sagt Paulus jedoch, dass sie sich WIEDER den schwachen und dürftigen Mächten der WELT zuwenden wollten. Er sagt in Vers 9, dass sie danach strebten, wieder in deren Knechtschaft zu sein. Die Gute Nachricht schreibt: „Wollt ihr von neuem ihre Sklaven sein?“ Was Paulus meint, ist, dass sie sich danach sehnten, wieder diesen schwachen und dürftigen Elementen oder Mächten zu dienen – aber wenn sie das täten, würde sie das wieder zu Knechten oder Sklaven machen (vergleichen Sie Römer 6,16).

Paulus erklärt dann in Vers 10, dass sie zu ihrer früheren Praxis der Einhaltung von Tagen, Monaten, Zeiten und Jahren zurückkehrten. Diese Heiden waren bei ihrer Bekehrung zur Erkenntnis des wahren Gottes gekommen, aber nach dieser anfänglichen Erkenntnis kehrten sie zu den „schwachen und armseligen Elementen“ zurück (vergleichen Sie Galater 4,9; Elberfelder Bibel), die sie ursprünglich verehrt hatten, indem sie wieder „Tage und Monate und Zeiten und Jahre“ (Vers 10) einhielten. Diese Praxis kann sich nicht auf den Sabbat und die jährlichen Heiligen Tage Gottes beziehen, denn diese waren den Heiden vor ihrer Bekehrung noch nicht einmal bekannt; geschweige denn, dass sie sie einhielten. Vielmehr spricht Paulus hier von heidnischen Festen und Praktiken, die heute als Feste wie Weihnachten, Ostern oder Halloween bekannt sind oder damit in Verbindung stehen.

Außerdem würde Paulus hier nicht den Sabbat und die Heiligen Tage Gottes ansprechen, da diese Tage nicht von „schwachen und dürftigen Mächten“ stammen, sondern direkt und unmittelbar von GOTT eingesetzt wurden. Paulus hätte NIEMALS gesagt, dass der Sabbat oder die Heiligen Tage von „schwachen und dürftigen Mächten“ herrühren würden.

Manche behaupten, die bekehrten Heiden in Galatien hätten nur deshalb begonnen, den Sabbat und die Heiligen Tage zu halten, weil Juden sie angeblich dazu veranlasst hätten, und dass Paulus sich nun gegen diese Praxis wenden würde. Diese Behauptung ist jedoch verkehrt, denn in Vers 9 lesen wir, dass sich die Galater WIEDER den schwachen und dürftigen Mächten oder Elementen zuwandten. Die Galater waren zu dem zurückgekehrt, was sie getan hatten, BEVOR sie Christen wurden. Der jüdische Einfluss auf sie NACH ihrer Bekehrung ist eindeutig NICHT das, was Paulus hier anspricht.

Einige Kommentatoren weisen darauf hin, dass die „Einhaltung“, die Paulus hier anspricht, in einer abergläubischen Art und Weise erfolgte, die schlichtweg nicht vorherrscht, wenn man über Gottes Sabbat und die Heiligen Tage spricht. Im Zusammenhang mit Astrologie und gnostischen Spekulationen trifft sie jedoch sehr wohl zu. Von diesem Standpunkt aus betrachtet, können wir erkennen, dass Paulus von einer Einhaltung der Zeiten und Jahre sprach, die in Verbindung mit Himmelskörpern und Geistwesen standen.

Als Paulus von der Einhaltung der Zeiten sprach, war er sich der folgenden Bibelstellen bewusst:

In 3.Mose 19,26 lesen wir in der Authorized Version: „Ihr sollt nichts essen, was mit Blut verunreinigt ist; ihr sollt keine Zauberei anwenden und keine Zeiten beobachten.“ Die Mehrzahl der deutschen Bibeln übersetzt dieses Verbot mit „Wahrsagerei und Zauberei“ (vergleichen Sie u.a. die revidierte Lutherbibel 2017, die Schlachterbibel und die Elberfelder Bibel) oder einer Form von „Wahrsagerei und Zeichendeuterei“ (vergleichen Sie u.a. die Zürcher Bibel und die Neue evangelistische Übersetzung 2022). In der Lutherbibel 1545 und in der Lutherbibel 1912 lesen wir jedoch: „Ihr sollt nichts vom Blut essen. Ihr sollt nicht auf Vogelgeschrei achten noch Tage wählen.

Dasselbe Verbot finden wir in 5.Mose 18,10: „… dass nicht jemand unter dir gefunden werde, der seinen Sohn oder seine Tochter durchs Feuer gehen lässt oder Wahrsagerei, Hellseherei, geheime Künste oder Zauberei treibt.“ (Vergleichen Sie auch 5.Mose 18,14 in der Lutherbibel 1912: „Denn diese Völker, deren Land du einnehmen wirst, gehorchen den Tagewählern und Weissagern; aber du sollst dich nicht also halten gegen den HERRN, deinen Gott.“) Die Authorized Version schreibt wieder von der Beobachtung von Zeiten.

In der Einheitsübersetzung 2016 liest sich 5.Mose 18,10 wie folgt: „Es soll bei dir keinen geben, der seinen Sohn oder seine Tochter durchs Feuer gehen lässt, keinen, der Losorakel befragt, Wolken deutet, aus dem Becher weissagt, zaubert…“

Das Studium des Aussehens und der Bewegung der Wolken war eine gängige Methode, um Glück oder Unglück vorherzusagen.

Diese abergläubische Beobachtung der Zeiten war oft mit dem Anzünden von Kerzen und dem Schmücken der Türen mit Knoblauch verbunden. Der Zusammenhang war eindeutig dämonischer Natur. Vergleichen Sie 2.Chronik 33,6 in der Authorized Version: „[Manasse] ließ seine Kinder durch das Feuer im Tal des Sohnes Hinnoms gehen; auch beobachtete er die Zeiten und gebrauchte Zauberei und Hexerei und verkehrte mit einem vertrauten Geist [einem Dämon] und mit Zauberern; er tat viel Böses vor dem Herrn, um ihn zu erzürnen.“

Paulus tadelte die Galater auch für die Einhaltung von bestimmten Tagen. Die Griechen zum Beispiel hielten gewisse Tage ein, um ihre Toten zu verehren. An diesen Tagen durfte keine Arbeit verrichtet werden. Tatsächlich waren sowohl im griechischen als auch im römischen Kalender ein Drittel aller Tage als Unglückstage festgelegt. An diesen Tagen durfte man keine politischen oder juristischen Tätigkeiten ausüben, und die Menschen sollten sich aller privaten Vergnügungen enthalten. Man durfte an diesen Tagen keinen Krieg führen, nicht heiraten und nicht reisen.

Paulus ging auch auf die abergläubische Praxis der Einhaltung der Monate ein. Die heidnische Welt hatte bestimmte Monate für die Anbetung ihrer Götter reserviert. In den Monaten April und Oktober wurden heidnische Feste zu Ehren des Gottes Apollon gefeiert, während Zeus, der höchste griechische Gott, in den Monaten Februar und Juni verehrt wurde. Der Monat April war ebenfalls für die Verehrung der Göttin Artemis vorgesehen. Der Gott des Weines, Bacchus, wurde im Monat Januar verehrt.

Schließlich tadelt Paulus die Galater wegen der Einhaltung von Kalenderjahren. In der Tat hatten die Griechen und die Römer bestimmte Jahre für kultische Aktivitäten vorgesehen. Die Olympischen Spiele zum Beispiel wurden damals in bestimmten Jahresabständen gefeiert, jedoch wurden sie von heidnischen Anbetungen und Riten begleitet.

Paulus fährt in Galater 4,11-12 fort:

„(Vers 11) Ich fürchte für euch, dass ich vielleicht vergeblich an euch gearbeitet habe. (Vers 12) Werdet doch wie ich, denn ich wurde wie ihr, liebe Brüder, ich bitte euch. Ihr habt mir kein Leid getan.“

Was meint Paulus in Vers 12 mit: „Werdet doch wie ich“? Nun, Paulus betete keine Götzen an und hielt sich nicht an heidnische Praktiken. Sodann schreibt die neue Lutherbibel 2009: „Seid doch wie ich, denn auch ich bin wie ihr…“

Offensichtlich fehlt ein Verb nach den Worten „wie ihr.“ Der Vers sollte wiedergegeben werden mit: „Ich bin oder wurde so, wie ihr sein solltet.“ Paulus sagte den Galatern also, sie sollten sich von heidnischen Praktiken fernhalten, so wie auch er es tat und diese Praktiken nicht einhielt.

Wenn Paulus sagt: „Ihr habt mir kein Leid getan“, bezieht er sich auf die Tatsache, dass sie ihn, als er zu ihnen kam, um das Evangelium zu verkünden, nicht abgewiesen oder ihm Leid zugefügt haben. Warum hätte Paulus diese Möglichkeit überhaupt erwähnen sollen? Der nächste Vers gibt die Antwort: Er bezieht sich auf sein Erscheinungsbild.

Paulus konstatiert in Galater 4,13:

„(Vers 13) Ihr wisst doch, dass ich euch in Schwachheit [oder Krankheit] des Leibes das Evangelium gepredigt habe beim ersten Mal.“

Beachten Sie, wie der Kommentar von Jamieson, Fausset and Brown diese Stelle erklärt:

„…in Schwachheit—oder, wie es im Griechischen heißt: ‚Ihr wisst, dass ich wegen der Schwachheit meines Fleisches gepredigt habe‘ … Er deutet an, dass eine körperliche Krankheit, die ihn entgegen seinen ursprünglichen Absichten bei ihnen festhielt, der Anlass war, ihnen das Evangelium zu predigen.“

In Adam Clarke’s Commentary on the Bible heißt es:

„Der Apostel scheint zu sagen, dass er körperlich sehr geplagt war, als er ihnen zum ersten Mal das Evangelium verkündete…“

Dass Paulus tatsächlich an einem Gebrechen litt, scheint aus Stellen wie 2.Korinther 10,10; 2.Korinther 12,7 und Galater 6,11 hervorzugehen.

Jamieson, Fausset and Brown kommentieren zu Galater 6,11: „Wegen seines Augenleidens (Gal 4,15) schrieb er in großen Buchstaben. So Jerome.“

Weiter in Galater 4,14:

„(Vers 14) Und meine Anfechtung in meinem Fleisch habt ihr nicht verachtet oder gar verabscheut, sondern wie einen Engel Gottes nahmt ihr mich auf, wie Christus Jesus“ (Schlachterbibel).

Der Kommentar von Jamieson, Fausset and Brown stellt fest:

„… meine Anfechtung—In den ältesten Handschriften heißt es: ‚eure Anfechtung‘. Meine Schwachheit, die für euch eine ‚Anfechtung‘ oder Prüfung war oder hätte sein können, habt ihr nicht verachtet; das heißt, ihr wurdet dadurch nicht in Versuchung geführt, mich und meine Botschaft zu verachten.“

Die Mehrzahl der deutschsprachigen Übersetzer hat das erkannt und bringt den Vers auch so; beispielhaft sei hier die Zürcher Bibel 2007 zitiert: „Trotz der Versuchung, die meine Erscheinung für euch darstellte, habt ihr mich nicht verachtet und nicht verabscheut, sondern aufgenommen wie einen Engel Gottes, wie Christus Jesus.“

In Galater 4,15-17 führt Paulus weiter aus:

„(Vers 15) Was war denn eure Glückseligkeit? Denn ich gebe euch das Zeugnis, dass ihr wenn möglich eure Augen ausgerissen und mir gegeben hättet. (Vers 16) Bin ich also euer Feind geworden, weil ich euch die Wahrheit sage? (Vers 17) Sie eifern um euch nicht in edler Weise, sondern wollen euch ausschließen, damit ihr um sie eifert“ (Schlachterbibel).

Albert Barnes’ Notes on the Bible stellt fest:

„Sie sind eifrig, euch zu beeinflussen—die Irrlehrer zeigten Eifer gegenüber den Galatern oder bekundeten Zuneigung zu ihnen, um sie als ihre Anhänger zu gewinnen. Sie waren voller Inbrunst und bekundeten eine außerordentliche Sorge um ihr Wohlergehen – so wie es Menschen immer tun, die Demagogen sind oder die Proselyten zu gewinnen suchen…

„Ja, sie wollen euch ausschließen—die New King James Version merkt in einer Randbemerkung das Wort ‚uns‘ an … Das Wort ‚ausschließen‘ bedeutet hier womöglich, dass sie sich bemühten, die Galater von der Liebe und Zuneigung des Paulus auszuschließen. Sie wollten sie davon ausschließen, um sie für ihre eigenen Zwecke zu gewinnen [Vergleichen sie Vers 17 in der Menge Bibel: „…sie möchten euch gern (von mir) ausschließen“].

„Wenn man jedoch die Randbemerkung liest, dann erschließt sich der Sinn. Sie wollen uns, also mich, den Apostel, ausschließen, damit sie euch ganz für sich haben können. Wenn sie einmal eure Bindung an mich durchbrechen können, dann werden sie keine Schwierigkeiten haben, euch für sich zu gewinnen…

„Der Grundgedanke ist eindeutig: Paulus stand ihren Plänen im Weg. Die Galater waren ihm wahrlich zugetan, und um ihre Ziele zu erreichen, war es notwendig, ihre Zuneigung von ihm abzuwenden. Wenn Irrlehrer ein Volk verführen wollen, dann beginnen sie damit, das Vertrauen und die Zuneigung der Menschen zu ihren Hirten und Lehrern zu entfremden. Solange dies nicht geschehen ist, können sie auf keinen Erfolg hoffen; daher ihre Anstrengungen…, um das Vertrauen eines Volkes in die Predigerschaft zu untergraben, und wenn dies erst vollbracht ist, dann gibt es wenig Schwierigkeiten, es für ihre eigenen Zwecke zu gewinnen.

„Sie eifern um euch—Ihr erster Schritt ist es, besonderes Interesse an eurem Wohlergehen vorzugeben; ihr zweiter, euch von dem zu entfremden, der euch zuerst das Evangelium gepredigt hat. Ihr Ziel ist weder euer Heil noch euer wirkliches Wohlergehen; vielmehr geht es ihnen darum, eure eifrige Liebe für sich selbst sicherzustellen.“

Der Kommentar von Jamieson, Fausset and Brown fügt zu der Formulierung „sie wollen euch ausschließen“ folgendes hinzu: „‚Sie wollen euch ausschließen‘ vom Reich Gottes (das heißt, sie wollen euch einreden, dass ihr als unbeschnittene Heiden davon ausgeschlossen seid), ‚damit ihr um sie eifert‘; das heißt, euch beschneiden lasst, als eifrige Anhänger ihrer selbst.“

Weiter in Galater 4,18-21:

„(Vers 18) Umworben zu werden ist gut, wenn’s im Guten geschieht, und zwar immer und nicht nur in meiner Gegenwart, wenn ich bei euch bin. (Vers 19) Meine lieben Kinder, die ich abermals unter Wehen gebäre, bis Christus in euch Gestalt gewinne! – (Vers 20) Ich wollte aber, dass ich jetzt bei euch wäre und mit andrer Stimme zu euch reden könnte; denn ich bin irre an euch. (Vers 21) Sagt mir, die ihr unter dem Gesetz sein wollt: Hört ihr das Gesetz nicht?“

Paulus sagt hier nicht, dass sie in dem Sinne unter dem Gesetz sein wollten, dass sie unter der Strafe des Gesetzes sein wollten. Sie hatten keineswegs den Wunsch, wegen ihrer Sünden zu sterben. Aber sie schienen den Wunsch zu hegen, wieder ihr altes Leben zu leben (das den Tod bringt)—oder sie wollten falschen Lehrern folgen, indem sie glaubten, dass sie, um gerettet zu werden, beschnitten werden müssten.

Aber wie wir gesehen haben, rechtfertigt uns die Beschneidung nicht—ebenso wenig wie die Zehn Gebote. Wenn wir nur ein einziges der Zehn Gebote übertreten, dann haben wir gesündigt und die Todesstrafe über uns gebracht. Was uns rettet, ist das Opfer Christi, durch das Gott uns unsere Sünden vergibt und die Strafe aufhebt—aber wir können nicht „in der Sünde verharren, damit die Gnade sich umso reicher erweise“ (Römer 6,1; Menge Bibel).

Anders ausgedrückt: Wenn wir begehren, Gottes Gesetz der Zehn Gebote zu brechen, dann stehen wir wieder unter dem Gesetz; das heißt, wir stehen unter seiner Strafe. Gleiches gilt, wenn wir die Rechtfertigung unabhängig von Christus erlangen wollen. Auch dann sind wir noch immer unter der Strafe des Gesetzes, da wir nur durch Christus gerechtfertigt werden können.

Außerdem verwendet Paulus in Vers 21 das Wort „Gesetz“ auf zweierlei Weise. „Unter dem Gesetz sein“ bedeutet, unter seiner Strafe zu stehen. Wenn er dann sagt: „Hört ihr das Gesetz nicht?“, dann meint er die fünf Bücher Mose.

Wir lesen weiter in Galater 4,22-24:

„(Vers 22) Denn es steht geschrieben, dass Abraham zwei Söhne hatte, den einen von der Magd, den andern von der Freien. (Vers 23) Aber der von der Magd ist nach dem Fleisch gezeugt worden, der von der Freien aber kraft der Verheißung. (Vers 24) Diese Worte haben tiefere Bedeutung [neue Lutherbibel 2009: „Das hat einen bildlichen Sinn“; Authorized Version: „Diese Dinge sind eine Allegorie“; New King James Bible: „Diese Dinge sind symbolisch.“] Denn die beiden Frauen bedeuten zwei Bundesschlüsse: einen vom Berg Sinai, der zur Knechtschaft gebiert, das ist Hagar…“

Die meisten Kommentare werden Ihnen sagen, dass Paulus hier den Alten und den Neuen Bund anspricht und schlussfolgern, dass der Alte Bund mit all seinen Gesetzen abgeschafft worden ist. Doch Paulus spricht hier keineswegs vom Alten Bund. Vielmehr beschreibt er in seinem Gleichnis, seinem Bild, seiner Symbolik oder seiner Allegorie (Vers 24) zwei Lebensweisen—einen „Bundesschluss“ mit dem Tod und einen „Bundesschluss“ mit dem Leben. Wenn wir in Christus sind, stehen wir nicht mehr unter der Strafe des Gesetzes. Wir sind nicht mehr in der „Knechtschaft“ (Vers 24) des Todes.

In Jesaja 28,15.18 lesen wir, dass die fleischlichen Menschen einen Bund mit dem Tod schlossen und dachten, sie könnten dem Tod entkommen, obwohl sie falsch lebten. Aber wir können dem Tod einzig und allein durch die Annahme des Opfers Christi entkommen.

Hagars Sohn Ismael wurde nach dem Fleisch geboren. Sarahs Sohn Isaak wurde jedoch kraft der Verheißung geboren, was in diesem Gleichnis die Gabe des heiligen Geistes symbolisiert, der schließlich in Isaak sein würde.

Paulus kann hier nicht über den Alten Bund gesprochen haben, denn zur Lebzeit Hagars war der Alte Bund unter Mose noch gar nicht geschlossen worden.

Weiter geht es in Galater 4,25-26:

„(Vers 25) … denn Hagar bedeutet den Berg Sinai in Arabien und ist ein Gleichnis für das jetzige Jerusalem, das mit seinen Kindern in der Knechtschaft lebt. (Vers 26) Aber das Jerusalem, das droben ist, das ist die Freie; das ist unsre Mutter.“

Auch dieser Abschnitt zeigt, dass Paulus hier nicht vom Alten Bund spricht. Zur Zeit des Alten Bundes war das „jetzige“ Jerusalem nicht Teil des Alten Bundes und gehörte auch nicht zu Israels Besitztümern oder seinem Territorium.

Wenn Paulus vom „Jerusalem, das droben ist“, spricht—dem himmlischen Jerusalem—, dann meint er die Stadt, die Gott für seine Jünger baut und die auf die neue Erde herabkommen wird, um für den Vater und den Sohn und die wiedergeborenen Geistwesen der unsterblichen Gottfamilie eine Wohnstätte zu werden. Dies ist die Stadt, die einen festen Grund hat, auf die Abraham, Isaak und Jakob gewartet haben (Hebräer 11,10). Sie bedeutet ewiges Leben, da nur unsterbliche, geistgeborene Kinder Gottes in ihr wohnen werden.

Das „jetzige Jerusalem“, also das Jerusalem, das hier unten ist, bedeutet im Gleichnis des Paulus den Tod; denn zu diesem Zeitpunkt lebt dort kein Mensch, der unsterblich gemacht wurde. Die Zeit unserer Unsterblichkeit liegt noch in der Zukunft. Diejenigen, die in der jetzigen Stadt Jerusalem leben, sind dem Tod unterworfen.

Weiter in Galater 4,27:

„(Vers 27) Denn es steht geschrieben: ‚Sei fröhlich, du Unfruchtbare, die du nicht gebierst! Brich in Jubel aus und jauchze, die du nicht schwanger bist. Denn die Einsame hat viel mehr Kinder, als die den Mann hat.‘“

Paulus zeigt, dass letztlich alle Menschen zum Heil berufen werden, und dass sich die meisten für das Reich Gottes und das ewige Leben qualifizieren werden. Heute jedoch sind die allermeisten nicht berufen—daher das Gleichnis von dem himmlischen Jerusalem, das gegenwärtig unfruchtbar ist. Aber in der Zukunft wird sie zahlreiche Kinder zur Welt bringen – weitaus mehr, als ein physischer Ehemann zeugen könnte. Letztendlich wird also das Leben über den Tod triumphieren.

Weiter lesen wir in Galater 4,28-31:

„(Vers 28) Ihr aber, liebe Brüder, seid wie Isaak Kinder der Verheißung. (Vers 29) Aber wie zu jener Zeit der, der nach dem Fleisch gezeugt war, den verfolgte, der nach dem Geist gezeugt war, so geht es auch jetzt. (Vers 30) Doch was spricht die Schrift? ‚Stoß die Magd hinaus mit ihrem Sohn; denn der Sohn der Magd soll nicht erben mit dem Sohn der Freien‘. (Vers 31) So sind wir nun, liebe Brüder, nicht Kinder der Magd, sondern der Freien.“

Paulus beschreibt in seinem Gleichnis unseren geistlichen Kampf, der sich in unserem Geist abspielt. Der Geist Gottes in uns kämpft gegen unser Fleisch. Unser Fleisch „verfolgt“ den Geist Gottes und muss deshalb ausgetrieben werden (vergleichen Sie Jakobus 4,4-5.8; Römer 6,1-4; 8,5-9; und Kolosser 2,11-13).

Paulus weist in Vers 31 auch darauf hin, dass wir keine Kinder der Magd sind, also keine Kinder der Knechtschaft, die dem Tod verfallen sind, wenn wir Christus in uns leben lassen. Es ist Christus, der uns von Sünde und Tod befreit.

Der Brief an die Galater, Kapitel 5

In diesem Kapitel setzt Paulus sein Gleichnis von den beiden Bündnissen fort—dem Bund der Magd und dem Bund der Freien—dem Weg des Todes und dem Weg des Lebens.

Er sagt in Galater 5,1:

„(Vers 1) Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!“

Paulus spricht in Vers 1 nicht über den Alten Bund oder gar das Zeichen oder den Bund der Beschneidung (Apostelgeschichte 7,8), denn die Galater waren nie Teil des Alten Bundes gewesen und auch nicht Teil des Bundes der Beschneidung—ihnen konnte also nicht WIEDER das „Joch der Knechtschaft“ auferlegt werden.

Vielmehr fährt Paulus mit seinem Thema fort, zwei Lebenswege anzusprechen. Er erklärt, dass wir in dem Geist wandeln müssen, der uns frei macht, und nicht in dem Fleisch, das uns die Knechtschaft auferlegt.

Um interessante Punkte des Paulus in seinem Gleichnis zusammenzufassen: So wie wir die fleischlichen Begierden und unsere menschliche Natur ablegen müssen, so musste Abraham die Magd und ihren Sohn verstoßen (Galater 4,30). Und warum? Weil der Sohn der Magd, der nach dem Fleisch geboren war, den Sohn der Freien verfolgte, der nach dem Geist geboren war (Vers 29). Und Paulus fährt fort, dies zu versinnbildlichen, indem er sagt, dass das auch heute der Fall ist (gleicher Vers).

Das geschieht, wenn der Geist Gottes in uns mit unserem Fleisch kämpft. Paulus sagte, dass er nicht tat, was er wollte, sondern dass er manchmal seinem Fleisch nachgab und seinen Begierden folgte (Römer 7,13-25). Weil unser Fleisch unsere geistgezeugte Gesinnung „verfolgt“, müssen wir das Fleisch und seine Begierden „verstoßen“, einschließlich der Versuchungen, die von Satan oder dieser Welt ausgehen.

Paulus hatte zwei Lebenswege im Sinn: Er wandte sich zum einen an die Menschen, die nach dem Fleisch lebten und glaubten, „fleischlich“ handeln zu können, ohne eine Strafe für ihre Taten zahlen zu müssen. Und zum anderen wandte er sich an jene, die nach dem Geist lebten und das himmlische Jerusalem im Blick hatten, das ihre Wohnstatt auf der neuen Erde sein würde, wenn es vom Himmel herabkommt.

Paulus identifiziert in seinem Gleichnis Hagar und Ismael mit jenen, die einen Bund mit dem Tod geschlossen haben. Dazu gehören alle Menschen und Völker, die heute nicht von Gott zum Heil berufen worden sind, darunter natürlich auch das Volk Israel im Alten Testament. Sie alle sind oder waren „unter dem Tod“, solange sie gemäß dem Diktat ihres eigenen Herzens und Gewissens leben, auch wenn sie gehofft und geglaubt haben mögen, dass dies nicht der Fall ist und sie gerettet sind.

Auf der anderen Seite bietet Gott jenen, die er in der heutigen Zeit beruft, die Möglichkeit an, ein anderes Leben zu führen—sie KÖNNEN nach dem Geist der Verheißung leben, aber sie müssen ihr eigenes Fleisch überwinden und es „ablegen“ (vergleichen Sie erneut Römer 6,1-4; 8,5-9; Kolosser 2,11-13). Abraham, Sara und auch Isaak waren zum Heil berufen; daher mussten sie sich von allem trennen, was ihrem Heil im Wege stand. Gleiches gilt auch für uns heute.

Ab dem nächsten Vers kommt Paulus auf das verkehrte Konzept der physischen Beschneidung als Voraussetzung für unsere Rechtfertigung zurück.

Er sagt in Galater 5,2-4:

„(Vers 2) Siehe, ich, Paulus, sage euch: Wenn ihr euch beschneiden lasst, so wird euch Christus nichts nützen. (Vers 3) Ich bezeuge abermals einem jeden, der sich beschneiden lässt, dass er das ganze Gesetz zu tun schuldig ist. (Vers 4) Ihr habt Christus verloren, die ihr durch das Gesetz gerecht [oder „gerechtfertigt“, so die neue Lutherbibel 2009] werden wollt, und seid aus der Gnade gefallen.“

In diesen Versen wendet sich Paulus an jene, die die Galater lehrten, sie müssten sich beschneiden lassen, um Rechtfertigung und das Heil zu erlangen. Aber Paulus sagt in Vers 2, dass den Galatern Christus nichts nützten wird und sie die Gnade verworfen haben, wenn sie meinen, sie müssten beschnitten werden, um ihr Heil zu erlangen (Vers 4).

Sodann argumentiert er, dass sie verpflichtet wären, das GANZE Gesetz zu halten, wenn sie meinen, sie müssten als notwendige Voraussetzung für ihre Rechtfertigung beschnitten werden. Sie dürften niemals sündigen, denn eine einzige Sünde würde sie ungerecht oder ungerechtfertigt machen. Mit dieser Vorstellung, so leben zu müssen, lehnen sie jedoch letztendlich Gottes Gnade ab, da sie Gottes Hilfe und Vergebung benötigen.

Die Beschneidung als Teil des mosaischen Gesetzes wäre selbst in der Vorstellung jener nutzlos, die sie befürworteten, wenn nicht auch das GANZE Gesetz eingehalten würde, einschließlich aller Rituale, Waschungen und Opfer. Mit anderen Worten: Diejenigen, die auf der Beschneidung als einer notwendigen Voraussetzung für Rechtfertigung und Erlösung bestanden, wären inkonsequent, wenn sie nicht auch die Notwendigkeit lehrten, das ganze Gesetz zu halten, einschließlich aller (vorübergehender) Opfer, Rituale und Waschungen. Indem sie versuchten, dies aus eigener Kraft zu tun—ein Versuch, der zum Scheitern verurteilt ist—fielen sie aus der Gnade. Sie lehnten Gottes Vergebung für ihre Sünden ab.

Paulus fährt in Galater 5,5 fort:

„Denn wir warten im Geist durch den Glauben auf die Gerechtigkeit, auf die man hoffen muss.“

Wir brauchen den Geist Gottes in uns, um Gott wohlgefällig sein zu können. Und wenn wir sündigen, dann macht uns der Glaube Christi IN uns gerecht. Es ist der Glaube Christi, durch den wir die Hoffnung haben dürfen, gerecht zu werden.

Weiter in Galater 5,6:

„Denn in Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas, sondern der Glaube, der durch die Liebe tätig ist.“

Paulus erklärt an dieser Stelle, dass es für die Erlangung des Heils völlig unerheblich ist, ob man physisch beschnitten ist oder nicht. Stattdessen sagt Paulus, dass es notwendig ist, Glauben zu haben. Paulus befürwortet oder lehrt keineswegs einen toten Glauben; vielmehr fordert er einen lebendigen Glauben—einen Glauben, der sich in Werken erweist; einen Glauben, der etwas bewirkt—und es ist die tätige Liebe, die den Glauben dazu motiviert, sich durch Werke zu manifestieren.

Wir lesen weiter in Galater 5,7-11:

„(Vers 7) Ihr lieft so gut. Wer hat euch aufgehalten, der Wahrheit nicht zu gehorchen? (Vers 8) Solches Überreden kommt nicht von dem, der euch berufen hat. (Vers 9) Ein wenig Sauerteig durchsäuert den ganzen Teig. (Vers 10) Ich habe das Vertrauen zu euch in dem Herrn, ihr werdet nicht anders gesinnt sein. Wer euch aber irremacht, der wird sein Urteil tragen, er sei, wer er wolle. (Vers 11) Ich aber, liebe Brüder, wenn ich die Beschneidung noch predige, warum leide ich dann Verfolgung? Dann wäre das Ärgernis des Kreuzes aufgehoben.“

Beachten Sie, dass Paulus in Vers 7 von der Notwendigkeit spricht, der Wahrheit zu gehorchen. Es reicht nicht aus, die Wahrheit lediglich zu kennen und an sie zu glauben, sondern wir müssen ihr auch gehorchen. Darum lesen wir auch vom Gehorsam des Glaubens (Römer 1,5; 16,26; Apostelgeschichte 6,7). Alleiniges „glauben“ reicht in der Lehre des Paulus keineswegs aus.

Paulus betont in Vers 8 erneut, dass Gott uns zur Wahrheit berufen muss (vergleichen Sie Johannes 6,44.65), und er warnt in Vers 9 vor schlechten Einflüssen und vergleicht diese mit ein wenig Sauerteig, der den ganzen Teig durchsäuert. Unter Bezugnahme auf das jährliche Fest der Tage der Ungesäuerten Brote, das den Sauerteig als Symbol für die Sünde und den ungesäuerten Teig als Symbol für die Gerechtigkeit darstellt, spricht Paulus eine deutliche Warnung aus: Eine einzige nicht bereute Sünde kann letztlich unser eigenes Leben zerstören und den ganzen Leib Christi—die Kirche Gottes—negativ beeinflussen oder „verunreinigen.“

In Vers 10 verleiht Paulus seiner Überzeugung Ausdruck, dass er „in dem Herrn“ Vertrauen in sie hat, dass sie der Wahrheit nicht länger ungehorsam sein werden. Dies entspricht seiner Aussage in Philipper 1,6 („… ich bin darin guter Zuversicht, dass der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird‘s auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu.“) Dies ist insofern bemerkenswert, wenn man bedenkt, wie sehr die Galater in alte Gewohnheiten und verkehrte heidnische Praktiken zurückgefallen waren. Aber Paulus macht deutlich, dass Gott die Menschen nicht so einfach aufgibt—und das sollten auch wir nicht tun.

Paulus erklärt in Vers 11 ebenfalls, dass er keine Verfolgung durch falsche Geschwister erleiden würde, wenn er noch die Notwendigkeit der Beschneidung zur Erlangung der Rechtfertigung predigen würde. Da er jedoch stattdessen das „Kreuz“—den Tod Christi— predigte, wurde er verfolgt, weil diese Botschaft für sie anstößig war. Das „Ärgernis des Kreuzes“ vermittelt die Wahrheit, dass Jesus STERBEN musste, damit wir durch seine Gnade Vergebung, Rechtfertigung, Gerechtigkeit und das Heil erlangen können. Genau dieses Konzept war anstößig—ein Stein des Anstoßes und eine Torheit—für Juden und Griechen, die ihrerseits wunderbare „Zeichen“ und intellektuelle „Weisheit“ forderten (vergleichen Sie 1.Korinther 1,22-23).

Weiter in Galater 5,12-13:

„(Vers 12) O dass sie auch abgeschnitten würden, die euch verwirren! (Vers 13) Denn ihr seid zur Freiheit berufen, Brüder; nur macht die Freiheit nicht zu einem Vorwand für das Fleisch, sondern dient einander durch die Liebe“ (Schlachterbibel).

Der Wunsch des Paulus in Vers 12, hinsichtlich der die Wahrheit verdrehenden Irrlehrer, bedeutet höchstwahrscheinlich, „dass die Urheber dieser Irrtümer und Störungen aus der Gemeinde ausgeschlossen werden [sollten]“ (Albert Barnes’ Notes on the Bible).

In Vers 13 bekräftigt Paulus erneut, dass wir zu wahrer Freiheit berufen sind—Freiheit von unnötigen Lasten und heidnischen Bräuchen sowie vom Judentum oder den restriktiven Satzungen der Väter und insbesondere von Sünde und Tod. Aber er betont, dass unsere Freiheit kein Vorwand für die Sünde sein darf, indem wir die Sünde in unseren fleischlichen Gliedern herrschen lassen.

Albert Barnes’ Notes on the Bible erklärt dies folgendermaßen: „Ihr seid zur Freiheit berufen, jedoch es ist keine Freiheit, die dem Fleisch eine Gelegenheit bietet. Es ist nicht die Freiheit von tugendhaften Zwängen und von den Gesetzen Gottes. Es ist die Freiheit von der Knechtschaft der Sünde… nicht die Freiheit von den notwendigen Fesseln der Tugend.“

Vielmehr erklärt Paulus, dass wir die Sünde—die immer egoistisch ist—durch eine Liebe überwinden müssen, die sich nach außen hin manifestiert, indem wir anderen dienen.

Weiter in Galater 5,14:

„(Vers 14) Denn das ganze Gesetz ist in einem Wort erfüllt, in dem: ‚Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!‘“

Nachdem Paulus im vorigen Vers die „Liebe“ Gottes angesprochen hat, die das Halten der Gebote Gottes IST (1.Johannes 5,3; Elberfelder Bibel), fährt er sodann fort, das Gesetz als Liebe zum Nächsten zusammenzufassen. Er spricht vom „ganzen Gesetz“, wobei er sich auf unsere Beziehung zu den Mitmenschen bezieht.

In Albert Barnes’ Notes on the Bible heißt es: „Der Apostel verweist hier selbstverständlich auf das Gesetz hinsichtlich unserer Pflicht gegenüber unseren Mitmenschen, da er diesen Aspekt besonders hervorhebt.“

Die letzten sechs der Zehn Gebote zeigen uns, wie wir unseren Nächsten lieben sollen. In Römer 13,8-10 schreibt Paulus: „Seid niemand etwas schuldig, außer, dass ihr euch untereinander liebt; denn wer den andern liebt, der hat das Gesetz erfüllt. Denn was da gesagt ist: ‚Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht begehren‘, und was da sonst an Geboten ist, das wird in diesem Wort zusammengefasst: ‚Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.‘ Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung.“

Die Authorized Version schreibt genauer: „Deshalb ist Liebe das Erfüllen des Gesetzes.“

Matthew Henry’s Commentary on the Whole Bible führt zu Römer 13,8 aus:

„Die Liebe ist eine Verpflichtung. Das Gesetz Gottes und die Belange der Menschen verlangen dies… [Paulus] nennt die letzten fünf [richtig: die letzten sechs] der Zehn Gebote, die er alle in diesem königlichen Gesetz zusammengefasst sieht: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst…

„… es ist nicht nur eine Sünde, Böses gegen deinen Nächsten im Schilde zu führen, sondern ebenfalls, wenn man jenen Gutes vorenthält, denen es gebührt; beides ist gleichermaßen verboten… Das beweist, dass die Liebe das Erfüllen des Gesetzes ist… denn was anderes kann sie bewirken, als uns von bösen Taten abzuhalten und uns zu guten Taten zu zwingen? Die Liebe ist ein lebendiges, aktives Prinzip des GEHORSAMS gegenüber dem ganzen Gesetz.“

Der New Bible Commentary: Revised stimmt dem zu und stellt fest: „Diese Schlussfolgerung macht die Zehn Gebote keineswegs ungültig im Interesse eines nebulösen, existentiellen ‚Liebe und tu, was du willst‘… Liebe… ist der Geist, in dem wir das Gesetz halten sollen; aber wir brauchen die Einzelheiten und Vorschriften des Gesetzes für Gehalt und Definition…“

John Gill’s Exposition of the Entire Bible schreibt:

„… einander zu lieben… ist die einzige Schuld, die niemals vollständig beglichen werden kann; denn wenn sie auch immer bezahlt werden mag, so sollte sie doch immer als geschuldet betrachtet werden… Denn wer einen anderen liebt, hat das Gesetz… des Dekalogs [der Zehn Gebote] erfüllt; jenen Teil, der sich speziell auf den Nächsten bezieht; … denn das Gesetz zu erfüllen bedeutet, es zu TUN oder danach zu handeln; und in dem Maße, in dem der Mensch liebt, erfüllt er es, was bedeutet, er TUT es…“

Weiter in Galater 5,15-18:

„(Vers 15) Wenn ihr euch aber untereinander beißt und fresst, so seht zu, dass ihr nicht einer vom andern aufgefressen werdet. (Vers 16) Ich sage aber: Lebt im Geist, so werdet ihr die Begierden des Fleisches nicht vollbringen. (Vers 17) Denn das Fleisch begehrt auf gegen den Geist und der Geist gegen das Fleisch; die sind gegeneinander, sodass ihr nicht tut, was ihr wollt. (Vers 18) Regiert euch aber der Geist, so seid ihr nicht unter dem Gesetz.“

Paulus beschreibt erneut (besonders in Vers 17) zwei Lebenswege, so wie er es zuvor in seinem Gleichnis der beiden Bundesschlüsse getan hatte.

Wir können uns dafür entscheiden, im Geist zu leben (Vers 16), was uns motivieren und dazu befähigen wird, das Gesetz der Liebe zu HALTEN, und wenn wir das tun, dann werden wir die Begierde des Fleisches nicht vollbringen, die uns zur Sünde und zum Übertreten des Gesetzes verleiten wird (Vergleichen Sie 1.Johannes 3,4 in der Zürcher Bibel: „… Sünde ist die Übertretung des Gesetzes.“)

Wenn wir uns aber stattdessen entscheiden, im Fleisch zu leben, dann zeigen wir keine Liebe, sondern Selbstsucht, und wir werden uns untereinander beißen und auffressen (Vers 15). Vincent’s Word Studies fügt hinzu: „Zwietracht unter Parteien werden für die christliche Gemeinschaft als Ganzes tödlich sein. Das organische Leben des Leibes wird durch seine eigenen Glieder vernichtet werden.“

Und in Albert Barnes’ Notes on the Bible lesen wir: „… in ihren Streitigkeiten würden sie die Geistlichkeit und die Zufriedenheit der anderen zerstören; ihr Charakter würde ruiniert und die Gemeinde zerstört werden. Der einfachste Weg, die Geistlichkeit einer Gemeinde zu zerstören und den Einfluss der Religion zu vernichten, ist, einen Geist des Streits zu erregen.“

Im Geist zu leben und nicht im Fleisch ist ein ständiger Kampf, wie Paulus in Vers 17 erklärt. In unserer Gesinnung findet ein Kampf zwischen dem Geist Gottes und unseren fleischlichen Begierden statt. Und so wie Abraham die Magd austreiben musste, so müssen auch wir diese fleischlichen Begierden austreiben. Wenn wir uns von Gottes Geist leiten lassen und das tun, was vor Gott wohlgefällig ist, dann sind wir nicht länger „unter dem Gesetz“ (Vers 18). Wenn wir nach dem Geist leben und uns von ihm leiten lassen, dann werden wir das Gesetz halten. Und weil und solange wir es nicht brechen, befinden wir uns nicht unter der Strafe des Gesetzes.

Weiter lesen wir in Galater 5,19-21:

„(Vers 19) Klar erkennbar sind die Auswirkungen unserer natürlichen Begierden, nämlich: Ehebruch, Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, (Vers 20) Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Streit, Eifersucht, Zorn, Zank, Zwietracht, Spaltungen, (Vers 21) Neid, Mord, Trunkenheit, Völlerei und dergleichen, von denen ich euch voraussage, wie ich auch früher schon gesagt habe, dass die, die so etwas tun, das Reich Gottes nicht erben werden“ (neue Lutherbibel 2009).

Weit davon entfernt, das Konzept „einmal gerettet, immer gerettet“ zu lehren, ermahnt Paulus die Galater, sich daran zu erinnern, dass wir das Reich Gottes nicht erben werden, wenn wir uns weigern, im Geist zu leben, und stattdessen lieber im Fleisch leben wollen. Paulus hatte seinen Brief mit dem Evangelium oder der Guten Nachricht vom Reich Gottes begonnen, und nun erklärt er, dass wir das ewige Leben im Reich Gottes nicht erben werden, wenn wir die Sünde praktizieren, indem wir das Gesetz brechen.

Und so zählt Paulus zahlreiche Sünden—sündhaftes Verhalten—auf, die uns aus dem Reich Gottes ausschließen werden, wenn sie als Lebensweg beschritten und nicht bitter bereut werden.

Wir möchten aus Adam Clarke’s Commentary on the Bible zitieren, um ein genaueres Gefühl für die Art der SÜNDEN zu vermitteln, die Paulus hier aufzählt:

Ehebruch—Unerlaubte Verbindung mit einer verheirateten Person [und, wir möchten hinzufügen, unerlaubte Verbindung von einer verheirateten Person mit einer verheirateten oder unverheirateten Person].

Unzucht—Unerlaubte Verbindung zwischen unverheirateten oder alleinstehenden Personen…

Unreinheit—alles, was der Reinheit widerspricht; bedeutet hier wahrscheinlich… unnatürliche Sexualpraktiken; Sodomie, Bestialität.

Ausschweifung—alles, was der Keuschheit widerspricht; jegliche Lüsternheit.

Götzendienst—Anbetung von Götzen; Teilnahme an Götzenfesten; alle Riten des Bacchus, der Venus, des Priapus usw., die unter den Heiden üblich waren.

Zauberei—bei allen Zaubersprüchen und Verzauberungen… wurden Drogen eingesetzt… So wurden Zaubersprüche und Beschwörungen manchmal zur Wiederherstellung der Gesundheit, bei anderen Gelegenheiten zur Vernichtung eines Feindes verwendet…

Feindschaft—Abneigungen und Antipathien, wenn sie der brüderlichen Liebe und Güte entgegenstehen.

Streit—Auseinandersetzungen, bei denen das Prinzip des Hasses zu offenen Handlungen führt, also Streitigkeiten, Auseinandersetzungen, Rechtsstreitigkeiten und Streitigkeiten im Allgemeinen.

Eifersucht—[Wetteifern], das heißt das Streben, sich auf Kosten anderer zu profilieren; andere herabzusetzen, um sich selbst zu erhöhen; unheiliger Eifer, der eine schlechte Sache eifrig vertritt oder eine gute mit grausamen Mitteln unterstützt…

Zorn—unruhige Leidenschaften, die die Harmonie des Geistes stören und zu häuslichen und zivilen Auseinandersetzungen führen…

Zank—[Zwist] Auseinandersetzungen oder Streit um Worte.

Zwietracht—Spaltungen in verschiedene Fraktionen…

Spaltungen—Fraktionen, Parteien in der Kirche… Skandale, Beleidigungen oder Stolpersteine.

Neid—Schmerz, der beim Anblick von Vortrefflichkeit oder Glück empfunden und Bösartigkeit, die dabei erdacht wird. Eine Leidenschaft, und zwar die gemeinste und am wenigsten heilbare von allen…

Mord—Mord bedeutet die Vernichtung menschlichen Lebens; und derjenige, der seinen Bruder in seinem Herzen hasst und bereit ist, ihm das Leben zu nehmen, wird ein Mörder genannt…

Trunkenheit—… sogar die Sorgen der Welt, wenn sie den Geist betäuben…

Völlerei—laszive Schwelgereien mit obszönen Liedern, Musik, usw….“

Albert Barnes’ Notes on the Bible kommt zu dem Schluss, dass jene, die solcherlei Dinge praktizieren, das Reich Gottes nicht erben werden, da sie „keine Kinder Gottes sind und daher das Reich nicht erben können, das nur den Kindern der Gottfamilie gehört.“

Weiter in Galater 5,22-23:

„(Vers 22) Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmut, Keuschheit. (Vers 23) Wider solche ist das Gesetz nicht“ (Lutherbibel 1912).

Wenn wir die Frucht des Geistes in unserem Leben manifestieren, dann verstoßen wir nicht gegen das Gesetz Gottes. Das Gesetz Gottes ist nicht gegen die Frucht des Geistes; es sagt nicht: Du darfst keine Liebe, keinen Glauben und keine Freude haben.

In Albert Barnes’ Notes on the Bible lesen wir:

„Gegen all dies ist das Gesetz nicht—das bedeutet, es gibt kein Gesetz, das solche Menschen verurteilt. Dies sind nicht die Dinge, die das Gesetz anprangert. Daher sind diese Menschen also die wahrhaft Freien; frei vom verdammenden Urteil des Gesetzes und frei im Dienste Gottes. Das Gesetz verurteilt die Sünde.“

Beachten Sie ebenfalls, dass die aufgelisteten Eigenschaften alle als „Frucht“ und nicht als „Früchte“ des Geistes bezeichnet werden. Wenn wir von Gottes heiligem Geist geleitet werden, dann sollten ALLE diese Eigenschaften gegenwärtig sein.

Wir möchten erneut aus Adam Clarke’s Commentary on the Bible zitieren, um ein besseres Gefühl für die Eigenschaften der Frucht des heiligen Geistes im Leben eines Christen zu vermitteln:

Liebe—ein intensives Verlangen, Gott wohlgefällig zu sein und den Menschen Gutes zu tun; die eigentliche Seele und der Geist jeglicher wahren Religion; die Erfüllung des Gesetzes…

Freude—Der Jubel, der aus dem Gefühl der Barmherzigkeit Gottes erwächst, die der Seele [der Person] durch die Vergebung ihrer Sünden und die Aussicht auf die ewige Herrlichkeit zuteilwird …

Friede—Die Ruhe, Stille und Ordnung, die der gerechtfertigten Seele [Person] innewohnt, anstelle von… Zweifeln, Ängsten, Furcht und schrecklichen Vorahnungen… Friede ist die erste spürbare [Charaktereigenschaft und Konsequenz] der Vergebung der Sünde…

Geduld—… die Schwächen und Provokationen anderer ertragen, ausgehend von der Überlegung, dass Gott die unseren langmütig ertragen hat… auch alle Mühen und Schwierigkeiten des Lebens ohne Murren ertragen…

Freundlichkeit—Güte; eine sehr seltene Gnade, an der es oftmals mangelt… Eine gute Erziehung und geschliffene Manieren, wenn unter den Einfluss der Gnade Gottes gebracht, werden diese Gnade mit großer Wirkung zur Geltung bringen.

Gütigkeit—Der ständige Wunsch und das aufrichtige Bemühen, sich nicht nur jeder Manifestation des Bösen zu enthalten, sondern dem Körper und der Seele der Menschen [das heißt dem gesamten Wesen, einschließlich Körper, Gesinnung und Geist] nach Kräften Gutes zu tun. Das alles aber muss aus einem guten Herzen entspringen—einem Herzen, das durch den Geist Gottes gereinigt ist…

Glaube—… hier verwendet für Treue [oder Redlichkeit]—Pünktlichkeit bei der Erfüllung von Versprechen, gewissenhafte Sorgfalt bei der Bewahrung dessen, was uns anvertraut ist, bei der Rückerstattung an den rechtmäßigen Besitzer, bei der Erledigung der uns anvertrauten Aufgaben, wobei wir weder das Geheimnis unseres Freundes verraten noch das Vertrauen unseres Arbeitgebers enttäuschen.

Sanftmut—Milde, Nachsicht gegenüber Schwachen und Irrenden, geduldiges Ertragen von Verletzungen, ohne Rachegelüste zu verspüren… das genaue Gegenteil von Zorn.

Keuschheit—Enthaltsamkeit, Selbstbeherrschung oder Mäßigung, vor allem in Bezug auf sinnliche oder körperliche Begierden. Mäßigung beim Essen, Trinken, Schlafen, usw.“

Weiter in Galater 5,24:

„(Vers 24) Die aber Christus Jesus angehören, die haben ihr Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften [oder Lüsten] und Begierden.“

Als wir auf Christus getauft wurden, ist unser alter Mensch gestorben. Er wurde mit Christus gekreuzigt, so dass wir als neuer Mensch oder als neue Person leben können. Als wir aus dem Wassergrab emporstiegen, empfingen wir mit Gebet und Handauflegung der Predigerschaft den heiligen Geist des Vaters und Jesu Christi, um in einem neuen Leben zu wandeln.

Paulus fährt in Galater 5,25-26 fort:

„(Vers 25) Wenn wir im Geist leben, so lasst uns auch im Geist wandeln. (Vers 26) Lasst uns nicht nach eitler Ehre trachten, einander nicht herausfordern und beneiden.“

Der Kommentar von Jamieson, Fausset and Brown erklärt Vers 25 wie folgt, indem er das griechische Original zitiert:

„‚Wenn wir… DURCH den Geist leben, lasst uns auch… DURCH den Geist wandeln.‘ … ‚Leben durch (oder ‚im‘) Geist‘ ist keineswegs nur ein gelegentlicher Einfluss des Geistes, sondern ein beständiger Zustand, in dem wir kontinuierlich lebendig sind, obwohl wir manchmal schlafen und untätig sein mögen.“

Paulus ermahnt uns in Vers 26, nicht nach eitler Ehre zu trachten oder eitel zu werden – „sich nicht unserer Errungenschaften zu rühmen; sich nicht damit zu brüsten, anderen überlegen zu sein; oder nicht Ehre zu suchen in Dingen, die keinen moralischen Wert besitzen, in Herkunft, Reichtum oder Redegewandtheit“ (Adam Clarke’s Commentary on the Bible).

Paulus sagt, dass sie „einander nicht herausfordern“ sollen. Mit anderen Worten soll man „diejenigen, die man als Untergebene betrachtet, nicht durch eine hochmütige Haltung und ein verächtliches Verhalten ihnen gegenüber provozieren. Man sieht sie oft mit Verachtung an, geht mit Geringschätzung an ihnen vorbei, behandelt sie wie Menschen, die man nicht beachtet, und das erzeugt auf der anderen Seite Unmut und Hass“ (Albert Barnes’ Notes on the Bible).

Auch sollen wir einander nicht beneiden, etwa weil der Bruder größeren Reichtum, höheren Rang, überlegenes Talent oder Gelehrsamkeit besitzt (vergleichen Sie Albert Barnes’ Notes on the Bible).

Der Brief an die Galater, Kapitel 6

Nachdem Paulus erklärt hat, wie wir unsere Mitmenschen und insbesondere unsere Geschwister in der Gemeinde nicht behandeln sollen, fährt er fort, zu erklären, wie wir sie behandeln müssen—und wie wir ihnen beistehen können, wenn sie Hilfe brauchen.

Er sagt in Galater 6,1-2:

„(Vers 1) Liebe Brüder, wenn ein Mensch etwa von einer Verfehlung ereilt wird, so helft ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist, ihr, die ihr geistlich seid; und sieh auf dich selbst, dass du nicht auch versucht werdest. (Vers 2) Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“

Wenn wir „geistlich“ sind und uns von Gottes Geist leiten lassen und deshalb die Eigenschaften der Sanftmut an den Tag legen—die zur Frucht des heiligen Geistes gehört—, dann sind wir in der Lage, einem Bruder zu helfen, der von einer Verfehlung ereilt wird. Paulus meint hier nicht falsche Brüder und Lehrer, die in Sünde leben und den Leib Christi zerstören wollen; vielmehr spricht er von einem Bruder, der ins Schleudern geraten ist und Hilfe braucht—möglicherweise ohne sich dessen bewusst zu sein—, um wieder auf den richtigen Weg zu kommen.

Uns wird gesagt, dass wir „… aufeinander achtgeben [sollen], damit wir uns gegenseitig anspornen zur Liebe und zu guten Werken, indem wir unsere eigene Versammlung nicht verlassen [oder „versäumen“, vgl. neue Lutherbibel 2009], wie es einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen, und das umso mehr, als ihr den Tag herannahen seht!“ (Hebräer 10,24-25, Schlachterbibel).

Bevor wir mit einem Bruder sprechen, der von einer Verfehlung ereilt wurde, sollten wir sicherstellen, dass wir zuerst zu Gott beten (1.Johannes 5,16), dass er uns seine Weisheit verleiht und dass er eingreifen möge. Sodann sollten wir „Mitleid“, „Furcht“ und „Sanftmut“ zeigen, wenn wir versuchen, unserem Bruder zu helfen und ihn zu korrigieren, denn wir wissen, dass nicht bereute Sünden um sich fressen können wie der Krebs (Judas 22-23; 2.Timotheus 2,16-26). Indem wir das tun, werden wir „einer […] des andern Last [tragen].“ Wenn wir aufgefordert werden, auf diese Weise zu helfen, dürfen wir vor dieser Verantwortung nicht zurückschrecken (Sprüche 24,10-12; 27,5-6; 28,23).

Gleichzeitig warnt Paulus uns, unsere eigenen Schwächen nicht zu vergessen, einschließlich der Möglichkeit, dass auch wir straucheln könnten; denn sonst mögen wir versucht sein, mit dem irrenden Bruder zu hart und zu streng umzugehen (vergleichen Sie Jakobus 2,13).

Wenn wir die Ermahnungen des Paulus befolgen, anderen zu helfen, die Hilfe brauchen, dann werden wir das Gesetz Christi erfüllen. Christus kam, um das Gesetz zu erfüllen, indem er es mit Bedeutung anfüllte und den ursprünglichen geistlichen Sinn aufzeigte. Er hat uns gezeigt, wie wir Gott und unseren Nächsten in vollem Umfang lieben können. Das vermögen wir nur zu tun, wenn der Geist Christi in uns lebt.

Christus sagte seinen Jüngern in Johannes 13,34: „Ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr einander liebt; wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander liebhabt.“ In Johannes 15,12 fügte er hinzu: „Das ist mein Gebot, dass ihr euch einander liebt, wie ich euch liebe.“

Beachten Sie, dass es im Urtext keine Kommas gibt. Was Christus in den beiden Passagen sagt, ist, dass wir einander genauso lieben sollen, wie Christus uns geliebt hat und liebt.

Um einander so zu lieben, wie Christus uns geliebt hat, müssen wir die Liebe Gottes in uns haben – die wir durch den in uns lebenden heiligen Geist empfangen. Vergleichen Sie hierzu Römer 5,5.8-10.

Weiter geht es in Galater 6,3-5:

„(Vers 3) Denn wenn jemand meint, er sei etwas, obwohl er doch nichts ist, der betrügt sich selbst. (Vers 4) Ein jeder aber prüfe sein eigenes Werk; und dann wird er seinen Ruhm bei sich selbst haben und nicht gegenüber einem andern. (Vers 5) Denn ein jeder wird seine eigene Last tragen.“

Paulus weist in Vers 3 darauf hin, dass jene, die meinen, sie könnten nicht auf dieselbe Weise wie ihr Bruder in Vers 1 straucheln, erkennen sollten, dass auch sie in gleicher Weise sündigen können (vergleichen Sie 1.Korinther 10,12; siehe auch Römer 11,20).

Albert Barnes’ Notes on the Bible erklärt:

„Diejenigen, die sich in Sicherheit wähnen und es für unmöglich halten, dass sie sündigen könnten, sind keineswegs sicher. Sie könnten vollkommen der Täuschung unterliegen und selbst ‚nichts‘ sein, obwohl sie sich am höchsten einschätzen. Sie können selbst in der Sünde fehlen und benötigen das ganze Mitleid und die Sanftmut ihrer Geschwister… Man täuscht sich selbst – man versteht seinen eigenen Charakter nicht.“

Wenn wir denken, dass unsere eigene Kraft, unsere Talente und unsere Leistungen uns vor der Sünde bewahren, dann müssen wir erkennen, dass wir „nichts“ sind, wenn wir von Gott getrennt sind (Vers 3).

Darüber hinaus sagt uns Paulus in Vers 4, dass wir unser eigenes Werk prüfen oder untersuchen sollen, wie wir uns im Lichte von Gottes Wort und Gesetz verhalten, und dass wir uns nicht mit anderen vergleichen sollen (siehe 2.Korinther 10,12-13). Wenn unsere Wege mit Gottes Maßstab in Einklang stehen, dann können wir uns in Dankbarkeit für unser Leben freuen, und nicht, weil wir meinen, im Vergleich mit anderen scheinbar besser dazustehen (siehe Lukas 18,9-14, besonders Vers 11). Andere sind nicht unser Maßstab. Wir sollen uns nicht mit dem Bruder vergleichen, der gestrauchelt ist und dem wir helfen sollen; vielmehr sollen wir nur auf uns selbst schauen, um zu beurteilen, wie es um uns bestellt ist.

In demselben Zusammenhang sagt Paulus in Vers 5, dass wir alle unsere eigene Last tragen sollen. Liegt hier ein Widerspruch zu Vers 2 vor, wo Paulus sagt, dass wir die Last des anderen tragen sollen? Keineswegs. Beachten Sie die folgende Erklärung des Jamieson, Fausset and Brown Commentary:

„Denn… ein jeder soll seine eigene ‚Last‘ oder vielmehr ‚Bürde‘ (nämlich die der Sünde und der Schwachheit) tragen, wobei sich das Griechische [in Vers 5] von dem [Wort] in [Vers 2] unterscheidet. Dieser Vers [in Vers 5] steht nicht im Widerspruch zu [Vers 2]. Dort sagt er ihnen, dass sie die ‚Last der Schwachheit‘ der anderen mitfühlend tragen sollen; hier, dass die Selbstprüfung einen Menschen dazu bringt, zu spüren, dass er mit ‚seiner eigenen Bürde‘ der Sünde genug zu tun hat, ohne sich hochmütig mit seinem Nächsten zu vergleichen. Beachten Sie [Vers 3]: Anstatt das ‚jemand meint, er sei etwas‘, soll er die ‚Bürde‘ seiner eigenen Sünde spüren: und das wird ihn dazu bringen, die Last der Schwäche seines Nächsten mitfühlend zu tragen.

Indem wir unsere eigene Sündenlast erkennen, nehmen wir auch dankbar an, dass wir aufgrund der Gnade Gottes von ihm seine Hilfe und Vergebung der Sünden sowie ein gutes und unbeflecktes Gewissen (Hebräer 10,22) erlangen können. Wir sollten uns immer daran erinnern, dass wir unsere Bürde erleichtern können, indem wir die Last Jesu auf uns nehmen—weil wir wissen, dass sein Joch „sanft“ und seine Last „leicht“ ist (Matthäus 11,28-30). Und ebenso wie dies für uns gilt, so gilt es auch für unseren Bruder, der gestrauchelt und gestürzt ist.

In Galater 6,6-10 geht Paulus auf ein hiermit verwandtes Thema ein, nämlich das der guten Taten:

„(Vers 6) Wer aber unterrichtet wird im Wort, der gebe dem, der ihn unterrichtet, Anteil an allem Guten. (Vers 7) Irret euch nicht! Gott lässt sich nicht spotten. Denn was der Mensch sät, das wird er ernten. (Vers 8) Wer auf sein Fleisch sät, der wird von dem Fleisch das Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät, der wird von dem Geist das ewige Leben ernten. (Vers 9) Lasst uns aber Gutes tun und nicht müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten, wenn wir nicht nachlassen. (Vers 10) Darum, solange wir noch Zeit haben, lasst uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen.“

Der Jamieson, Fausset and Brown Commentary erklärt den Zusammenhang zwischen der Aussage des Paulus in den vorhergehenden Versen und dem, was er jetzt sagt:

„Von der Erwähnung des gegenseitigen Lastentragens geht er zu einer Möglichkeit über, wie diese Lasten getragen werden können, indem sie ihren geistlichen Lehrern durch ihre irdischen Güter dienen… Jeder soll seine eigene Last tragen; ABER damit will ich [Paulus] nicht sagen, dass er nicht an andere denken soll, und besonders an die Bedürfnisse seiner Prediger.“

Adam Clarke’s Commentary on the Bible fügt hinzu:

„Tragt zum Unterhalt des Mannes bei, der sich dem Werk der Predigerschaft verschrieben hat und der seine Zeit und sein Leben aufgibt, um das Evangelium zu predigen. Es scheint, dass einige der Gläubigen in Galatien den Dienst der christlichen Prediger gerne annehmen wollten, ohne jedoch zu deren Unterhalt beizutragen. Das ist sowohl undankbar als auch niederträchtig… Es ist ungerecht.“

Aber die Ermahnung des Paulus beschränkt sich keineswegs nur auf die Unterstützung der Predigerschaft. Gott erwartet von uns allen, dass wir einander Gutes tun, wenn sich uns die Gelegenheit dazu bietet—und das gilt vor allem für unsere geistlichen Geschwister. In den Versen 7 und 8 weist Paulus erneut auf die Unvereinbarkeit zwischen dem Weg unseres Fleisches und dem Weg des Geistes Gottes in uns hin.

WIR WERDEN ERNTEN, WAS WIR SÄEN! Wenn wir auf unser Fleisch säen, indem wir den Begierden unseres Fleisches folgen—einschließlich der Weigerung, Gutes zu tun—, dann werden wir letztendlich von unserem Fleisch die Vernichtung ernten. Wenn wir auf Gottes Geist in uns säen, indem wir seiner Führung folgen und Gutes tun, ohne zu wanken oder zu zögern, und wenn wir nicht den Mut verlieren, dann werden wir durch den Geist ewiges oder unvergängliches Leben erben.

Weiter und abschließend in Galater 6,11-18:

„(Vers 11) Seht, mit wie großen Buchstaben ich euch schreibe mit eigener Hand! (Vers 12) Die Ansehen haben wollen nach dem Fleisch, die zwingen euch zur Beschneidung, nur damit sie nicht um des Kreuzes Christi willen verfolgt werden. (Vers 13) Denn auch sie selbst, die sich beschneiden lassen, halten das Gesetz nicht, sondern sie wollen, dass ihr euch beschneiden lasst, damit sie sich dessen rühmen können. (Vers 14) Es sei aber fern von mir, mich zu rühmen als allein des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus, durch den mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt. (Vers 15) Denn in Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas, sondern eine neue Kreatur. (Vers 16) Und alle, die sich nach diesem Maßstab richten—Friede und Barmherzigkeit über sie und über das Israel Gottes! (Vers 17) Hinfort mache mir niemand weiter Mühe; denn ich trage die Malzeichen Jesu an meinem Leibe. (Vers 18) Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit eurem Geist, liebe Brüder! Amen.“

Paulus beschließt seinen Brief, indem er ein weiteres Mal die Themen und Konzepte aufgreift, die er im Laufe des Briefes erörtert hatte. Er verweist auf seine eigene Krankheit und körperlichen Gebrechen (Vers 11) und offenbar auch auf seine Wunden, die von den vielen Schlägen herrührten, die er ertragen musste (Vers 17; vergleichen Sie 2.Korinther 11,23-25), und er betont, dass ein Teil seiner Verfolgung auf seine Botschaft des Kreuzes Christi und die Tatsache zurückzuführen ist, dass die Beschneidung nicht mehr erforderlich ist (Verse 12, 15).

Paulus weist ebenfalls darauf hin, dass jene, die die Beschneidung fordern, damit sie keine Verfolgung erdulden müssen (Vers 12), selbst das Gesetz nicht halten (Vers 13)—nicht das ganze Gesetz und ganz sicher nicht die Zehn Gebote.

Paulus fährt fort zu erklären, dass der Kern der Botschaft des Evangeliums vom Reich Gottes darin besteht, WIE wir das Reich Gottes erben können. Es hat damit zu tun, WIE WIR NACH DIESEN REGELN WANDELN (Vers 16; Schlachterbibel); dass wir als „neue Kreatur“ leben müssen (Vers 15); dass die Welt uns gekreuzigt ist und wir der Welt (Vers 14); und dass wir jetzt das Israel Gottes sind (Vers 16); das heißt, das geistliche Israel—im Unterschied zum fleischlichen Israel.

Als geistliche Israeliten und geistliche Juden sollen wir denselben Glauben Jesu Christi haben, den auch Abraham hatte. Außerdem, und das ist das Wichtigste, stehen das Ererben des Reiches Gottes und die Erlangung des Heils damit in Zusammenhang, dass Gott der Vater und Jesus Christus uns aus GNADE unsere Sünden vergeben, uns rechtfertigen und uns gerecht machen und bewahren (Vers 18).

Solange wir der Führung des heiligen Geistes in uns folgen, werden wir Gottes Gesetz halten und Gnade erlangen, wenn wir straucheln (Vers 16). Jesus Christus wird uns vergeben, wenn wir bereuen, und sein Blut wird uns von aller Sünde und aller Ungerechtigkeit reinigen (1.Johannes 1,7.9).

So wie Paulus mit dem Konzept der Gnade begonnen hat (Galater 1,3), so beschließt er damit auch seinen Brief im allerletzten Satz. Das richtige Verständnis von Gnade ist von äußerster Wichtigkeit. Sie ist keineswegs ein Freibrief zur Sünde; vielmehr ist sie Gottes Hilfe für uns, um von der Sünde getrennt leben zu können.

Schlussbemerkung

Die in hohem Maße missverstandenen biblischen Konzepte darüber, wie man Rechtfertigung, Gerechtigkeit und Erlösung erlangt und ob es einen Konflikt zwischen Gesetz und Gnade gibt, haben zu schrecklichen Konsequenzen geführt. Milliarden werden getäuscht und leben in der Annahme, dass sie sich nicht mehr an die Zehn Gebote und bestimmte Satzungen und Rechtsvorschriften halten müssen. Andere wiederum glauben, dass sie sich ihre Erlösung verdienen können, indem sie aus eigener Kraft versuchen, Gott gehorsam zu sein. Dann gibt es noch jene, die vollkommen verzweifeln, weil sie denken, dass ihre Sünden niemals vergeben werden können, und die sich allein auf ihre Unzulänglichkeiten konzentrieren und daraus schließen, dass sie niemals gerettet werden können.

Der Brief des Paulus an die Galater macht deutlich, dass wir uns ohne Gottes Gnade nicht für das Reich Gottes qualifizieren können. Er erklärt auch, dass bestimmte Rituale, wie Opfer, Waschungen und Beschneidung, nicht länger notwendig sind und uns ganz sicher nicht rechtfertigen können. Gleichzeitig zeigt Paulus, dass wir uns bemühen müssen, Gott gehorsam zu sein—dass wir die Wege und falschen Bräuche und Traditionen dieser Welt hinter uns lassen und die Versuchungen unseres Fleisches überwinden müssen.

Wenn wir denken, dass wir das Heil nie „verspielen“ können—egal, wie wir leben—, dann irren wir uns. Wenn wir denken, dass wir uns selbst rechtfertigen und gerecht machen müssen, dann werden wir scheitern. Wenn wir denken, dass allein unser Glaube es ist, der uns rechtfertigt und gerecht macht, dann sind wir auf dem Holzweg. Wenn wir jedoch zulassen, dass der in uns wohnende Glaube Christi uns rechtfertigt, und wenn wir zulassen, dass der lebendige Christus die gerechten Forderungen des Gesetzes in uns erfüllt, dann werden wir Erfolg haben.

Ja, wir sind verpflichtet, Gottes geistliches Gesetz zu halten, aber es ist Gottes Gnade, die uns dazu befähigt. Und ja, wir werden von Zeit zu Zeit das Ziel fehlen und gegen Gottes Gesetz verstoßen und sündigen, auch nach unserer Bekehrung, aber es ist Gottes Gnade, die uns Vergebung gewährt und uns dazu befähigt, weiterzumachen—bis hin zu dem Tag der Wiederkunft Christi.